{"id":960683,"date":"2025-12-08T21:38:08","date_gmt":"2025-12-08T19:38:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rri.ro\/?p=960683"},"modified":"2025-12-09T21:50:43","modified_gmt":"2025-12-09T19:50:43","slug":"die-schenkung-von-kloestern-in-den-rumaenischen-fuerstentuemer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/pro-memoria-zur-geschichte-rumaeniens\/die-schenkung-von-kloestern-in-den-rumaenischen-fuerstentuemer-id960683.html","title":{"rendered":"Die Schenkung von Kl\u00f6stern in den rum\u00e4nischen F\u00fcrstent\u00fcmer"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Diese Widmung entsprach dem, was man heute als Schenkung bezeichnen w\u00fcrde. Rum\u00e4nische F\u00fcrsten und Gro\u00dfbojaren \u00fcbertrugen orthodoxen monastischen Einrichtungen im christlichen Orient Kl\u00f6ster auf dem Gebiet der Rum\u00e4nischen F\u00fcrstent\u00fcmer samt deren Besitz. Auf diese Weise wurden 220 Kl\u00f6ster dem Berg Athos, dem Heiligen Grab in Jerusalem, dem Patriarchat von Alexandria, dem Katharinenkloster auf dem Sinai sowie weiteren monastischen Einrichtungen gewidmet. Von den gewidmeten Kl\u00f6stern befanden sich 130 in der Walachei und 90 in Moldau.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Tudor Dinu ist Professor an der Universit\u00e4t Bukarest und Autor eines Bandes \u00fcber die gewidmeten Kl\u00f6ster<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><em>\u201e<span style=\"font-family: Arial, serif;\">Auch ich wusste, dass die Rum\u00e4nen diese Kl\u00f6ster vor allem widmeten, um Glaubensbr\u00fcdern unter muslimischer Herrschaft zu helfen. Statistisch betrachtet ist mir jedoch inzwischen klar geworden, dass der wichtigste von den zw\u00f6lf von mir untersuchten Gr\u00fcnden der Bankrott unserer eigenen Kl\u00f6ster war. Sie gingen bankrott, und dann wurden kompetente Verwalter aus dem Ausland hinzugezogen. Das war zumindest f\u00fcr mich eine \u00dcberraschung. Die Gr\u00fcnde sind vielf\u00e4ltig, darunter auch die Besuche von Pers\u00f6nlichkeiten aus dem christlichen Orient, die die rum\u00e4nischen Bojaren faszinierten.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Die Auswertung der Dokumente \u00fcber einen so langen Zeitraum von 300 Jahren bringt einige \u00dcberraschungen zutage<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><em>\u201e<span style=\"font-family: Arial, serif;\">Ich habe das gesamte Ritual der Widmungen und der Entwidmungen verfolgt, denn es gibt auch Entwidmungen. Ich habe von Herzen kommende Widmungen gesehen, aber auch missbr\u00e4uchliche. Zudem habe ich \u2013 was ich nicht erwartet h\u00e4tte \u2013 festgestellt, dass die Hochphase der Widmungen nicht in die phanariotische Zeit f\u00e4llt. Sie liegt in der Walachei zwischen 1620 und 1635 und in der Moldau zwischen 1665 und 1680. Es gibt zahlreiche F\u00e4lle, in denen sich die Phanarioten den Widmungen widersetzten. Sie versuchten, ein fragiles Gleichgewicht mit den lokalen Machteliten zu wahren. Um 1800 wollten sie keine neuen Widmungen mehr, die ihnen neue Feinde eingebracht h\u00e4tten.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Tudor Dinu hat auch die Kl\u00f6ster betrachtet, denen die Widmung galt, sowie die von ihnen verwalteten G\u00fcter:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><em>\u201e<span style=\"font-family: Arial, serif;\">Bei der Untersuchung des Klosterlebens bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die gewidmeten Kl\u00f6ster im Gegensatz zu den einheimischen Kl\u00f6stern sehr wenige M\u00f6nche hatten. Den vorhandenen Statistiken zufolge verf\u00fcgten die meisten Kl\u00f6ster \u00fcber einen oder zwei M\u00f6nche, selbstverst\u00e4ndlich Griechen. Es gab auch gemischte Konvente, die jedoch weniger bedeutend sind. Ein Kloster mit f\u00fcnf, sechs oder zehn M\u00f6nchen galt als riesig. Dem sehr kleinen M\u00f6nchsbestand stand eine enorme Vielfalt an Besitzformen gegen\u00fcber. Es handelte sich nicht nur um die bekannten G\u00fcter und Weinberge, sondern auch um ganze St\u00e4dte. Es gab St\u00e4dte, die vollst\u00e4ndig im Besitz von Kl\u00f6stern waren. Das heutige KIshinew, die Hauptstadt der Republik Moldau, geh\u00f6rte vollst\u00e4ndig dem Kloster Galata und dem Patriarchat von Jerusalem. Boto\u0219ani wurde von einem Phanarioten vollst\u00e4ndig dem Patriarchat von