{"id":1005489,"date":"2026-04-13T20:52:43","date_gmt":"2026-04-13T17:52:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rri.ro\/?p=1005489"},"modified":"2026-04-13T20:52:43","modified_gmt":"2026-04-13T17:52:43","slug":"die-kunst-der-bemalten-eier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/rumaenien-einmal-anders\/die-kunst-der-bemalten-eier-id1005489.html","title":{"rendered":"Die Kunst der bemalten Eier"},"content":{"rendered":"<p>Das Osterfest steht vor der T\u00fcr, und passend dazu entf\u00fchren wir Sie heute in eine Welt voller Farbe, Tradition und handwerklicher Pr\u00e4zision. Es geht um eine jahrhundertealte Kunst, die in Rum\u00e4nien bis heute lebendig ist: das kunstvolle Bemalen und Verzieren von Ostereiern. Unter dem Titel <em>&#8222;Rum\u00e4nien zu Gast: Die Kunst der verzierten Eier&#8220;<\/em> l\u00e4uft dazu aktuell eine faszinierende Ausstellung im Gro\u00dfherzogtum Luxemburg.<\/p>\n<p>Das Dorfmuseum \u201eDimitrie Gusti\u201c aus Bukarest, die rum\u00e4nische Botschaft im Gro\u00dfherzogtum Luxemburg und das Rum\u00e4nische Kulturinstitut in Br\u00fcssel veranstalten p\u00fcnktlich zur Osterzeit eine ganz besondere Schau. Noch bis zum 15. April 2026 ist die Ausstellung \u201eDie Kunst der verzierten Eier in Rum\u00e4nien\u201c im prachtvollen Rittersaal des Schlosses Vianden in Luxemburg zu sehen. \u00dcber diese rum\u00e4nische Pr\u00e4senz im Ausland haben wir mit der Universit\u00e4tsdozentin Dr. Paula Popoiu gesprochen. Sie ist die Direktorin des Nationalen Dorfmuseums in Bukarest:<\/p>\n<p><em>\u201eDiese Ausstellung findet im Schloss Vianden in Luxemburg statt \u2013 einem prestigetr\u00e4chtigen Ort der europ\u00e4ischen Kultur, der zudem viele Besucher anzieht. Wie wir alle wissen, ist Luxemburg ein sehr internationales Pflaster mit zahlreichen europ\u00e4ischen Institutionen. Unsere Ausstellung wird also nicht nur von den Luxemburgern selbst, sondern auch von den vielen hier lebenden Rum\u00e4nen gut besucht. Wir haben die Finesse und die Raffinesse der verzierten Eier nach Luxemburg gebracht. Das ist in erster Linie eine Kunst der Frauen, denn sie sind es, die die Eier traditionell f\u00fcr das Osterfest verzieren. Wir haben hier den Rahmen geschaffen, der dieser Kunst voller Pr\u00e4zision \u00fcberhaupt erst Raum gibt. Man darf aber nicht vergessen, dass das Ei auch einen stark rituellen Charakter hat. Es handelt sich um eine uralte, vorchristliche Tradition, die mit der \u00dcbernahme ins Christentum dann noch einmal neue, zus\u00e4tzliche Bedeutungen erhalten hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nur wenige zeitgen\u00f6ssische Rituale tragen eine derart tiefe Symbolik in sich. Sie zeugen von einer gro\u00dfen N\u00e4he zum Sakralen und von der Verbundenheit mit einem geradezu ahnenhaften Rhythmus. Die Praxis, Ostereier kunstvoll zu verzieren, ist eine Kunstform, die in Mitteleuropa in verschiedenen Varianten bis heute \u00fcberlebt hat. In einigen Regionen Rum\u00e4niens wird dieses volkst\u00fcmliche Handwerk zur absoluten \u00e4sthetischen Perfektion getrieben und weiterhin aktiv praktiziert. L\u00e4ngst wird es als Teil des immateriellen nationalen Kulturerbes gesch\u00fctzt und gef\u00f6rdert. Dazu noch einmal Museumsdirektorin Dr. Paula Popoiu:<\/p>\n<p><em>\u201eWir zeigen hier Eier aus allen Landesteilen Rum\u00e4niens, in denen diese Tradition gepflegt wird. Allen voran nat\u00fcrlich die Eier aus der Bukowina. Von dort stammen nicht nur die sch\u00f6nsten, sondern auch die interessantesten Exemplare mit den \u00e4ltesten Symbolen. Wir thematisieren die Symbolik des \u201aurspr\u00fcnglichen Eies\u2018 und erkl\u00e4ren in unserer Ausstellung auch die verschiedenen dekorativen Motive. Es gibt Muster, die erst im Laufe der Zeit in dieser Kunstform aufgetaucht sind, die aber dennoch ihre tiefe Bedeutung