{"id":1073087,"date":"2026-10-19T23:12:39","date_gmt":"2026-10-19T20:12:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rri.ro\/?p=1073087"},"modified":"2026-10-19T23:18:39","modified_gmt":"2026-10-19T20:18:39","slug":"muslimische-bevoelkerung-im-koenigreich-rumaenien-die-geschichte-einer-gelungenen-integration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/pro-memoria-zur-geschichte-rumaeniens\/muslimische-bevoelkerung-im-koenigreich-rumaenien-die-geschichte-einer-gelungenen-integration-id1073087.html","title":{"rendered":"Muslimische Bev\u00f6lkerung im K\u00f6nigreich Rum\u00e4nien \u2013 die Geschichte einer gelungenen Integration"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 100%; max-width: 960px; margin: 0 auto;\"><iframe style=\"display: block; width: 100%; height: 160px; border: 0;\" title=\"Muslimische Bev\u00f6lkerung im K\u00f6nigreich Rum\u00e4nien \u2013 die Geschichte einer gelungenen Integration\" src=\"https:\/\/mediahub.srr.ro\/e\/vl4W9PZOnc\"><br \/>\n<\/iframe><\/div>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">Die romantische Literatur des 19. Jahrhunderts zeichnete zuerst ein negatives Bild von T\u00fcrken und Tataren. Der Historiker Metin Omer erkl\u00e4rt, wie dieses Bild zustande kam und warum es sich sp\u00e4ter ver\u00e4nderte.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">\u201e<i>Das Bild war tats\u00e4chlich negativ. Allerdings m\u00fcssen wir hier genauer unterscheiden. Es betrifft vor allem die Darstellung des Mittelalters, etwa in romantischen Werken wie \u00bbPreda Buzescu\u00ab (Gedicht des Dichters <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Dimitrie_Bolintineanu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dimitrie Bolintineanu<\/a> \u2013 Anm. d. Red.) oder \u00bbDie Eiche von Borze\u0219ti\u00ab (Erz\u00e4hlung von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Nicolae_Gane\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolae Gane<\/a> \u2013 Anm. d. Red.). Dieses Bild entstand unter dem Einfluss des Nationalismus, der einen \u00e4u\u00dferen Feind brauchte. Es bezog sich vor allem auf die Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich und dem Krimkhanat.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\"><i>Wenn die Literatur und die \u00f6ffentliche Meinung dagegen die Zeit nach 1878 in den Blick nahmen, war das Bild im Allgemeinen positiv, teilweise sogar von Melancholie gepr\u00e4gt. Die muslimische Gemeinschaft wurde von der rum\u00e4nischen \u00d6ffentlichkeit und den Beh\u00f6rden durchaus mit Sympathie betrachtet \u2013 wenn auch mit gewissen Ausnahmen. Das l\u00e4sst sich unter anderem damit erkl\u00e4ren, dass sich ihre soziale und wirtschaftliche Stellung kaum von derjenigen der rum\u00e4nischen Mehrheitsbev\u00f6lkerung unterschied.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">Das Jahr 1878, in dem die Dobrudscha zu Rum\u00e4nien kam, bedeutete f\u00fcr die dort lebenden T\u00fcrken und Tataren einen tiefen Einschnitt.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">\u201e<i>F\u00fcr die muslimische Gemeinschaft in Rum\u00e4nien, also f\u00fcr T\u00fcrken und Tataren, war es tats\u00e4chlich ein Schock, nach Jahrhunderten Teil eines christlichen Staates zu werden. F\u00fcr die Tataren kam hinzu, dass ihre traumatischen Erfahrungen noch nicht lange zur\u00fccklagen.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\"><i>1783 war das Krimkhanat von Russland annektiert worden. Nach dem Krimkrieg von 1853 bis 1856 mussten dann viele Tataren die Krim verlassen, weil sich die zaristischen Beh\u00f6rden gegen ihre Gemeinschaft richteten. \u00c4hnlich war die Lage auf dem Balkan, in den Gebieten, aus denen sich das Osmanische Reich zur\u00fcckziehen musste. Die muslimische Bev\u00f6lkerung, die dort zur\u00fcckblieb, wurde vielerorts nicht gerade freundlich behandelt.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">Mit der Zeit verbesserte sich das Verh\u00e4ltnis zwischen der muslimischen Minderheit und der rum\u00e4nischen Mehrheitsbev\u00f6lkerung. Nachdem die politischen Ziele des jungen rum\u00e4nischen Staates erreicht waren, entwickelte sich ein zunehmend positives Bild. Dazu trug auch die politische Lage in der Zwischenkriegszeit bei, erkl\u00e4rt der Historiker Metin Omer.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">\u201e<i>Nach 1878 und insbesondere in der Zwischenkriegszeit wurde die t\u00fcrkische und tatarische Gemeinschaft vor dem Hintergrund der Bev\u00f6lkerungsverh\u00e4ltnisse in der Dobrudscha auch als Verb\u00fcndete des rum\u00e4nischen Staates betrachtet. Dabei ging es um die damaligen Gebietsanspr\u00fcche Bulgariens auf die S\u00fcddobrudscha. Hinzu kamen die Beziehungen zur Republik T\u00fcrkei und die Tatsache, dass diese Gemeinschaft niemals Gebietsanspr\u00fcche gegen\u00fcber Rum\u00e4nien erhoben hatte.