{"id":992034,"date":"2026-03-11T15:02:56","date_gmt":"2026-03-11T13:02:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rri.ro\/?p=992034"},"modified":"2026-03-09T20:09:06","modified_gmt":"2026-03-09T18:09:06","slug":"alternativen-fuer-illegal-eingereiste-migranten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rri.ro\/de\/feature-reportage\/sozialreport-der-rumaenische-alltag\/alternativen-fuer-illegal-eingereiste-migranten-id992034.html","title":{"rendered":"Alternativen f\u00fcr illegal eingereiste Migranten"},"content":{"rendered":"<div>Im Zeitraum 2021\u20132024 wurden in Rum\u00e4nien rund 340.000 neue individuelle Arbeitsvertr\u00e4ge f\u00fcr B\u00fcrger von au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union abgeschlossen. Anfang 2025 waren jedoch weniger als 150.000 dieser Arbeitnehmer im System registriert. Es ist unklar, wie viele das Land verlassen haben und wie viele illegal geblieben sind und weiterhin hier arbeiten. Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass es sich um ein Randph\u00e4nomen handelt. Migranten, die sich illegal im Land aufhalten, haben nur wenige M\u00f6glichkeiten, ihre Situation zu regeln. Am h\u00e4ufigsten beauftragen sie einen qualifizierten Anwalt mit Erfahrung in diesem Bereich und verklagen die Institution oder das Unternehmen, das sie in die Illegalit\u00e4t getrieben hat. Die Kosten (rund 1500 Euro, Sch\u00e4tzungen von Anw\u00e4lten und Fachorganisationen zufolge), die geringe Anzahl an Fachkr\u00e4ften und die Tatsache, dass das Verfahren mindestens ein Jahr dauert und man w\u00e4hrenddessen nicht legal arbeiten darf, machen diesen Weg f\u00fcr viele nahezu unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Anatolie Co\u0219ciug, stellvertretender Direktor des Zentrums f\u00fcr Vergleichende Migrationsforschung und Dozent an der Babe\u0219-Bolyai-Universit\u00e4t in Cluj-Napoca, erkl\u00e4rt, dass das Migrationsregime in Rum\u00e4nien mit sehr einfachen, fast rudiment\u00e4ren Verfahren arbeitet. In L\u00e4ndern mit einer l\u00e4ngeren Einwanderungstradition, so Co\u0219ciug, existiere bereits ein deutlich differenzierteres Spektrum an Mechanismen, um auf Situationen zu reagieren, in denen Ausl\u00e4nder einen irregul\u00e4ren Aufenthaltsstatus erlangen.<\/p>\n<p>\u201e<em>Tats\u00e4chlich zeigt unsere Forschung, dass bilaterale Abkommen \u2013 wie weltweit \u00fcblich \u2013 haupts\u00e4chlich zwischen zwei Staaten funktionieren. Dar\u00fcber hinaus werden sie in der Regel zwischen den Institutionen geschlossen, die mit dem jeweiligen Prozess befasst sind. Beispielsweise zwischen dem Arbeitsministerium von Sri Lanka, Bangladesch oder Nepal und unserem Arbeitsministerium oder unserer Generalinspektion f\u00fcr Einwanderung. Es sollte genau zwischen den Institutionen geschehen, die eine Rolle spielen \u2013 denn das ist entscheidend. Es geht nicht nur um ein Abkommen auf staatlicher Ebene, wie eine Absichtserkl\u00e4rung, sondern vielmehr um die Institutionen, die sich mit der Praxis befassen: Sie kennen alle Details und alle Probleme, die in der Gesellschaft auftreten. Dazu geh\u00f6ren auch alle Prozesse und Verfahren, durch die Ausnahmesituationen leichter verstanden und gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Das hei\u00dft, alles, was zu irregul\u00e4ren Situationen f\u00fchrt, l\u00e4sst sich viel leichter l\u00f6sen, wenn in den Abkommen speziell daf\u00fcr benannte Personen vorgesehen sind. Leider haben wir mit keinem der wichtigsten Herkunftsl\u00e4nder von Arbeitskr\u00e4ften entsprechende Abkommen.\u201c<\/p>\n<p><\/em>Auf die Frage nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr die Verz\u00f6gerung bei der Unterzeichnung dieser Abkommen erkl\u00e4rt Anatolie Co\u0219ciug, dass das Thema in der \u00f6ffentlichen Debatte eine sehr geringe Priorit\u00e4t genie\u00dfe, wahrscheinlich nicht einmal unter den 15 wichtigsten Priorit\u00e4ten des Staates. Rum\u00e4nien sei zudem auch kein Hauptzielland f\u00fcr die Herkunftsl\u00e4nder: F\u00fcr Nepalesen, Sri Lanker und Bengalen f\u00fchrten die Hauptmigrationsrouten weiterhin in Staaten des Nahen Ostens (Kuwait, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Saudi-Arabien), aber auch nach Indien, Malaysia oder Singapur.