{"id":1057594,"date":"2026-09-17T18:24:23","date_gmt":"2026-09-17T15:24:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rri.ro\/?p=1057594"},"modified":"2026-09-09T08:28:34","modified_gmt":"2026-09-09T05:28:34","slug":"gartengeschichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/rumaenien-einmal-anders\/gartengeschichten-id1057594.html","title":{"rendered":"Gartengeschichten"},"content":{"rendered":"<p>Ich lebe in der Hauptstadt, in einem Bezirk, in dem Stadtplanung derzeit vor allem eines bedeutet: unz\u00e4hlige Baustellen. Doch es gibt Anwohner \u2013 meist aus der direkten Nachbarschaft der Universit\u00e4t f\u00fcr Agrarwissenschaften und Tiermedizin in Bukarest \u2013 die seit einigen Wochen einem neuen Stadterneuerungsprojekt Leben einhauchen: HortiURB.<\/p>\n<p>Ein Projekt, \u00fcber das wir mit Ioana Petrache gesprochen haben, der Initiatorin des Gemeinschaftsgartens HortiURB:<\/p>\n<p><em>\u201eIch bin eine erfahrene Landschaftsarchitektin. Als ich nach vielen Jahren in diesem Beruf f\u00fcr den Masterstudiengang &#8218;Urban Horticulture&#8216; an die Fakult\u00e4t f\u00fcr Gartenbau zur\u00fcckkehrte, wurde mir klar, dass der richtigste Weg die sogenannte produktive Landschaftsarchitektur ist. Das bedeutet, dass wir in den St\u00e4dten brachliegende Fl\u00e4chen zur\u00fcckgewinnen k\u00f6nnen, auf denen Gemeinschaften rund um einen Garten aktiv werden. Und genau das ist der Traum, den ich getr\u00e4umt habe und den ich hier am Institut f\u00fcr Gartenbau gemeinsam mit der Gemeinschaft verwirkliche.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Bukarester Gemeinschaftsstiftung (<em>Funda\u021bia Comunitar\u0103 Bucure\u0219ti<\/em>) unterst\u00fctzt das Projekt finanziell, und nat\u00fcrlich gibt es auch Sponsoren. Aber am st\u00e4rksten engagieren sich die Menschen aus dem Viertel, wie Ioana Petrache erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p><em>\u201eIn diesem ersten Jahr beteiligt sich die Gemeinschaft sehr aktiv am Aufbau der gesamten Garteninfrastruktur. Das hei\u00dft konkret: Wir legen Wege an, bauen Pergolen und sehr massive Hochbeete aus gebranntem und mit Lein\u00f6l behandeltem Holz \u2013 also die gesamte Grundstruktur des Gartens. Nach diesem ersten Jahr, in dem wir auch pflanzen, werden wir die Fr\u00fcchte unserer Arbeit ernten k\u00f6nnen, und die Gemeinschaft wird wachsen. Soweit m\u00f6glich, werden wir neue Mitglieder und ehrenamtliche G\u00e4rtner aufnehmen. Der Garten ist gleichzeitig ein Best-Practice-Beispiel daf\u00fcr, wie ein Gemeinschaftsgarten funktionieren kann, und wird deshalb auch von den Bezirks\u00e4mtern in Bukarest und landesweit aufmerksam verfolgt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Welche Pflanzen werden hier wachsen? Ioana Petrache dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Auswahl, die wir f\u00fcr diesen Garten getroffen haben, basiert auf der Idee des produktiven urbanen Gartens \u2013 daher auch der Name HortiURB, urbane Hortikultur. Wir haben Obstb\u00e4ume, aber nicht irgendwelche, sondern akklimatisierte und neu eingef\u00fchrte Arten, die man \u00fcbrigens auch an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Gartenbau entdecken kann. Die Pawpaw, also die Indianerbanane zum Beispiel, oder Diospyros virginiana, die amerikanische Persimone. Sie sind vielleicht weniger bekannt, aber selbst f\u00fcr Hobbyg\u00e4rtner und mitten in der Stadt sehr leicht zu ziehen. Wir haben auch viele Beerenstr\u00e4ucher, darunter die weniger bekannte Felsenbirne, ein tolles Geh\u00f6lz mit hohem landschaftsg\u00e4rtnerischem Wert und k\u00f6stlichen Fr\u00fcchten.