Antiochien \u00fcber das Kloster St. Nikolaus Pop\u0103u\u021bi in Boto\u0219ani geschenkt. Dar\u00fcber hinaus gab es Schankwirtschaften, H\u00e4user und Pechbrunnen, was wir heute Erd\u00f6lquellen nennen w\u00fcrden. Es existierten Steinbr\u00fcche, Caf\u00e9s, t\u00fcrkische B\u00e4der und Karawansereien. In diesem Sinne lassen sich diese Kl\u00f6ster als wahre Unternehmensgruppen beschreiben. Ein Abt, der allein ist oder nur zwei Gehilfen hat, sieht sich einer ersch\u00f6pfenden Managementt\u00e4tigkeit gegen\u00fcber. Die \u00c4bte dieser Kl\u00f6ster waren in sehr gro\u00dfem Umfang mit Verwaltung besch\u00e4ftigt. Wo es nur wenige waren, blieb keine Zeit f\u00fcr kulturelle T\u00e4tigkeiten. Selbstverst\u00e4ndlich gab es kulturelle Aktivit\u00e4ten in Cotroceni und V\u0103c\u0103re\u0219ti, wo gr\u00f6\u00dfere Konvente bestanden. Im Vordergrund standen vor allem spirituelle und wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Hinter den Einnahmen, die die Verm\u00f6genswerte der gewidmeten Kl\u00f6ster generierten, stand die Arbeit von Menschen. Tudor Dinu berichtet weiter: <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n<p class=\"western\" align=\"left\"><em>\u201e<span style=\"font-family: Arial, serif;\">Neben den M\u00f6nchen und dem Abt, der heute so etwas wie der Gesch<\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span lang=\"de-DE\">\u00e4ftsf\u00fchrer<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"> eines gro\u00dfen Unternehmens w\u00e4re, sehen wir jene, die die eigentliche Arbeit in den Kl\u00f6stern leisteten. Es gab zwei Kategorien. Zum einen die sogenannten poslu\u0219nici oder scutelnici, die zumeist keine Einheimischen waren, da dies einen Verlust f\u00fcr die Staatsfinanzen bedeutet h\u00e4tte. Es handelte sich um Fremde. In der Walachei waren es vor allem Balkanbewohner, christliche Balkanbewohner, es gab aber auch ungarische Scutelnici. In Moldau stammten sie nicht nur aus dem Balkan, sondern auch aus dem Gebiet der heutigen Ukraine bis hin nach Russland und Galizien \u2013 also Menschen, die h\u00e4ufig entsprechend dem Profil des Klosters spezialisiert waren. Lag das Kloster in einer weinbaulichen Region, waren viele von ihnen Winzer. Hatte das Kloster viele Bienenst\u00f6cke, waren es Imker. Andere wiederum hatten ganz besondere Spezialisierungen: Im Kloster Trei Ierarhi begegnen wir sogar einem \u00dcbersetzer.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Die gewidmeten Kl\u00f6ster verf\u00fcgten auch \u00fcber Sklaven, deren Status je nach Epoche und Eigent\u00fcmer variierte. Tudor Dinu <\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span lang=\"de-DE\">dazu<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\">:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n<p class=\"western\" align=\"left\"><em>\u201e<span style=\"font-family: Arial, serif;\">Es gab auch versklavte Roma. Mitunter hatten gro\u00dfe Kl\u00f6ster wie Cotroceni oder Radu-Vod\u0103 mehrere Hundert Seelen. Als <\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span lang=\"de-DE\">Roma-S<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\">iedlung galt ein Mann zusammen mit seiner Gro\u00dffamilie, die die Hauptlast der Arbeit trugen und unter Lebensbedingungen lebten, die sie h\u00e4ufig zur Flucht veranlassten. Leider zogen es die \u00c4bte oft vor, zahlreiche Suchbefehle nach entflohenen Roma zu erwirken, anstatt ihnen bessere Bedingungen zu bieten, die sie zum Bleiben bewogen h\u00e4tten. H\u00e4ufig waren die Roma nicht spezialisiert, doch ihre T\u00e4tigkeiten waren bemerkenswert vielf\u00e4ltig. Neben den traditionellen Berufen wie Schmied, Kesselflicker, Ziegler oder L\u00f6ffelmacher gab es sehr viele Roma als K\u00f6che, <\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span lang=\"de-DE\">Musiker<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"> und Kutscher.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Im Jahr 1863 s\u00e4kularisierte der rum\u00e4nische Staat unter der Herrschaft von F\u00fcrst Alexandru Ioan Cuza mit Unterst\u00fctzung der gesamten politischen Klasse den gesamten Besitz der gewidmeten Kl\u00f6ster.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Widmung entsprach dem, was man heute als Schenkung bezeichnen w\u00fcrde. 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