{"id":628628,"date":"2013-10-07T15:53:00","date_gmt":"2013-10-07T12:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/devrri.freshlemon.ro\/aktuell\/der-holocaust-in-rumaenien-id628628.html"},"modified":"2013-10-07T15:53:00","modified_gmt":"2013-10-07T12:53:00","slug":"der-holocaust-in-rumaenien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/pro-memoria-zur-geschichte-rumaeniens\/der-holocaust-in-rumaenien-id628628.html","title":{"rendered":"Der Holocaust in Rum\u00e4nien"},"content":{"rendered":"<p>Der Holocaust ist die h\u00f6chste Hass-Stufe, die der Mensch im Laufe der Geschichte erreicht hat. Von Verachtung und der Rhetorik der Rassen-Inferiorit\u00e4t sind die Hass-Experten zur Deportation und Massenmord \u00fcbergegangen. Die Opfer waren zum Gro\u200e\u00dfteil Juden und Roma. Rum\u00e4nien tr\u00e4gt seinen Teil der Schuld am Holocaust. Die Verantwortung wurde durch den Wiesel-Bericht von 2003 \u00fcbernommen. Damals wurde auch der 9. Oktober zum Nationalen Holocaust-Gedenktag in Rum\u00e4nien ernannt.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Im Archiv des Zentrums f\u00fcr m\u00fcndliche Geschichte des rum\u00e4nischen Rundfunks gibt es wertvolle Zeugenaussagen aus der Zwischenkriegszeit und w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs. Der Arzt Radu Petre Damian errinerte sich in einem Interview  im Jahr 1999 an die antisemitischen Kundgebungen bei der Medizin-Fakult\u00e4t in Cluj\/Klausenburg.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em><\/em><em>Im ersten Jahr f\u00fchrten wir Sezierungen durch, man lernte \u00fcber Muskulatur, Osteologie und Myologie. Du schaust dir die Eingeweide an und beginnst zu schneiden, um die inneren Organe zu sehen. Am unseren Tisch waren auch zwei Juden, der eine war Davidson. Und einer von uns sagte: \u201aDu, h\u00f6r mal, ich habe hier noch nie die Leiche eines Juden gesehen!\u2018 Und Davidson antwortete: \u201aWIr sch\u00e4nden unsere Leichen nicht!\u2018 Das reichte aus, es folgte etwas Unglaubliches. Auf einmal wurde der Saal w\u00fctend, alle Knochen, alle Oberschenkelknochen, die wir auf den Brettern hatten, wurden in ihre Richtung geworfen. Sie standen in einer Ecke und zitterten am ganzen Leibe. Es dauerte lange, bis sich die Gem\u00fcter beruhigten. \u201aWie kannst Du so etwas sagen?! Also sch\u00e4nden wir unsere Leichen, was?!\u2018 Die Studenten kammen auf der Anh\u00f6he im Hof zusammen und man diskutierte, wie wir handeln sollten: Sollen wir in Streik treten oder nicht, welche Ma\u200e\u00dfnahmen sollen wir treffen. Letzen Endes, ich wei\u200e\u00df auch nicht mehr wie, k\u00fchlte sich die Stimmung ab und man beschloss, das Ganze zu vergessen, vorausgesetzt, die beiden w\u00fcrden so etwas nicht mehr sagen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Der Kunsthistoriker Radu Bogdan wurde schon als junger Mann Mitglied der kommunistischen Bewegung. Er war aber kein Dogmatiker, auch wenn er \u00dcberlebender eines Arbeitslagers war. In einem Interview von 1995 errinert er sich an den Kommandanten  des Lagers, ein echter Retter, einer der Menschen, die vor absurden Befehlen noch gerade stehen konnten.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em><\/em><em>Echte Retter sind wie dieser Kommandant meines Arbeitslagers, den ich geliebt und sehr respektiert habe und zu dem ich nachher freundschaftliche Beziehungen gepflegt habe. Es war ein besonderer Mensch, sein Name war Petre N. Ionescu. Das sagt nichts. Er war in Bukarest Berater beim Berufungsgericht in Bukarest, geh\u00f6rte einer angesehen Magistraten-Familie aus Jassy an. Als wir nach Osmancea gebracht wurden, war dieser Magistrat, von dem ich erz\u00e4hle, pr\u00e4sent. Keiner k\u00fcmmerte sich