{"id":628942,"date":"2020-02-24T17:30:00","date_gmt":"2020-02-24T15:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/devrri.freshlemon.ro\/aktuell\/fruehmittelalter-die-deutschordensritter-im-rumaenischen-siedlungsgebiet-id628942.html"},"modified":"2020-02-24T17:30:00","modified_gmt":"2020-02-24T15:30:00","slug":"fruehmittelalter-die-deutschordensritter-im-rumaenischen-siedlungsgebiet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/pro-memoria-zur-geschichte-rumaeniens\/fruehmittelalter-die-deutschordensritter-im-rumaenischen-siedlungsgebiet-id628942.html","title":{"rendered":"Fr\u00fchmittelalter: die Deutschordensritter im rum\u00e4nischen Siedlungsgebiet"},"content":{"rendered":"<p>Mittelalterliche milit\u00e4risch-kl\u00f6sterliche Orden wurden gegr\u00fcndet, um sowohl die Botschaft des Christentums zu verbreiten als auch die von Muslimen besetzten Gebiete zu befreien oder zur\u00fcckzuerobern. Die ber\u00fchmtesten mittelalterlichen milit\u00e4risch-kl\u00f6sterlichen Orden waren der Johanniterorden, der Templerorden und der Deutsche Orden. Nach Johannitern und Templern war der Deutsche Orden der dritte der gro\u200e\u00dfen geistlichen Ritterorden der Kreuzzugszeit. Der Deutsche Orden, dessen Mitglieder sich nach einem ehemaligen deutschen Spital in Jerusalem Br\u00fcder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem\u201c nannten, wurde 1190 in Akkon gegr\u00fcndet, zun\u00e4chst als Spitalbruderschaft und seit 1198 auch als ritterliche Kampfgemeinschaft zum Schutz der Pilger im Heiligen Land.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Die Deutschordensritter kamen in das Karpatenbecken als Teil einer Expansionsstrategie, die der Westen erarbeitete, unterst\u00fctzte und in den Osten f\u00fchrte. Der ungarische K\u00f6nig Andreas II. versuchte, die Grenze zu den Ostkarpaten zu befestigen und die katholische Lehre im Norden und im Osten zu verbreiten. Infolge dieser Strategie kamen die Deutschordensritter in diese Region. Die strengen, kriegerischen, in der deutschsprachigen Welt bereits etablierten Deutschordensritter konvertierten heidnische Wanderv\u00f6lker und Mitglieder der orthodoxen Gemeinschaften zum Katholizismus, um die Einheit der christlichen Kirche wiederherzustellen. Die Strenge der Deutschordensritter zeigte sich auch in ihrer \u00e4u\u200e\u00dferen Erscheinung: Auf dem wei\u200e\u00dfen Mantel und dem wei\u200e\u00dfen Schild in der Farbe des reinen religi\u00f6sen Glaubens war ein schwarzes Kreuz zu sehen, das Symbol des Opfers im Krieg zur Verteidigung des Glaubens. 1211 setzten die Deutschordensritter ein starkes Verteidigungszeichen innerhalb des Karpatenbogens, in den Kr\u00fcmmung-Karpaten und nach S\u00fcdosten, im Gebiet des heutigen Landkreises Vrancea.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Akademiemitglied Ioan Aurel Pop, Professor f\u00fcr mittelalterliche Geschichte an der Babe\u015f-Bolyai-Universit\u00e4t in Cluj (Klausenburg), spricht \u00fcber den Beitrag der Deutschordensritter zur Kultur und Zivilisation des rum\u00e4nischen Raumes, auch wenn sie nicht sehr lange Zeit hier geblieben waren:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em><\/em><em>Die Deutschordensritter haben ziemlich viel gebaut, und die uns vorliegenden Beweise zeigen, dass damals mindestens eine sehr wichtige Festung, die Kreuzfestung, existierte. Sie bauten sogar weitere Festungen \u201aultra montes nivium\u2018, zu dt. \u201a\u00fcber den schneebedeckten Bergen\u2018, und dehnten sich dabei mehr aus, als der ungarische K\u00f6nig Andreas II. zugelassen hatte, im Widerspruch zu seiner Politik, die mit der Pr\u00e4senz der Deutschordensritter eher auf lokale als auf allgemeine Ziele abzielte. Der Heilige Stuhl wollte einen Staat schaffen, der in das p\u00e4pstliche Erbe eingehen sollte, eine Art Br\u00fcckenkopf. Warum haben wir so wenig Daten \u00fcber die Deutschordensritter? Vor allem gab es zu jener Zeit noch keine Kanzleien. Damals fing Siebenb\u00fcrgen erst an, als Woiwodschaft innerhalb des K\u00f6nigreichs Ungarn zu funktionieren. S\u00fcdlich und \u00f6stlich der Karpaten waren die  Gebiete, zu denen die Deutschordensritter Beziehungen hatten, noch keine zentralisierte Staaten, und daher gibt es sehr wenige Dokumente, haupts\u00e4chlich aus ausl\u00e4ndischen Quellen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Aus p\u00e4pstlichen Dokumenten, die die Ansiedlung der Deutschordensritter im Burzenland beweisen, geht hervor, dass, als die Deutschordensritter ankamen, das Burzenland von einer gemischten Bev\u00f6lkerung, bestehend aus Rum\u00e4nen, Slawen und Petschenegen, bewohnt war. Um seine Kriegs- und Missionsaufgaben zu erf\u00fcllen, musste der Deutsche Orden auch einen gesicherten Lebensunterhalt haben, und so erhielten die Deutschordensritter das Privileg, in Siebenb\u00fcrgen Gold und Silber abzubauen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Die Deutschordensritter waren auch Baumeister, die im Burzenland zahlreiche Holzfestungen errichteten, unter anderem die Festung Feldioara (Marienburg), auch als die Schwarze Festung oder die Kreuzfestung bekannt. Neben Rum\u00e4nen, Slawen und Petschenegen wurden auch deutsche Bauern und Handwerker als Kolonisten nach Burzenland gebracht, was zur Entwicklung der Siedlungen von Feldioara (Marienburg), Bra\u015fov (Kronstadt), Codlea (Zeiden), R\u00e2\u015fnov (Rosenau) und Prejmer (Tartlau) beigetragen hat.