{"id":990700,"date":"2026-03-04T20:04:35","date_gmt":"2026-03-04T18:04:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rri.ro\/?p=990700"},"modified":"2026-03-05T21:20:01","modified_gmt":"2026-03-05T19:20:01","slug":"hunde-sind-keine-ware","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/sozialreport-der-rumaenische-alltag\/hunde-sind-keine-ware-id990700.html","title":{"rendered":"Hunde sind keine Ware"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\">In Rum\u00e4nien gibt es \u00f6ffentliche und private Tierheime f\u00fcr herrenlose Hunde. Die privaten werden einerseits von NGOs betrieben, die sich bem\u00fchen, den Tieren m\u00f6glichst gute Lebensbedingungen zu bieten, andererseits von Personen, die solche Einrichtungen gr\u00fcnden und anschlie\u00dfend Vertr\u00e4ge mit lokalen Beh\u00f6rden \u00fcber die Verwaltung der streunenden Hunde abschlie\u00dfen. Ein gro\u00dfer Skandal, der Mitte Februar ausbrach, hat die Diskussion \u00fcber Gewissen, Moral und Gesetzgebung erneut auf die Tagesordnung gesetzt. In der Gemeinde Suraia im Kreis Vrancea (Osten) hatte ein privates Tierheim mehr als 100 Vertr\u00e4ge mit St\u00e4dten und Gemeinden aus dem ganzen Land abgeschlossen, um Hunde von den Stra\u00dfen einzusammeln. Um Platz f\u00fcr neue Tiere zu schaffen, wurden rund 80 % der eingefangenen Hunde euthanasiert. Versteckte Kameras filmten den Besitzer des Tierheims dabei, wie er herrenlose Hunde \u2013 auch gesunde \u2013 auf brutale Weise euthanasierte. Auf den Bildern war zu sehen, wie die Tiere geschlagen, \u00fcber den Boden gezerrt und injiziert wurden, anschlie\u00dfend weggeworfen und zum Sterben zur\u00fcckgelassen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\">Die Beh\u00f6rden hatten zuvor Beschwerden \u00fcber dieses Tierheim erhalten, doch die Reaktion blieb minimal: Es gab Kontrollen, jedoch keine ernsthaften Sanktionen, und die T\u00e4tigkeit ging weiter. Nachdem die schwer zu ertragenden Bilder in der Presse ver\u00f6ffentlicht worden waren, wurde der Betrieb des Tierheims diesmal vor\u00fcbergehend eingestellt, alle noch lebenden Hunde wurden dank NGOs umgesiedelt, und es wurden Strafverfahren er\u00f6ffnet. Der Besitzer \u2013 von Beruf Tierarzt \u2013 wurde unter gerichtliche Aufsicht gestellt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\">Emma Stratulat, ebenfalls Tier\u00e4rztin und Gr\u00fcnderin der Organisation Save Our Paws, ist die Person, durch die die Bilder der Grausamkeiten von Suraia an die \u00d6ffentlichkeit gelangten:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\"><br \/>\n\u201eWir beginnen den schwersten und wichtigsten Kampf bisher, einen Kampf gegen ein System, das jahrelang Tiere verletzt, Dinge vertuscht und von ihnen profitiert hat. Wir sprechen \u00fcber private Firmen, die herrenlose Hunde verwalten. Wir k\u00f6nnen nicht mehr schweigen, wir k\u00f6nnen nicht mehr wegsehen. Wir haben Hinweise, Daten und Beweise, die ernsthafte Fragen dar\u00fcber aufwerfen, wie \u00f6ffentliche Gelder verwendet werden und was mit diesen Tieren geschieht. Und ja, wir beginnen den Kampf f\u00fcr die Wahrheit, f\u00fcr Transparenz \u2013 denn jedes Leben z\u00e4hlt.\u201cAusgehend vom Fall Suraia zeigt eine Untersuchung der Publikation Snoop.ro, dass f\u00fcr einige private Tierheime in Rum\u00e4nien die Euthanasie von Hunden zu einem umfangreichen und profitablen Gesch\u00e4ft geworden ist. Laut der Recherche wurden in den letzten drei Jahren mehr als 64.000 Hunde illegal euthanasiert, davon etwa die H\u00e4lfte \u2013 also rund 30 pro Tag \u2013 in nur vier Tierheimen des Landes. Diese vier Einrichtungen sollen rund 9 Millionen Euro aus Geldern erhalten haben, die von Rath\u00e4usern gezahlt wurden. Beg\u00fcnstigt worden sei dies auch durch Netzwerke von Freundschaften oder Verwandtschaftsverh\u00e4ltnissen zwischen Tierheim-Betreibern, B\u00fcrgermeistern und lokalen Veterin\u00e4rbeh\u00f6rden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\">Die Pr\u00e4sidentin der Nationalen F\u00f6deration f\u00fcr Tierschutz, Carmen Arsene, best\u00e4tigt die Presseberichte:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\"><br \/>\n\u201eIn den letzten 25 Jahren wurden in ganz Rum\u00e4nien 2,7 Millionen Hunde eingefangen, davon wurden 1,3 Millionen euthanasiert oder sind in Tierheimen gestorben. Und f\u00fcr all das wurden aus \u00f6ffentlichen Haushalten eine Milliarde Euro ausgegeben. Diese Statistik haben wir gemeinsam mit der Organisation PETA aus Deutschland erstellt. Sie basiert auf Informationen, die wir \u00fcber ein Jahr hinweg von \u00f6ffentlichen Institutionen gesammelt haben.