{"id":628878,"date":"2018-11-12T17:30:00","date_gmt":"2018-11-12T15:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/devrri.freshlemon.ro\/aktuell\/die-rumaenisch-orthodoxe-kirche-und-der-holocaust-ueberwiegend-belastende-geschichte-id628878.html"},"modified":"2018-11-12T17:30:00","modified_gmt":"2018-11-12T15:30:00","slug":"die-rumaenisch-orthodoxe-kirche-und-der-holocaust-ueberwiegend-belastende-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/pro-memoria-zur-geschichte-rumaeniens\/die-rumaenisch-orthodoxe-kirche-und-der-holocaust-ueberwiegend-belastende-geschichte-id628878.html","title":{"rendered":"Die Rum\u00e4nisch-Orthodoxe Kirche und der Holocaust: \u00fcberwiegend belastende Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>In Europa hatten die christlichen Kirchen in den 1930er Jahren widerspr\u00fcchliche Haltungen gegen\u00fcber den j\u00fcdischen Gemeinden. Die Rum\u00e4nisch-Orthodoxe Kirche machte keine Ausnahme von der Regel, sie \u00fcbernahm die unterschiedlichsten Einstellungen gegen\u00fcber den Juden in Rum\u00e4nien. Ion Popa ist der Autor des Bandes Die Rum\u00e4nisch-Orthodoxe Kirche und der Holocaust\u201c, in dem alle Arten von Antisemitismus und die Einstellungen innerhalb der Rum\u00e4nisch-Orthodoxen Kirche in den Jahren des Holocausts aufgef\u00fchrt sind:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Der erste Patriarch der Rum\u00e4nisch-Orthodoxen Kirche, Miron Cristea, machte 1936&#8211;1937 einige der giftigsten antisemitischen \u00c4u\u200e\u00dferungen, die ihm die Wahl zum Premierminister einer der ersten diktatorischen Regierungen von K\u00f6nig Karl II. sicherstellten. &rsaquo;Es gibt St\u00e4dte und ganze Regionen&lsaquo;, sagte er 1937, &rsaquo;wo nichts mehr rum\u00e4nisch ist, au\u200e\u00dfer der Armut, dem tiefsten Elend und dem Schatten des Dornbuschs. Man k\u00f6nnte bittere Tr\u00e4nen vergie\u200e\u00dfen, aus Mitleid mit dem armen rum\u00e4nischen Volk, dem die Juden sogar das Mark aus den Knochen quetschen. Uns zu verteidigen, ist eine nationale und patriotische Pflicht und kein Antisemitismus. Nicht zu reagieren, nicht aktiv zu handeln, um diese Pest loszuwerden, bedeutet, feige und tr\u00e4ge zu sein und uns bei lebendigem Leibe in die Grube zu tragen und in die Vernichtung zu st\u00fcrzen, die uns erwartet.&lsaquo; Die heilige Synode der Kirche hatte seit 1937 ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr s\u00e4mtliche Politiken zur Beseitigung der Ausl\u00e4nder erkl\u00e4rt, darunter verstand man zu 99% Juden. Im M\u00e4rz 1938 beschloss dieselbe Synode, jedem Juden, der die rum\u00e4nische Staatsb\u00fcrgerschaft nicht belegen konnte, den \u00dcbertritt zum orthodoxen Glauben zu verbieten. Dies vor dem Hintergrund, dass die Staatsb\u00fcrgerschaft der rum\u00e4nischen Juden bestritten wurde<\/em><em>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>In den 1940er Jahren sollte sich die Lage noch mehr verschlechtern.  