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Die Deutschordensritter wurden aber zu Konkurrenten Ungarns, weil sie die p\u00e4pstliche Macht zum Nachteil der ungarischen Macht unterst\u00fctzten. Nachdem sie einige Schlachten gegen die Kumanen im S\u00fcdosten Siebenb\u00fcrgens gewonnen hatten, besetzten die Deutschordensritter deren Gebiete und stellten diese Gebiete unter die politische Autorit\u00e4t des Papstes und nicht des K\u00f6nigreichs Ungarn. Im Jahr 1225 beschloss der K\u00f6nig von Ungarn den R\u00fcckzug des Deutschen Ordens aus dem Burzenland; die Deutschordensritter gingen dann in Richtung Norden, in die nord\u00f6stlichen Gebiete des heutigen Polen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Es war aber nicht einfach, einer solchen Elitegemeinde anzugeh\u00f6ren. Welche Bedingungen musste ein Anw\u00e4rter erf\u00fcllen, um Mitglied des Deutschen Ordens zu werden? Vor allem Glaube, Disziplin und Bildung, sagt Professor Ioan Aurel Pop:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Ein Mitglied des Deutschen Ordens musste  ein M\u00f6nch sein, um die kl\u00f6sterlichen Lebensregeln wie Keuschheit und Gebet zu akzeptieren, aber gleichzeitig musste er auch ein K\u00e4mpfer, ein Soldat sein. Die Berufung der milit\u00e4risch-kl\u00f6sterlichen Orden  war, mit der Waffe in der Hand zu k\u00e4mpfen, um den christlichen Glauben zu verteidigen und zu verbreiten. Die meisten Deutschordensritter waren S\u00f6hne von Adeligen, geh\u00f6rten einer h\u00f6heren Kategorie an und dienten dem Christentum, indem sie h\u00f6heren Idealen dienten, die zu jener Zeit vielleicht zu den wichtigsten moralischen und religi\u00f6sen Prinzipien bei der Verbreitung des Christentums geh\u00f6rten. Der mittelalterliche Mensch konnte sich sein Leben au\u200e\u00dferhalb des Glaubens und der Kirche nicht vorstellen, er hatte eine unersch\u00fctterliche Bindung an das religi\u00f6se Leben. Deshalb spielte beispielsweise die Exkommunikation im Mittelalter eine verh\u00e4ngnisvolle Rolle, sie konnte die Gesellschaft zersetzen und desorganisieren. Diejenigen, die sich direkt in den Dienst der Kirche stellten, waren M\u00f6nche, aber die M\u00f6nchsritter mussten im Vergleich zu den einfachen M\u00f6nchen einer ganz besonders strengen Hierarchie folgen und besondere Eigenschaften erweisen, wie k\u00f6rperliche St\u00e4rke, Entschlossenheit und \u00dcberzeugungskraft.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Die mittelalterlichen milit\u00e4risch-kl\u00f6sterlichen Orden hatten auch eine ethnische Komponente, die sich nach Ansicht von Ioan Aurel Pop zu Formen der zuk\u00fcnftigen nationalen Identit\u00e4t entwickelte. Dies war auch bei den Deutschordensrittern der Fall:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Es gab auch eine ethnische Komponente: Der Deutsche Orden wurde haupts\u00e4chlich von Deutschen gegr\u00fcndet, und der Templerorden von Franzosen. Der Konflikt, den die Templer mit dem K\u00f6nig von Frankreich, Philipp IV. dem Sch\u00f6nen, hatten, besiegelte ihr Schicksal. Die milit\u00e4risch-kl\u00f6sterlichen Orden hatten eine ethnische F\u00e4rbung, die dann national wurde. Mit dem Fortschreiten des Mittelalters in die Renaissance stellten sich die Mitglieder des Deutschen Ordens im Dienste des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation und k\u00e4mpften gegen die Polen, die ebenfalls Katholiken sind.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Nach ihrem Abzug aus Siebenb\u00fcrgen und dem Burzenland tauchten die Deutschordensritter noch einmal in der Geschichte der Rum\u00e4nen auf. Im Jahr 1410 schickte der Herrscher der Moldau, Alexander der Gute, ein Armeekorps, um an der Seite der polnisch-litauischen Allianz in der Schlacht von Marienburg gegen die Deutschordensritter zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang des 13. Jh. siedelten sich Ritter des Deutschordens als Grenzsch\u00fctzer und strenge Verfechter des Katholizismus vor\u00fcbergehend im Karpatenbecken an. 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