\u201c<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\">Unmittelbar nach dem Ausbruch des Skandals von Suraia wurde in Bukarest ein Protest gegen ein System organisiert, das herrenlose Hunde zu Leid und qualvollem Tod verurteilt \u2013 im Austausch gegen sehr viel \u00f6ffentliches Geld. Auch Pers\u00f6nlichkeiten aus der Kulturszene unterst\u00fctzten den Protest, darunter die Schauspielerinnen Oana Pellea und Carmen T\u0103nase sowie die S\u00e4ngerin Monica Anghel. Mit vor Emotionen zitternder Stimme sagte diese:<br \/>\n\u201eIhr wisst alle, dass ich Tiere liebe. So bin ich aufgewachsen, so habe ich es in meiner Familie gesehen. Und ich w\u00fcnsche mir von ganzem Herzen, dass wir alle uns bewusst werden, dass jedes Leben z\u00e4hlt. Ich bin extrem w\u00fctend \u00fcber das, was in Suraia passiert ist. Ich w\u00fcnsche mir eine gute, ausgewogene Welt, in der wir keiner Lebensform mehr Schaden zuf\u00fcgen. Es ist sehr wichtig, dass wir auch unsere Kinder in der Liebe zum Leben erziehen \u2013 zu jeder Form von Leben. Ich bin vollkommen gegen diese Grausamkeiten, die dort mit all den Lebewesen geschehen sind. Es ist unvorstellbar, und es ist Zeit, dass wir alle Stellung beziehen.\u201c<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\">Das 2013 verabschiedete Gesetz zur Verwaltung herrenloser Hunde schreibt ihre Euthanasie nicht ausdr\u00fccklich vor, erlaubt sie jedoch, wenn die Tiere nicht innerhalb von 14 Tagen nach ihrer Aufnahme in ein Tierheim adoptiert oder von ihren Besitzern abgeholt werden. Diese Bestimmung hat die Euthanasie von einer letzten L\u00f6sung zu einem h\u00e4ufig eingesetzten, wenn auch ineffizienten Instrument zur Bek\u00e4mpfung der gro\u00dfen Zahl streunender Hunde gemacht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\">In manchen F\u00e4llen, so die Journalisten von Snoop.ro, w\u00fcrde sogar das Finanzierungssystem selbst die Euthanasie f\u00f6rdern: Die Bezahlung der Dienstleistungen richtet sich nach der Zahl der verwalteten Tiere, und sie am Leben zu halten verursacht h\u00f6here Kosten als sie zu t\u00f6ten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\">Tiersch\u00fctzer fordern die Schlie\u00dfung aller Tierheime, in denen Tiere misshandelt werden. Zudem wurden im Parlament zwei Gesetzesinitiativen zur \u00c4nderung des bestehenden Rechtsrahmens eingebracht. Eine sieht vor, festzuschreiben, dass Tiere keine Gegenst\u00e4nde, sondern Wesen mit Rechten und Freiheiten sind. Die andere verlangt ein Ende der Masseneuthanasie und schl\u00e4gt als deutlich effizientere und kosteng\u00fcnstigere Alternative eine umfassende Sterilisation sowohl von herrenlosen als auch von Haustieren, deren Mikrochip-Kennzeichnung sowie Sanktionen f\u00fcr das Aussetzen von Tieren vor.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"de-DE\">Das derzeitige Gesetz, so die bekannte Organisation Kola Kariola, l\u00f6se in seiner gegenw\u00e4rtigen Anwendung nichts: Das System sei darauf ausgelegt, den Strom der Tiere zu verwalten, nicht aber die Ursache zu stoppen. Der liberale Abgeordnete Andrei Baciu, ebenfalls ein Unterst\u00fctzer der Sache der herrenlosen Hunde, ist der Meinung, dass es sich um ein Problem von nationalem Interesse handelt, das sowohl das Image des Landes als auch die menschlichen Werte der Gesellschaft ber\u00fchrt. Eine Gesellschaft, die Grausamkeit toleriert, werde zum Komplizen \u2013 eine Gesellschaft, die reagiert, werde st\u00e4rker, sagt der Parlamentarier.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Rum\u00e4nien gibt es \u00f6ffentliche und private Tierheime f\u00fcr herrenlose Hunde. Die privaten werden einerseits von NGOs betrieben, die sich bem\u00fchen, den Tieren m\u00f6glichst gute Lebensbedingungen zu bieten, andererseits von Personen, die solche Einrichtungen gr\u00fcnden und anschlie\u00dfend Vertr\u00e4ge mit lokalen Beh\u00f6rden \u00fcber die Verwaltung der streunenden Hunde abschlie\u00dfen. 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