{"id":630960,"date":"2021-02-04T17:30:00","date_gmt":"2021-02-04T15:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/devrri.freshlemon.ro\/aktuell\/muellerei-einmal-anders-die-wassermuehlen-von-anno-dazumal-id630960.html"},"modified":"2021-02-04T17:30:00","modified_gmt":"2021-02-04T15:30:00","slug":"muellerei-einmal-anders-die-wassermuehlen-von-anno-dazumal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/rumaenien-einmal-anders\/muellerei-einmal-anders-die-wassermuehlen-von-anno-dazumal-id630960.html","title":{"rendered":"M\u00fcllerei einmal anders: die Wasserm\u00fchlen von anno dazumal"},"content":{"rendered":"<p align=justify>Vor 100 Jahren gab es allein im oberen Becken des Mure\u015f-Flusses (dt. Mieresch) 367 traditionelle hydraulische Anlagen, von denen heute nur noch drei \u00fcbrig sind. Diese sind Teil der Museumssammlungen in Reghin (S\u00e4chsisch Regen) und Sibiu (Hermannstadt). Der wissenschaftliche Forscher Dorel Marc von der Abteilung f\u00fcr Ethnographie und Volkskunst des Kreismuseums Mure\u015f hat nicht nur M\u00fchlen, sondern auch viele andere von den Bauern hergestellte Ger\u00e4te gefunden. Er sammelte sie in einer Studie mit dem Titel Die traditionelle technische Zivilisation und die b\u00e4uerlichen Industrien. Hydraulische Anlagen im Gebiet Mure\u015f in der Mitte des 20. Jahrhunderts\u201c. Die Rolle des M\u00fcllers im Leben des Dorfes wird in der Studie detailliert beschrieben. Dorel Marc erz\u00e4hlte uns mehr dar\u00fcber:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>&#13;<br \/>\n<em>Dieses Handwerk, das mit der Zeit zu einer echten Volksindustrie wurde, ist heute nur noch in den gro\u200e\u00dfen Freilichtmuseen in Rum\u00e4nien zu finden, wie dem Astra-Museum in Sibiu, dem Dimitrie-Gusti-Museum in Bukarest und dem Museum in Sighetu Marma\u0163iei. Diese Werkzeuge sind noch in der Erinnerung unserer Gro\u200e\u00dfeltern, als h\u00f6chst geniale technische Ger\u00e4te. Sie k\u00f6nnen zeitgen\u00f6ssischen Ingenieuren immer noch als Inspirationsquelle dienen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>&#13;\n <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>Zuerst waren es die kleinen Handm\u00fchlen; danach, als die Nutzung der Wasserkraft wichtiger wurde, erfuhren diese M\u00fchlen im Mittelalter eine starke Entwicklung &#8212; zuerst in den Haushalten der Bojaren (Adeligen). Mit der Zeit erwarben auch die Bauern das Recht, M\u00fchlen in ihren eigenen Haushalten zu bauen. Im Forschungsgebiet, also im Mure\u015f-Gebiet, aber auch auf dem T\u00e2rnava-Fluss (dt. Kokeltal), fand Dorel Marc eine Reihe von Besonderheiten:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>&#13;<br \/>\n<em>Im Jahr 1956, als der Wasserrat eine Bestandsaufnahme der noch funktionierenden M\u00fchlen machte, gab es in diesem Gebiet rund 400 M\u00fchlen, davon 236 mit einem hydraulischen Rad, 55 mit zwei R\u00e4dern und f\u00fcnf mit 3 R\u00e4dern. Aber jenseits dieser Statistiken m\u00fcssen wir die M\u00fcllerei als ein Ph\u00e4nomen nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in sozialer Hinsicht sehen. Denn die Rolle des M\u00fcllers war sehr wichtig in der l\u00e4ndlichen Gemeinschaft der Vergangenheit. Viele Haushalte wurden zu Zentren traditioneller technischer Anlagen, in dem Sinne, dass dieselbe Rinne, die das Wasser zum M\u00fchlrad brachte, auch dazu diente, den Mechanismus der Werkzeuge zu aktivieren, mit denen das f\u00fcr den Bau ben\u00f6tigte Holz eingeschlagen wurde. Auch Wasserm\u00f6rser und \u00d6lpressen waren im Gesamtmechanismus eingefangen, je nachdem, wie komplex das ganze Gebilde war. Zus\u00e4tzlich zu der Tatsache, dass die M\u00fchle Brot und Polenta f\u00fcr die Familie lieferte, diente dieses komplexe System von Installationen also dem gesamten Haushalt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>&#13;\n <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>Der Mahlmechanismus bestand aus zwei M\u00fchlsteinen, einem festen und einem beweglichen, wobei der letztere die Aufgabe hatte, sich zu drehen und die K\u00f6rner zu zerkleinern. Mit der gleichen M\u00fchle wurden mit Hilfe einer Trennschleuder Weizen und Mais gemahlen, denn mit Hilfe dieser Einrichtung oder der Schraube wurde der bewegliche Stein vom festen Stein angehoben und gab je nach H\u00f6he die gew\u00fcnschte K\u00f6rnung. Die Kraft des Wassers, die das gro\u200e\u00dfe h\u00f6lzerne Rad von au\u200e\u00dfen anschob, wurde auf den Mechanismus \u00fcbertragen, der den beweglichen Stein mit Hilfe von gro\u200e\u00dfen Riemen, anfangs aus Leder und sp\u00e4ter aus Gummi, auf die gew\u00fcnschte Position brachte.