nicht verlieren. Und nat\u00fcrlich haben wir Erfolg damit, denn hier im Schloss Vianden finden recht h\u00e4ufig Ausstellungen mit rum\u00e4nischen Museen statt. Ich w\u00fcrde sagen, es war eine wunderbare Gelegenheit, sowohl \u00fcber Rum\u00e4nien als auch \u00fcber unser Dorfmuseum zu sprechen. Wir haben das mitgebracht, was man traditionelle rum\u00e4nische Kultur nennt \u2013 aber eigentlich haben wir noch viel mehr mitgebracht: Wir haben eine Br\u00fccke geschlagen, eine Br\u00fccke zwischen zwei Kulturen, zwischen zwei V\u00f6lkern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Ausstellung beschr\u00e4nkt sich jedoch nicht nur auf die filigranen Eier, wie Dr. Popoiu erg\u00e4nzt:<\/p>\n<p><em>\u201eNeben den rund 300 Eiern, die teils aus den Sammlungen unseres Museums, teils aus Privatsammlungen stammen, zeigen wir auch Keramik und Textilien. Das haben wir ganz bewusst so abgestimmt, denn die dekorativen Motive auf den Textilien finden sich oft eins zu eins auf den Eiern wieder. Wir haben die Ausstellung also nicht nur anthropologisch, sondern auch ein wenig didaktisch aufgebaut. Wir erkl\u00e4ren, was ein bestimmtes Ziermotiv bedeutet, das wir auf dem Ei, aber eben auch auf anderen Artefakten sehen. Dazu gesellen sich noch einige geschnitzte Holzobjekte. Insgesamt pr\u00e4sentieren wir etwa 350 Ausstellungsst\u00fccke. Es m\u00fcssen so viele sein, um der Vielfalt der verzierten Eier aus allen Regionen des Landes auch wirklich gerecht zu werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Unsere Gespr\u00e4chspartnerin wies zudem auf den interaktiven Charakter der Luxemburger Schau hin:<\/p>\n<p><em>\u201eIch sagte ja bereits, dass die Ausstellung auch einen gewissen didaktischen Anspruch hat. Wir fangen ganz klassisch beim roten Ei an \u2013 das ist das eigentliche rituelle Ei. Danach kommen die vielen verschiedenen Farben, von denen jede ihre eigene Bedeutung hat. Ganz besonders widmen wir uns aber der Technik des Verzierens mit Bienenwachs. Das ist die Methode, die vor allem in der Bukowina praktiziert wird und die am komplexesten ist. Ich muss auch unbedingt erw\u00e4hnen, dass es im Rahmen der Ausstellung spezielle Werkst\u00e4tten geben wird, in denen man das Verzieren der Eier selbst ausprobieren kann. Geleitet werden sie von unserer Mitarbeiterin, der Kunsthandwerkerin Elena Aneci. Ich bin fest davon \u00fcberzeugt, dass das in den kommenden Tagen ein ganz besonderer Erfolg sein wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und die Techniken in Rum\u00e4nien sind in der Tat so vielf\u00e4ltig wie die traditionellen Muster. Neben der klassischen Methode mit Wachs gibt es die Batiktechnik oder das nat\u00fcrliche F\u00e4rben \u2013 etwa mit Zwiebelschalen. Auch modernere Ans\u00e4tze sind zu finden: So werden Eier teils in m\u00fchsamer Kleinarbeit mit bunten Perlen beklebt, um geometrische oder florale Muster zu kreieren. Andere werden mit Acryl- oder Temperafarben bemalt oder mit Relief-Applikationen versehen.<\/p>\n<p>Am h\u00e4ufigsten werden H\u00fchnereier verwendet. Doch auch G\u00e4nse-, Enten- oder Strau\u00dfeneier sind beliebt \u2013 gerade Letztere bieten durch ihre Gr\u00f6\u00dfe viel Platz f\u00fcr extrem detaillierte und komplexe Verzierungen. Abgerundet wird das Repertoire durch bemalte Holzeier und absolute Rarit\u00e4ten: In speziellen Sammlungen finden sich sogar verzierte Emu- oder Nandu-Eier, manchmal sogar versteinerte Exemplare.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Osterfest steht vor der T\u00fcr, und passend dazu entf\u00fchren wir Sie heute in eine Welt voller Farbe, Tradition und handwerklicher Pr\u00e4zision. Es geht um eine jahrhundertealte Kunst, die in Rum\u00e4nien bis heute lebendig ist: das kunstvolle Bemalen und Verzieren von Ostereiern. 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