{"id":629094,"date":"2014-05-14T18:37:00","date_gmt":"2014-05-14T15:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/devrri.freshlemon.ro\/aktuell\/lesefoerderung-in-rumaenien-id629094.html"},"modified":"2014-05-14T18:37:00","modified_gmt":"2014-05-14T15:37:00","slug":"lesefoerderung-in-rumaenien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/sozialreport-der-rumaenische-alltag\/lesefoerderung-in-rumaenien-id629094.html","title":{"rendered":"Lesef\u00f6rderung in Rum\u00e4nien"},"content":{"rendered":"<p>Lesen geh\u00f6rt seit langem nicht mehr zu den Lieblingsbesch\u00e4ftigungen der Jugendlichen in Rum\u00e4nien. Eine Meinungsumfrage des Rum\u00e4nischen Institutes f\u00fcr Soziale Studien hat gezeigt, dass 22% der Jugendlichen \u00fcberhaupt nicht lesen, w\u00e4hrend einer von f\u00fcnf nur ein Buch im Jahr liest. Die Tatsache, dass die Rum\u00e4nen weder Lust noch Geld f\u00fcr B\u00fccher haben, spiegelt sich auch auf dem Markt der gedruckten B\u00fccher wider, der von Jahr zu Jahr schrumpft.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Zurzeit befindet sich der rum\u00e4nische Buchmarkt auf dem letzten Platz im EU-Vergleich. Und das ist der Grund, warum unterschiedliche Verb\u00e4nde, Bibliotheken oder Verlage versuchen, dem breiten Publikum das Lesen mit allerlei Projekten schmackhaft zu machen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Die Kampagne <em>Rom\u00e2nia, cite\u015fte-m\u0103<\/em>!\u201c (<em>Rum\u00e4nien, lies mich!\u201c<\/em>) entstand vor dem Hintergrund einer fehlenden landesweiten Strategie zur F\u00f6rderung der geschriebenen Kultur. Die Verleger standen deshalb vor gro\u200e\u00dfen Schwierigkeiten, wenn es um die Lese- und Buchf\u00f6rderung ging, berichtet Lucia Ovezea, die Vorsitzende des Rum\u00e4nischen Buchh\u00e4ndler-Verbandes.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Es waren unterschiedliche Aktivit\u00e4ten vorgesehen, aber wir dachten zun\u00e4chst an die kleineren Kinder, die insbesondere in diesem Alter f\u00fcr das Buch und das Lesen begeistert werden sollen. Deshalb haben wir die Viertkl\u00e4ssler ausgew\u00e4hlt und sie zu einem Lesewettbewerb eingeladen. Der Wettbewerb wurde letztes Jahr in ungef\u00e4hr 50 Schulen in Bukarest, in allen Schulen in<\/em><em> T\u00e2rgovi<\/em><em>\u0219<\/em><em>te und in C\u00e2mpina organisiert. Praktisch haben wir versucht, dem Ganzen eine nationale Dimension zu verleihen. In diesem Jahr hatten wir weniger F\u00f6rdermittel zur Verf\u00fcgung. Von daher hat der Verband der Buchverleger, der der Konf\u00f6deration der Buchverleger und &#8211;h\u00e4ndler angeh\u00f6rt, die Kontrolle \u00fcbernommen und die Kampagne fortgesetzt &#8212; dabei wurden 20 Schulen aus Bukarest mobilisiert. Die Kinder werden in diesem Monat an dem Wettbewerb auf Stadtebene teilnehmen, die Preise werden dann &#8212; wie letztes Jahr auch &#8212; im Rahmen der Buchmesse Bookfest am 31. Mai verliehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Weil die Jugend von heute die meiste Zeit vor dem Computer verbringt, hat ein junger Mann aus Klausenburg eine Kampagne zur Lesef\u00f6rderung auf Facebook gestartet. Das Projekt von Victor Miron hei\u200e\u00dft <em>Die B\u00fccher im Gesicht\u201c <\/em>und hat das Selfie-Konzept als Grundlage. Das setzt die Inszenierung eines sogenannten Buch-Selfies\u201c voraus, das hei\u200e\u00dft ein Bild, auf dem das Gesicht der fotografierten Person von dem gerade gelesenen Buch verdeckt ist. Bislang hat Mirons Initiative Hunderte von positiven R\u00fcckmeldungen, Kommentaren und Fotos gesammelt und viele Jugendliche f\u00fcr die Kultur begeistert, wie der Autor selbst erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Ich konnte die Leute vom Buchladen Bookstory in Klausenburg \u00fcberreden, den Kunden, die ein Facebook-Profilfoto mit Buch vorweisen k\u00f6nnen, einen Rabatt von 10% zu bieten. Das geschah im Februar und die Meldung \u00fcber diese Erm\u00e4\u200e\u00dfigung hat sehr viele Menschen gefreut. Auf der ersten Seite, auf der ich f\u00fcr diese Aktion warb, hatten innerhalb von einigen Tagen fast 2000 Facebook-Nutzer den Gef\u00e4llt-Mir-Button gedr\u00fcckt. Und das hat gezeigt, dass die Leute Interesse daran hatten, nach dem ersten Artikel waren sehr viele Nutzer mit einem Buch auf ihrem Profilfoto zu sehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Nachdem auf Facebook immer mehr Selfies mit lesenden Menschen zu sehen waren, ging Victor