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>&#13;<br \/>\nTraurig war das Schicksal der M\u00fcllerfamilien in der Zeit des Kommunismus, denn mittelst\u00e4ndische und wohlhabende Bauern wurden in Zeiten der Zwangskollektivierung generell als Ausbeuter\u201c gebrandmarkt, enteignet und politisch verfolgt. Ihren Kindern wurde der Zugang zum Universit\u00e4tsstudium verweigert. So wurde die Tradition zu einer \u00fcberlieferten Geschichte. Dorel Marc plant, seine Forschungen in Zukunft auch auf andere Landkreise und Regionen auszuweiten:<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>&#13;<br \/>\n<em>Es w\u00e4re gut, wenn diese Forschung fortgesetzt wird sie und dadurch hilft, das Schicksal dieser M\u00fcller zu beleuchten, die wichtige Wirtschaftsakteure in ihrer jeweiligen Gemeinschaft und \u00fcber ganz Rum\u00e4nien verteilt waren &#8212; nicht allein in Siebenb\u00fcrgen, sondern auch in der Walachei, der Moldau und im Banat &#8212; kurzum \u00fcberall, wo es wichtige Fl\u00fcsse und Hydraulik-Kenntnisse gab.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>&#13;\n <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>Der Forscher m\u00f6chte die traditionellen Bauerntechniken ferner zu einer echten Attraktion f\u00fcr Touristen werden lassen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>&#13;<br \/>\n<em>Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn die Touristen sehen k\u00f6nnten, wie Weizenmehl und Maismehl mit den traditionellen M\u00fchlen gewonnen wurden, wie die Samen zerkleinert wurden, um \u00d6l zu gewinnen, wie die Wolle nur mit Hilfe dieser Zentrifugalkraft gewaschen wurde, ohne Waschmittel, ohne die Umwelt zu verschmutzen. Wer wei\u200e\u00df? Vielleicht werden die Ethnologen in Zukunft mehr in Wiederbelebung einiger traditioneller Handwerke eingebunden, denn es gibt solche Initiativen von Menschen, die noch an Traditionen festhalten und einige Handwerke wiederbeleben wollen. Es ist gut, sich vor Augen zu halten, dass dies nach wissenschaftlichen Kriterien geschehen sollte, um ihre Authentizit\u00e4t zu bewahren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>&#13;\n <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p align=justify>Im Laufe der Zeit haben sich M\u00fchlen und M\u00fcllerei ver\u00e4ndert, so dass nach 1990 in einigen l\u00e4ndlichen Ortschaften mechanisierte, elektrische M\u00fchlen zum Einsatz kamen, vor allem in landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Aber so wie das selbstgebackene Brot in der modernen Welt immer seltener wird, nutzen die d\u00f6rflichen Haushalte die M\u00fchlen immer weniger zum Mahlen von Mehl oder Getreide und mehr zum F\u00fcttern der Nutztiere.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute geht es um althergebrachte Handwerke wie die M\u00fcllerei. Traditionen und authentische Handwerke sollen nicht in Vergessenheit geraten \u2013 Ethnografen wollen das sicherstellen.<\/p>\n","protected":false},"author":126,"featured_media":136491,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[116761],"tags":[143724,123781,143721,67303,122855,105553,143723,123782,123786,123784,32075,188147,99589,143722,123785,100329,156562,123783,123780],"coauthors":[],"class_list":["post-630960","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rumaenien-einmal-anders","tag-astra-museum-de","tag-bauerntechnik","tag-dimitrie-gusti-de","tag-dorel-marc","tag-ethnografie","tag-getreide","tag-hermannstadt-de","tag-hydraulische-anlagen","tag-kokeltal","tag-miereschtal","tag-mueller","tag-mures-de","tag-rumaenien","tag-sibiu-de","tag-tarnava","tag-tourismus","tag-tradition-de","tag-wassermoerser","tag-wassermuehlen"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.8 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>M\u00fcllerei einmal anders: die Wasserm\u00fchlen von anno dazumal - Radio Rum\u00e4nien International<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/rumaenien-einmal-anders\/muellerei-einmal-anders-die-wassermuehlen-von-anno-dazumal-id630960.html\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"M\u00fcllerei einmal anders: die Wasserm\u00fchlen von anno dazumal - Radio Rum\u00e4nien International\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Heute geht es um althergebrachte Handwerke wie die M\u00fcllerei. 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