{"id":1065181,"date":"2026-10-01T17:44:19","date_gmt":"2026-10-01T14:44:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rri.ro\/?p=1065181"},"modified":"2026-09-29T14:47:55","modified_gmt":"2026-09-29T11:47:55","slug":"die-coliboaia-hoehle-auf-dem-weg-zur-unesco-anerkennung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/rumaenien-einmal-anders\/die-coliboaia-hoehle-auf-dem-weg-zur-unesco-anerkennung-id1065181.html","title":{"rendered":"Die Coliboaia-H\u00f6hle auf dem Weg zur UNESCO-Anerkennung"},"content":{"rendered":"<p>Bereits seit 2017 laufen die Vorbereitungen f\u00fcr das UNESCO-Dossier der Coliboaia-H\u00f6hle im Kreis Bihor. Die Unterlagen wurden mehrfach erg\u00e4nzt und \u00fcberarbeitet, bis sich vor drei Jahren das Nationale Institut f\u00fcr Kulturerbe erneut der Sache annahm.<\/p>\n<p>Die Institution reichte das Dossier bei der UNESCO ein, wo es am 15. April dieses Jahres offiziell akzeptiert und auf der Website ver\u00f6ffentlicht wurde. F\u00fcr die Coliboaia-H\u00f6hle im Bihor-Gebirge ist dies der erste Schritt zur offiziellen Anerkennung als Weltkulturerbe. Sie ist ber\u00fchmt f\u00fcr ihre \u00fcber 30.000 Jahre alten Felsmalereien und z\u00e4hlt damit zu den f\u00fcnf \u00e4ltesten derartigen H\u00f6hlen weltweit. Fachleute werten diese Entdeckung als eine der bedeutendsten in Europa auf dem Gebiet der pal\u00e4olithischen Kunst.<\/p>\n<p>Die H\u00f6hle liegt in der Gemeinde C\u00e2mpani, am Oberlauf des Sighi\u0219tel-Tals auf einer H\u00f6he von 550 Metern. Sie umfasst gut 1.066 Meter kartierte Galerien und weist einen H\u00f6henunterschied von 15 Metern auf. Obwohl sie in der spel\u00e4ologischen Fachliteratur schon vor 1900 Erw\u00e4hnung fand, wurde die Coliboaia-H\u00f6hle erst ab 1981 richtig erforscht. Dr. C\u0103lin Ghemi\u015f, Arch\u00e4ologe am Kreismuseum Cri\u0219-Gebiet (Muzeul \u021a\u0103rii Cri\u0219urilor), der direkt an der Erforschung, Untersuchung und Dokumentation dieser pr\u00e4historischen St\u00e4tte beteiligt war, erz\u00e4hlte Radio Rum\u00e4nien International:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die pr\u00e4historischen Funde in der Coliboaia-H\u00f6hle wurden im September 2009 entdeckt. Es gibt dort neun Zeichnungen. Aus kunsthistorischer Sicht handelt es sich bei sieben davon um Skizzen, also eher schematische Darstellungen oder Vorstufen. Zwei davon fallen jedoch in die Kategorie der eigentlichen Zeichnung: ein Pferd und ein Bison. Aus arch\u00e4ologischer Perspektive sind sie extrem wichtig f\u00fcr die Urgeschichte Siebenb\u00fcrgens und damit ganz Rum\u00e4niens. Ihre Bedeutung liegt in erster Linie in ihrem Alter. Die \u00e4lteste Datierung reicht bis etwa 36.000 Jahre in die Vergangenheit zur\u00fcck. Aus dem Blickwinkel der Kunstgeschichte betrachtet, geh\u00f6ren sie zu den \u00e4ltesten Darstellungen der Welt und z\u00e4hlen zu den Top F\u00fcnf dieser Art von Entdeckungen. Sie verraten uns sehr viel \u00fcber Gemeinschaften, deren Haupterwerbsquelle die Jagd war. Sie erz\u00e4hlen von den Tieren, die diese Menschen gejagt haben, denn wir sehen Pferde, Bisons, H\u00f6hlenb\u00e4ren und sehr wahrscheinlich auch ein Wollmammut. Es gibt zudem eine Raubkatze oder ein galoppierendes Pferd \u2013 ein sehr ausdrucksstarkes Bild. Die Zeichnungen geben Aufschluss \u00fcber die Glaubensvorstellungen dieser J\u00e4gergemeinschaften und zeigen, dass dieser Bereich der H\u00f6hle wohl f\u00fcr magisch-religi\u00f6se Praktiken oder \u00e4hnliche Rituale genutzt wurde.