<\/em><\/p>\n<p><em>Alles, was wir anbauen, dient auch der Artenvielfalt. Uns ist ein aktives Bodenleben, viele Insekten und V\u00f6gel wichtig. Warum? Weil sich ein solches \u00d6kosystem selbst erh\u00e4lt; wir Menschen sind normalerweise die St\u00f6renfriede. Und wir versuchen, selbst in der Stadt wieder Frieden mit der Natur zu schlie\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir haben einen Bereich f\u00fcr mehrj\u00e4hriges Gem\u00fcse. Davon gibt es in unserem gem\u00e4\u00dfigten Kontinentalklima zwar weniger als in w\u00e4rmeren L\u00e4ndern, aber es gibt sie, wie zum Beispiel Spargel. Und in den Hochbeeten setzen wir auf Fruchtfolge. Es sind sechs Hochbeete, vier mal eins Meter gro\u00df und 50 Zentimeter hoch. Die Kulturen rotieren j\u00e4hrlich in Dreiergruppen. Dadurch kommen wir ganz ohne Chemikalien oder k\u00fcnstliche D\u00fcnger aus, denn wir produzieren unseren eigenen Kompost und Wurmkompost. Ein Apfel, den man direkt hier aus dem Garten pfl\u00fcckt, ist also nicht nur extrem gesund, sondern hat f\u00fcr uns auch einen emotionalen Wert. Diese Gemeinschaft bedeutet n\u00e4mlich viel mehr als nur Nahrungsmittelproduktion: Sie bedeutet Austausch und das Teilen gemeinsamer Werte. Wir sind dort eine gro\u00dfe, gr\u00fcne Familie.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Viele der ehrenamtlichen G\u00e4rtner scheinen richtig Ahnung zu haben \u2013 was mich bei echten Stadtmenschen schon erstaunt hat. Ioana Petrache erkl\u00e4rt das so:<\/p>\n<p><em>\u201eDas liegt einfach in unserer Natur. Ich wei\u00df nicht, ob es in unserer Natur als Europ\u00e4er liegt, aber als Rum\u00e4nen auf jeden Fall. Es ist eine Art Instinkt. Selbst wenn wir in unserer Kindheit nie geg\u00e4rtnert haben, f\u00e4llt es uns Rum\u00e4nen extrem leicht, diese Gewohnheiten und diese N\u00e4he zum Garten wieder in unser Leben zu integrieren. Und daf\u00fcr bewundere ich die Rum\u00e4nen wirklich.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wer sind diese G\u00e4rtner und wie alt sind sie? Mehr dazu, Ioana Petrache:<\/p>\n<p><em>\u201eDas Durchschnittsalter liegt bei \u00fcber 40. Der Gro\u00dfteil der Gemeinschaft besteht aus Nachbarn des Agronomie-Campus \u2013 was aber auch daran liegt, dass die Studenten gerade Semesterferien haben. Ab Oktober werden auch wieder Studierende der verschiedenen Fakult\u00e4ten mitmachen. Aber die eigentliche Schwerstarbeit wird von den Leuten \u00fcber 40, \u00fcber 50 und sogar \u00fcber 60 geleistet. Viele aus der Gemeinschaft bringen auch ihre Kinder mit. F\u00fcr sie werden wir regelm\u00e4\u00dfig Aktivit\u00e4ten organisieren, bei denen sie das G\u00e4rtnern lernen, in der Natur sind und diese angeborenen F\u00e4higkeiten wiederentdecken k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>HortiURB erwartet uns. Der Garten hat bereits Form und Struktur angenommen, es gibt einen \u00dcbersichtsplan, der die Aufteilung erkl\u00e4rt. Und wenn man schon einmal hier ist, kann man direkt einen Spaziergang \u00fcber den gesamten Campus anschlie\u00dfen \u2013 denn die Fakult\u00e4t f\u00fcr Gartenbau pflegt auch einen Botanischen Garten, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich lebe in der Hauptstadt, in einem Bezirk, in dem Stadtplanung derzeit vor allem eines bedeutet: unz\u00e4hlige Baustellen. Doch es gibt Anwohner \u2013 meist aus der direkten Nachbarschaft der Universit\u00e4t f\u00fcr Agrarwissenschaften und Tiermedizin in Bukarest \u2013 die seit einigen Wochen einem neuen Stadterneuerungsprojekt Leben einhauchen: HortiURB. 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