W\u00e4hrend der Regierungszeit von Patriarch Miron Cristea verloren mehrere hunderttausend Juden ihre rum\u00e4nische Staatsb\u00fcrgerschaft. Doch auch sein Nachfolger wich nicht von der allgemeinen antisemitischen Ausrichtung der Zeit ab, wie Buchautor Ion Popa berichtet:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Nach der Wahl von Nicodim Munteanu zum Patriarchen stimmte die Heilige Synode 1939 erneut f\u00fcr ein Verbot der Konversion von Juden, die ihre Staatsb\u00fcrgerschaft nicht nachweisen konnten, und f\u00fchrte drakonische Ma\u200e\u00dfnahmen f\u00fcr die Bekehrung der Juden ein. Die Botschaft war deutlich: Die Kirche interessierte sich nicht f\u00fcr die Juden und wollte, dass sie so schnell wie m\u00f6glich aus dem Land vertrieben werden. Obwohl die Patriarchen Miron Cristea und Nicodim Munteanu aus politischen Gr\u00fcnden gegen einen Schulterschluss mit der rechtsextremen Eisernen Garde waren, haben andere F\u00fchrungsmitglieder der Kirche, Hunderte und sogar Tausende orthodoxer Kleriker die faschistische Legion des Erzengels Michael offen unterst\u00fctzt. Die Verbindungen der Metropoliten Nicolae B\u0103lan von Siebenb\u00fcrgen und Visarion Puiu der Bukowina mit der Eisernen Garde sind bekannt. Was den Klerus angeht, so reicht ein Beispiel. Bei den Parlamentswahlen von 1937 waren 33 der 103 Kandidaten der Partei \u00bbAlles f\u00fcr die Heimat\u00ab [Nachfolgeorganisation der Eisernen Garde nach deren Aufl\u00f6sung 1933 &#8212; Anm. d. Red.] orthodoxe Priester, also fast ein Drittel. Nach dem Einmarsch der Sowjetunion im Jahr 1941 und dem Beginn der physischen Vernichtung der j\u00fcdischen Gemeinde in Rum\u00e4nien war die orthodoxe Kirche sowohl gleichg\u00fcltig als auch aktiv an der Zerst\u00f6rung der j\u00fcdischen Gemeinde und &#8212; vereinzelt &#8212; auch an einigen Rettungsaktionen der Juden beteiligt<\/em><em>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>In den 1940er Jahren kam der Antisemitismus der rum\u00e4nisch-orthodoxen Kirche mit theologischen Argumenten zum Ausdruck, die haupts\u00e4chlich \u00fcber die Presse verbreitet wurden, sagt Ion Popa.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Die Kirchen-Presse ist zu einem Mittel zur Verbreitung eines virulenten Antisemitismus geworden. In den Zeitschriften der Kirche der Bukowina, Bessarabiens und Transnistriens, den Gebieten, in denen es die meisten Opfer gab, wurde der Tod von Juden mit Freude wahrgenommen. In verschiedenen Artikeln, die zwischen 1941 und 1943 ver\u00f6ffentlicht wurden, wurden die Juden als &rsaquo;von Jesus verfluchte S\u00f6hne Satans&lsaquo; beschrieben, die &rsaquo;ohne Heimat herumwandern, weil sie mit g\u00f6ttlichen Strafen bestraft worden sind, als Menschen, die den Bund mit Gott verletzt haben&lsaquo;. In anderen Artikeln war der deutliche Aufruf enthalten, &rsaquo;das Schwert in die Hand zu nehmen und die Juden zu vernichten&lsaquo;. Diese Artikel waren in der kirchlichen Presse zu lesen, sie waren nicht marginal. Im April 1942 gab Patriarch Nikodemus selbst dem wilden Antisemitismus freien Lauf, als er in einer Predigt, dem Wort zur Fastenzeit, sagte: &rsaquo;Die Juden sind b\u00f6se Seelen, S\u00f6ldner des Bolschewismus, Satans Soldaten, ein Volk, das den Fluch \u00fcber sich selbst und seine S\u00f6hne heraufbeschwor, als es den Sohn Gottes, den Erl\u00f6ser unserer Seelen, am Kreuz aufhing.&lsaquo; Diese Worte wurden in der offiziellen Zeitschrift der Heiligen Synode, der wichtigsten Zeitschrift der orthodoxen Kirche, genau zum Zeitpunkt ver\u00f6ffentlicht, als Zehntausende von Juden von den rum\u00e4nischen Beh\u00f6rden in Transnistrien get\u00f6tet wurden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Aber manche Mitglieder der Obersten Hierarchie der orthodoxen Kirche und auch gew\u00f6hnliche Geistliche waren zugleich an Aktionen zur Rettung der Ungl\u00fccklichen beteiligt, erz\u00e4hlt Buchautor Ion Pop.