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch wenn die Aufnahme in die UNESCO-Liste der Region Bekanntheit und neue Finanzierungsm\u00f6glichkeiten bringen k\u00f6nnte, schlie\u00dfen Experten eine \u00d6ffnung der H\u00f6hle f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit strikt aus. Messungen des Mikroklimas haben gezeigt, dass schon die blo\u00dfe Anwesenheit weniger Menschen die Temperatur in der Galerie ver\u00e4ndert und die Malereien besch\u00e4digen k\u00f6nnte. Dr. C\u0103lin Ghemi\u015f:<\/p>\n<p><em>\u201eWas die touristische Nutzung angeht, h\u00e4ngt dies von den lokalen Beh\u00f6rden ab \u2013 also vom Kreisrat Bihor und dem Gemeinderat von C\u00e2mpani. Wie wir bei anderen Beispielen in Europa gesehen haben, k\u00f6nnen viele solcher H\u00f6hlen selbst gar nicht besichtigt werden. Ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Beispiel ist die Chauvet-H\u00f6hle in Frankreich. Sie wurde 1994 entdeckt, und man hat fast 20 Jahre lang daran gearbeitet, einen originalgetreuen Nachbau im Ma\u00dfstab 1:1 zu erschaffen. Ein absoluter Ausnahmefall! Es gibt aber auch F\u00e4lle, in denen in unmittelbarer N\u00e4he kleine, elegante Museen eingerichtet wurden. Das w\u00e4re ein guter Ansatzpunkt. Andererseits wird unsere H\u00f6hle schon allein wegen des Mikroklimas im Inneren nicht zug\u00e4nglich sein. Denn Sie und Ihre Zuh\u00f6rer sollten wissen, dass jede H\u00f6hle, ob gro\u00df oder klein, ihr ganz eigenes Mikroklima hat. Jede noch so kleine Ver\u00e4nderung, etwa der Temperatur, l\u00f6st eine Kettenreaktion aus, die sich negativ auf die Zeichnungen auswirken kann.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Galerie der Zeichnungen gilt als der wertvollste Teil der H\u00f6hle. Sie ist etwa 50 Meter lang und befindet sich rund 770 Meter vom Eingang entfernt. Forscher gehen davon aus, dass in der Vergangenheit ein gro\u00dfer Teil der H\u00f6hle verziert war, doch \u00dcberschwemmungen und geologische Ver\u00e4nderungen haben viele der Darstellungen weggewaschen. Da die noch vorhandenen Bilder \u00fcber Zehntausende von Jahren hermetisch versiegelt waren, birgt heute jede Ver\u00e4nderung die Gefahr ihrer Zerst\u00f6rung. Die negativen Erfahrungen aus den H\u00f6hlen von Lascaux in Frankreich und Altamira in Spanien, wo unkontrollierter Tourismus die Felsmalereien massiv besch\u00e4digte, sind f\u00fcr die rum\u00e4nischen Fachleute eine deutliche Warnung. Arch\u00e4ologe C\u0103lin Ghemi\u015f f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<p><em>\u201eZu bevorzugen w\u00e4re die Einrichtung eines solchen Museums, das auch f\u00fcr die \u00f6rtliche Gemeinschaft von gro\u00dfer Bedeutung w\u00e4re. Ein Teil dieser Zeichnungen kann bereits in unserer Dauerausstellung im Kreismuseum in Oradea besichtigt werden \u2013 und zwar genau deshalb, um diese kleinen, aber spektakul\u00e4ren Kunstwerke nicht durch \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse zu gef\u00e4hrden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wie auch andere H\u00f6hlen dieser Art bleibt die Coliboaia-H\u00f6hle zum Schutz des Kulturerbes f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit geschlossen. Stattdessen schlagen die Forscher vor, in der N\u00e4he des Sighi\u0219tel-Tals ein Besucherzentrum oder Museum zu errichten, in dem die Zeichnungen und die einzigartige Atmosph\u00e4re im Inneren der H\u00f6hle nachgebildet werden. Ein solches Projekt k\u00f6nnte die Region in einen wichtigen kulturellen und touristischen Anziehungspunkt verwandeln \u2013 ganz nach dem Vorbild jener franz\u00f6sischen Gemeinden, die rund um pal\u00e4olithische St\u00e4tten regelrecht aufgebl\u00fcht sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits seit 2017 laufen die Vorbereitungen f\u00fcr das UNESCO-Dossier der Coliboaia-H\u00f6hle im Kreis Bihor. Die Unterlagen wurden mehrfach erg\u00e4nzt und \u00fcberarbeitet, bis sich vor drei Jahren das Nationale Institut f\u00fcr Kulturerbe erneut der Sache annahm. Die Institution reichte das Dossier bei der UNESCO ein, wo es am 15. 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