Miron zur n\u00e4chsten Aktion seiner Kampagne \u00fcber:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Unsere Absicht war, sie mit B\u00fcchern zu \u00fcberraschen, an Orten, wo sie es nicht erwarteten&#8230; Also haben wir eine kleine Bibliothek in einer Autowerkstatt eingerichtet, die f\u00fcr jede Reparaturarbeit ein Buch verschenkte. Das Motto lautete dort: Egal wie sch\u00f6n dein Auto ist, es kann dich nicht in die Gem\u00fctszust\u00e4nde versetzen, die ein Buch verursacht. Und dann hat eine Zahnarztpraxis in Klausenburg ein ungew\u00f6hnliches Angebot f\u00fcr die lesenden Patienten. Man bekommt eine 10%-ige Erm\u00e4\u200e\u00dfigung auf die Behandlungskosten, wenn man auf Facebook in die Praxis eincheckt und dabei angibt, welches Buch einem ein L\u00e4cheln ins Gesicht gezaubert hat. Wir unternehmen also Ungew\u00f6hnliches, um die Menschen aus ihrem monotonen Alltag zu entf\u00fchren und sie zu veranlassen, ein angenehmes Gef\u00fchl dem Lesen gegen\u00fcber zu entwickeln, interessante Diskussionen \u00fcber B\u00fccher zu f\u00fchren. Wir wissen, dass Menschen sehr positiv auf Preisnachl\u00e4sse reagieren, allerdings reagieren sie noch viel besser auf Gratisangebote. Deshalb haben wir dem B\u00fcrgermeisteramt Klausenburg vorgeschlagen, dass am ersten Sonntag eines jeden Monats B\u00fccher lesende Fahrg\u00e4ste der \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel diese kostenlos nutzen d\u00fcrfen. Die Beh\u00f6rden haben best\u00e4tigt, dass sie das Konzept im Rahmen einer Buchmesse testen wollen und wir konnten es bereits anl\u00e4sslich des Internationalen Buchtags umsetzen. Wer ein Buch bei sich hatte, konnte den Botanischen Garten in Klausenburg kostenlos besuchen. Auch diese Aktion war recht erfolgreich, in dem Sinne, dass der freie Eintritt am Karfreitag durch eine einfache Anzeige im Internet angek\u00fcndigt wurde und, innerhalb von einigen Tagen, 32.000 Menschen erreicht hat &#8212; das Bild mit der Gratis-Aktion wurde einfach weitergegeben. Insgesamt haben dann 1230 Personen mit einem Buch unter dem Arm den Botanischen Garten besucht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Der Welttag des Buches wird am 23. April begangen und ist inzwischen zum wichtigen Termin f\u00fcr alle Leseratten geworden. In Bukarest und anderen St\u00e4dten des Landes fanden an diesem Tag unterschiedliche Aktionen zur Lesef\u00f6rderung statt. Nichtsdestotrotz verbringt der Durchschnittsrum\u00e4ne laut einer Studie des Nationalen Institutes f\u00fcr Statistik lediglich eineinhalb Stunden im Monat mit Theater-, Kino- und Kunstgaleriebesuchen, w\u00e4hrend das Lesen in der Freizeit im Schnitt nur 13 Minuten am Tag ausmacht, wobei mit fortschreitendem Alter auch die mit B\u00fcchern verbrachte Zeit abnimmt. Lucia Ovezea versucht, die Entwicklung zu erkl\u00e4ren:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><em>Die Welt ist global geworden, es gibt nun das Internet, die Informationen verkehren viel schneller, die M\u00f6glichkeiten der Freizeitgestaltung oder die eigene Vorstellungskraft kommen heute auf anderen Wegen zum Ausdruck. Und da ist es klar, dass das Lesen dem Ganzen ein wenig hinterherhinkt, weil viele es als veraltet ansehen oder weil es gar nicht wahrgenommen wird. So ist es nun mal, es sind andere Generationen. Lesen ist aber nach wie vor f\u00fcr recht viele Menschen wichtig. Leider ist der Anteil der Leser in Rum\u00e4nien im Vergleich zu anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern viel geringer, aber damit m\u00fcssen wir uns abfinden. Im Allgemeinen stagniert das Buch bei uns oder es macht kleine R\u00fcckw\u00e4rtsschritte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Jugendlichen sind audiovisuelle Medien, der Fernseher und der Computer das attraktivere Angebot, im Vergleich zum geschriebenen Text. Die virtuelle Welt hat die jungen Menschen erobert und sie vor den B\u00fcchern auf Distanz gebracht. Relativ interessiert sind die Sch\u00fcler heute noch an den B\u00fcchern aus dem Lehrplan.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p><strong>Audiobeitrag h\u00f6ren:<\/strong><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<script src=http:\/\/media.3netmedia.ro\/player\/player.php?file=79208&#038;p=&#038;player=2><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zurzeit befindet sich der rum\u00e4nische Buchmarkt auf dem letzten Platz im EU-Vergleich. 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