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Patriarch Nikodemus selbst leitete 1942 Briefe einiger konvertierter Juden, die an ihn gerichtet waren, an verschiedene staatliche Institutionen weiter. Nikodemus bestand jedoch in keiner Weise darauf, dass die Rechte dieser Menschen geachtet werden, und umso weniger verteidigte er die Rechte nichtkonvertierter Juden. Alexandru Safran, der damalige Chef-Rabbiner der j\u00fcdischen Gemeinde, erw\u00e4hnt Nikodemus mehrmals in seinen Memoiren. Er wird dabei jedes Mal kritisiert, im Gegensatz zu den Bem\u00fchungen des katholischen Erzbischofs und Nuntius Andrea Casulo, der der j\u00fcdischen Gemeinde w\u00e4hrend des Holocausts half. Daf\u00fcr findet Safran in seinen Memoiren lobende Wort f\u00fcr den Metropolit von Siebenb\u00fcrgen Nicolae Bal\u0103n. Safran sagt, dass B\u0103lan mit Antonescu gesprochen habe, um die Deportation von etwa 230.000 Juden aus dem Alten Reich in das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vernichtungslager_Belzec\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vernichtungslager Be\u0142\u017cec<\/a> im Sommer 1942 zu stoppen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Das Verhalten der Rum\u00e4nisch-Orthodoxen Kirche w\u00e4hrend des Holocausts war also von Schwankungen gepr\u00e4gt, vom offenen und gewaltbereiten Antisemitismus \u00fcber die Rettungsaktionen bis hin zu politischem Kalk\u00fcl.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beziehung zwischen der Kirche und der j\u00fcdischen Gemeinde war im Laufe der Geschichte eher k\u00fchl. In den Jahren 1930\u20131940 kam es zu einer ablehnenden bis antisemitischen Haltung, als man mit der Deportation und Ermordung der Juden begann.<\/p>\n","protected":false},"author":127,"featured_media":628879,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[116755],"tags":[85752,100908,104148,118298,100341,171273,66022,118295,119061,119060,119059,99589,103836,102923],"coauthors":[],"class_list":["post-628878","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-pro-memoria-zur-geschichte-rumaeniens","tag-the-romanian-orthodox-church-and-the-holocaust","tag-antisemitismus","tag-eiserne-garde","tag-faschismus","tag-geschichte","tag-holocaust-de","tag-ion-popa","tag-legion-des-erzengels-michael","tag-miron-cristea","tag-nicodim-munteanu","tag-patriarchen","tag-rumaenien","tag-rumaenisch-orthodoxe-kirche","tag-zweiter-weltkrieg"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Rum\u00e4nisch-Orthodoxe Kirche und der Holocaust: \u00fcberwiegend belastende Geschichte - Radio Rum\u00e4nien International<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/pro-memoria-zur-geschichte-rumaeniens\/die-rumaenisch-orthodoxe-kirche-und-der-holocaust-ueberwiegend-belastende-geschichte-id628878.html\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Rum\u00e4nisch-Orthodoxe Kirche und der Holocaust: \u00fcberwiegend belastende Geschichte - Radio Rum\u00e4nien International\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die Beziehung zwischen der Kirche und der j\u00fcdischen Gemeinde war im Laufe der Geschichte eher k\u00fchl. 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