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\"><i>Auch in der rum\u00e4nischen Gesellschaft und unter den rum\u00e4nischen Eliten war das Bild der muslimischen Minderheit im Allgemeinen positiv. Daf\u00fcr gibt es mehrere Beispiele. Mehmet Niyazi, der Nationaldichter der Tataren, z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Dichtern dieser Gemeinschaft. Er schrieb nicht nur auf Tatarisch, sondern auch auf Osmanisch-T\u00fcrkisch.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\"><i>Einer seiner Gedichtb\u00e4nde tr\u00e4gt den Titel \u00bbWidmungen\u00ab. Das erste Gedicht darin ist K\u00f6nigin Elisabeth gewidmet, die unter ihrem Schriftstellernamen Carmen Sylva bekannt war. Die Bewunderung f\u00fcr die rum\u00e4nische Gesellschaft und Kultur zeigte sich auch darin, dass rum\u00e4nische Autoren ins T\u00fcrkische und Tatarische \u00fcbersetzt wurden. So \u00fcbertrugen Schriftsteller aus der muslimischen Gemeinschaft beispielsweise Eminescus bekanntes Gedicht \u00bbDer Abendstern\u00ab ins T\u00fcrkische und Tatarische.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">Ein Teil der muslimischen Bev\u00f6lkerung entschied sich nach 1878 dennoch f\u00fcr einen radikalen Schritt: die Auswanderung. Andere blieben in Rum\u00e4nien. Metin Omer erl\u00e4utert die Gr\u00fcnde.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">\u201e<i>Der erste Impuls war tats\u00e4chlich, auszuwandern. In der Gemeinschaft wurde damals viel dar\u00fcber diskutiert. Eines der gr\u00f6\u00dften Probleme bestand darin, dass junge Muslime ihren Wehrdienst in einer christlichen Armee leisten sollten. F\u00fcr viele Mitglieder der Gemeinschaft war das nicht akzeptabel.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\"><i>Doch schon bald traten Vertreter der muslimischen Gemeinschaft auf, die sich gegen die Auswanderung aussprachen. Dabei spielte auch die Haltung der rum\u00e4nischen politischen F\u00fchrung eine wichtige Rolle, insbesondere die von K\u00f6nig Karl I. Die rum\u00e4nische Elite versuchte, die muslimische Bev\u00f6lkerung zum Bleiben zu bewegen und institutionelle sowie kulturelle Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihren Anliegen Rechnung trugen.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\"><i>In der Zwischenkriegszeit gewann zudem das Vorbild Atat\u00fcrks an Bedeutung. Dennoch nahm die Auswanderung betr\u00e4chtliche Ausma\u00dfe an: Von 1878 bis 1940 verlie\u00dfen rund 200\u00a0000 T\u00fcrken und Tataren das Land.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">Die Folgen der kommunistischen Herrschaft in Rum\u00e4nien bekam auch die muslimische Minderheit deutlich zu sp\u00fcren. Der Historiker Metin Omer beschreibt, warum sie sich in einer besonders schwierigen Lage befand.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">\u201e<i>Das kommunistische Regime war traumatisch, genau wie f\u00fcr den Rest der Gesellschaft. Bei den t\u00fcrkischen und tatarischen Gemeinschaften kam allerdings noch ein Erbe aus der Zwischenkriegszeit hinzu, das sie gegen\u00fcber den kommunistischen Beh\u00f6rden in eine heikle Lage brachte.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\"><i>Sowohl bei den Tataren als auch bei den T\u00fcrken spielte die Beziehung zur T\u00fcrkei eine Rolle, einem Land, mit dem sie sich identifizierten. Bei den Tataren kam noch etwas hinzu: In der Zwischenkriegszeit hatten Teile ihrer F\u00fchrung ein zun\u00e4chst kulturelles, sp\u00e4ter aber auch politisches Projekt verfolgt. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs ging es dabei um die Gr\u00fcndung eines tatarischen Staates auf der Krim.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\"><i>Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs beschlossen die Beh\u00f6rden in Moskau, die gesamte tatarische Bev\u00f6lkerung zu deportieren. Der 18. Mai 1944 gilt als ein Ereignis, das sowohl von der tatarischen Gemeinschaft als auch von mehreren Parlamenten weltweit als V\u00f6lkermord eingestuft wird.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 14pt;\">Laut der Volksz\u00e4hlung von 2021 leben heute noch rund 39\u00a0000 T\u00fcrken und Tataren in Rum\u00e4nien. Sie machen etwa zwei Prozent der Bev\u00f6lkerung aus.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die romantische Literatur des 19. Jahrhunderts zeichnete zuerst ein negatives Bild von T\u00fcrken und Tataren. Der Historiker Metin Omer erkl\u00e4rt, wie dieses Bild zustande kam und warum es sich sp\u00e4ter ver\u00e4nderte. &nbsp; \u201eDas Bild war tats\u00e4chlich negativ. Allerdings m\u00fcssen wir hier genauer unterscheiden. 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