<\/p>\n<p><em>\u201eWir haben die Diskussion bzw. die Idee der sogenannten \u201eSchutzst\u00e4dte\u201c wiederholt, die wir letztes Mal besprochen haben. In den USA funktionieren sie sehr gut. Auch in Europa gibt es einige Beispiele, wo sie sehr gut funktionieren.\u201c<\/p>\n<p><\/em>Wenn wir von solchen \u201eSchutzst\u00e4dten\u201c oder als sicherer f\u00fcr Migranten geltenden Vierteln sprechen, meinen wir sehr unterschiedliche Initiativen. In manchen F\u00e4llen handelt es sich um klare politische Entscheidungen, durch die die Stadtverwaltungen die Zusammenarbeit mit den Einwanderungsbeh\u00f6rden einschr\u00e4nken. In anderen F\u00e4llen sind es einfach Gemeinschaften, in denen sich im Laufe der Zeit Unterst\u00fctzungsnetzwerke entwickelt haben und in denen die Kontrollen weniger aufdringlich sind. Gemeinsam ist ihnen die Vorstellung, dass Menschen ohne Aufenthaltsstatus versuchen, ihren Alltag in einem Umfeld zu organisieren, in dem das Risiko, von der Stra\u00dfe aufgegriffen zu werden, etwas geringer ist, so der Forscher:<\/p>\n<p><em>\u201eWir haben auch diese Geschichte der Toleranz, die in verschiedenen L\u00e4ndern eine Institution f\u00fcr sich ist. Es gibt eine Institution von F\u00e4llen, die toleriert werden, die bekannt sind. Deutschland ist ein gutes Beispiel, Frankreich ist in diesem Sinne ein gutes Beispiel. Und uns fehlt das. Wir haben diesen Status der Toleranz gegen\u00fcber Asylsuchenden unter bestimmten Bedingungen, in bestimmten F\u00e4llen. Zum Beispiel, wenn sie aus einem Land kommen, das insgesamt relativ ruhig ist, aber einer bestimmten Gemeinschaft angeh\u00f6ren\u2026 Aber das gilt auch f\u00fcr Einwanderer.\u201c<\/p>\n<p><\/em>Anatolie Co\u0219ciug nennt auch Spanien als Beispiel, wo man, wie er sagt, auf vielf\u00e4ltige Weise eine Art \u201eToleranzstatus\u201c erlangen kann: wenn man Elternteil eines Kindes ist, das im spanischen Bildungssystem eingeschult ist, wenn man einen Arbeitsunfall erlitten hat, f\u00fcr verschiedene au\u00dfergew\u00f6hnliche Verdienste oder in F\u00e4llen, die als von \u00f6ffentlichem Interesse gelten. Hier kommen jene spektakul\u00e4ren Geschichten ins Spiel, in denen jemand ohne Papiere ein Leben rettet oder den Beh\u00f6rden entscheidend hilft, woraufhin der Staat beschlie\u00dft, dass eine R\u00fcckf\u00fchrung ungerecht w\u00e4re, und ihm \u2013 gerade aufgrund dieser Verdienste \u2013 ein Aufenthaltsrecht gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p><em>\u201eWenn man sich die Herkunftsl\u00e4nder derjenigen ansieht, die einen Duldungsstatus haben, stellt man fest, dass die Liste der aufnehmenden L\u00e4nder sehr kurz ist.\u201c<\/p>\n<p><\/em>In Rum\u00e4nien existieren solche Mechanismen so gut wie gar nicht: Laut einem Bericht der AIDA (Asylinformationsdatenbank) hatten 2024 nur etwa hundert Menschen einen Duldungsstatus \u2013 eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zu denjenigen, die jedes Jahr ihren legalen Aufenthaltsstatus verlieren. Der Experte hebt zudem die negativen Auswirkungen von R\u00fcckf\u00fchrungen, ob erzwungen oder \u201efreiwillig\u201c, auf Migranten hervor. Studien zeigen, dass sie zu den am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdeten Migranten geh\u00f6ren: Sie werden in den Gemeinschaften, in die sie zur\u00fcckkehren, oft mit Misstrauen oder Scham betrachtet und haben deutlich geringere Chancen, sich ein neues Leben aufzubauen. Dar\u00fcber hinaus versuchen viele von ihnen anschlie\u00dfend, in die L\u00e4nder zur\u00fcckzukehren, aus denen sie ausgewiesen wurden.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zeitraum 2021\u20132024 wurden in Rum\u00e4nien rund 340.000 neue individuelle Arbeitsvertr\u00e4ge f\u00fcr B\u00fcrger von au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union abgeschlossen. Anfang 2025 waren jedoch weniger als 150.000 dieser Arbeitnehmer im System registriert. Es ist unklar, wie viele das Land verlassen haben und wie viele illegal geblieben sind und weiterhin hier arbeiten. 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