um ihn! Sein Spitzname war Mickey Mouse: Er war kleinw\u00fcchsig und man konnte nicht ahnen, was f\u00fcr moralische Ressourcen dieser Mann hatte. Er war ein aufrechter und stolzer Mann. Ich kann mich erinnern, dass eines Tages Oberst Corbu auf  unangek\u00fcndigtem Besuch kam und ihn mit offenem Hemdkragen erwischte. Es war Sommer und er erwischte ihn in einer Pause. Er begann ihn anzuschreien, dass sein Hemd offen ist und er keine Krawatte tr\u00e4gt. Wir machten gro\u200e\u00dfe Augen, als Herr Unterleutnant ihm sagte: \u201aHerr Oberst, es ist wahr, dass ich nur ein Unterleutnant bin und sie Oberst, aber ich gestatte Ihnen nicht, mit mir so zu reden und ihre Stimme zu erheben. Bitte vergessen Sie nicht, das ich im Zivilleben Magistrat bin, ein hoher Magistrat, ich bin Berater beim Berufungsgericht und Sie m\u00fcssen Respekt vor mir haben!\u2018. Dieser Mann hat niemals Schmiergeld akzeptiert. Als die Leute wissen wollten, was mit ihren H\u00f6fen, die sie verlassen mussten, passiert ist, hat er ihnen gestattet, diese zu besuchen.  Er hat den Gefangenen gestattet, Gasflaschen ins Lager mitzubringen, um etwas aufw\u00e4rmen zu k\u00f6nnnen. Kein Haar wurde ihnen gekr\u00fcmmt! Es gab keine Ungerechtigkeiten. Ich habe den Mut und das Gewissen dieses Menschen bewundert.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Sonia Palty verbrachte einige Kriegsjahre in einem Lager und war Zeugin einer ersch\u00fctternden Episode w\u00e4hrend der \u00dcberquerung des Bug-Flusses. Die Aufzeichnung ihres Augenzeigenberichts stammt aus dem Jahr 2001.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>An einem Morgen kam der Unterpr\u00e4fekt Aristide P\u0103dure mit seiner Peitsche in der Hand auf dem Pferd ins Lager rein uns sagte: \u201aAlle Juden zum Bug-Ufer! Wir schicken euch her\u00fcber zu den Deutschen!\u2018 Wir wussten, das w\u00fcrde unseren Tod bedeuten! Mein Vater hatte drei Arsenik-Kapseln, so wie auch die Familie Brauch. Herr Brauch hat eine Kapsel meinem Freund Fritz gegeben. Er war damals 20, ich 15. Und er sagte uns: \u201aKinder, wenn wir auf dem Floss sind, werden wir die Kapsel schlucken, es hat keinen Sinn, dass uns die Deutschen kriegen.\u2018 Wir haben die Kapseln in die Hand genommen und Fritz und ich haben uns geeinigt, sie nicht einzunehmen, weil wir leben wollten. Wir nahmen am Bug-Ufer Platz und, als wir unseren Blick nach vorne richteten &#8212; wir blickten nur zum Boden &#8211;, sahen wir in etwa 40-50 Meter Entfernung Zigeuner, viele Zigeuner, die ihre Wagen mit den eigenen K\u00f6rpern zogen, weil ihnen die Pferde weggenommen worden waren. Aus den Wagen stiegen Frauen mit vielen, vielen Kindern aus und die \u00dcberquerung des Bug-Flusses begann. Es war ein Alptraum: Als die Zigeunerinnen, die mit ihren Kindern das Floss betreten hatten, die Flussmitte erreichten, hoben sie die Kinder in die Luft und warfen sie ins Wasser. Uns dann folgten sie ihnen. Auf dem Ufer begannen die M\u00e4nner und der Rest der Familie, die anderen Kinder, zu schreien, sich ihre Haare auszurei\u200e\u00dfen. Als wir sie anschauten, sahen wir uns in derselben Lage.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Der Holocaust war ein Ausdruck des Hasses und der Besessenheit, der allgemeinen Blendung. Die Lektion der Geschichte ist hart und die Botschaft ist deutlich. Die Menschheit hat trotzdem noch nicht gelernt, der Versuchung des Radikalismus zu widerstehen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 10 Jahren wird in Rum\u00e4nien am 9. Otkober der Holocaust-Gedenktag begangen. In Pro Memoria schildern Zeitzeugen, die diese dunkle Epoche \u00fcberlebt haben, ihre Erlebnisse w\u00e4hrend des 2. 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