Rumänien fördert den Mittelstand

rumänien fördert den mittelstand In vielen Ländern gelten die kleinen und mittelständischen Unternehmen als Rückgrat der Volkswirtschaft. In Rumänien stehen diese Firmen vor großen Herausforderungen und brauchen Unterstützung.

Der Nationalrat der kleinen und mittleren Privatunternehmen ist in Rumänien die wichtigste Mittelstandsvereinigung. Alljährlich vergleicht die Organisation die Leistung ihrer Mitglieder und erstellt eine nationale Rangordnung des Mittelstands. Im Spätherbst wurde dieses Ranking für 2013 in Bukarest vom Präsidenten der Vereinigung, Ovidiu Nicolescu, vorgestellt, der auch die lukrativsten Branchen aufzählte:

 

Es gibt schon einige leistungsstarken Branchen, allerdings nicht sehr viele. Es geht vor allem um IT, Elektronik, Möbel, Pharma, Lebensmittel, bestimmte Teilbereiche der Textilindustrie und natürlich den Dienstleistungssektor. Im Vergleich zum Jahr 2012 ist eine leichte Verbesserung eingetreten. Insgesamt ist es den Firmen besser gegangen als 2012, das sieht man an Produktivität, Umsatz und Rentabilität. Bei den 615.000 Unternehmen, die aktuelle Daten beim Handelsregister vorgelegt haben, sehen diese Indikatoren besser aus – weniger gut sieht es aus bei der Schaffung neuer Jobs.”

 

 

Etwa 20% der Unternehmen haben das Jahr 2013 mit besseren Ergebnissen als 2012 abgeschlossen; die meisten Firmen traten auf der Stelle, einige mussten Rückschritte hinnehmen, teilte die Mittelstandsvereinigung mit. Spektakuläre Veränderungen gab es in der Entwicklung nicht. Die zusätzliche Beschäftigung fiel minimal aus – nur einige zehntausende neue Jobs entstanden, denn die guten Leistungen in manchen Branchen und Unternehmen wurden von negativen Entwicklungen anderswo aufgehoben. Die Konkursquote für 2013 war nach wie vor hoch. Insgesamt ist der Fortschritt minimal, sagt die Mittelstandsvereinigung, deshalb ist es wichtig, das jüngst verabschiedete Gesetz zur Unterstützung der kleinen und mittelständischen Unternehmen auch umzusetzen – es sieht vor, fünf Unterstützungsfonds mit EU-Geld einzurichten. Mittelstandschef Nicolescu sprach auf der Veranstaltung in Bukarest auch das Rezept für künftigen Erfolg an:

 

„Wir haben es mit einem Mix zu tun. Auf der einen Seite müssen wir den Zugang zu allen Ressourcen erleichtern: Geld, Personal, Wissen, Technik. Darüber hinaus müssen wir uns in einem wirksameren Umfeld mit weniger Bürokratie und Korruption bewegen. Es gilt, den Nachwuchs mit mehr Aufmerksamkeit zu fördern – junge Menschen mit Talent und unternehmerischer Vorbereitung. Sonst wandern sie uns ab. Wir haben in Italien über 20.000 Firmen, die von Rumänen gegründet wurden. Das ist schön und gut, aber überlegen Sie mal: Hätten diese Menschen ihre Unternehmen in Rumänien gegründet anstatt in Italien, hätte sich die Wirtschaftsleistung Rumäniens signifikant verbessert.”

 

 

Einiges bewegt sich immerhin schon an der Mittelstandsfront. Das Ministerium für die Informationsgesellschaft hat in diesem Jahr ein spezielles Internetportal gestartet, das für die kleinen und mittelständischen Unternehmen ein interessantes Werkzeug darstellen könnte. Projektmanager Decebal Popescu präsentierte das neuen Angebot ausführlich:

 

Mehrere Firmen können über geographische Grenzen hinweg kooperieren, um sich zum Beispiel gemeinsam an einer bestimmten Ausschreibung zu beteiligen. Eine weiterer wichtiger Anlass, wo Firmen über dieses Portal kooperieren können, ist der Personalaustausch – wenn eine Firma 10 Beschäftigte entlassen will, kann sie das auf dem Portal ausschreiben, so dass andere Arbeitgeber zeitnah davon erfahren.”

 

 

In 2013 haben über 4.000 junge Menschen Firmen gegründet, 50% mehr als im Vorjahr. Durch ein Programm zur Unterstützung der Existenzgründer, das von einer staatlichen Stelle für Mittelstandsprojekte abgewickelt wird, sind in den letzten drei Jahren 11.000 Firmen mit jeweils mindestens zwei Arbeitsplätzen gegründet worden. Der delegierte Minister für Mittelstand, Geschäftsklima und Tourismus, Florin Jianu, wirbt für die staatliche Unterstützung:

 

„Dieses Programm bietet jungen Menschen, die bisher keine eigene Firma hatten, die Möglichkeit der kostenlosen Anmeldung ihres Unternehmens. Sie können auch einen staatlichen Zuschuss von bis zu 50% der Investition in Höhe von maximal 10.000 Euro bekommen und von Arbeitgeberbeiträgen zu den Sozialversicherungen für mindestens zwei und höchsten vier Beschäftigte befreit werden. Vielleicht denken diese jungen Menschen daran, dass sie ein Unternehmen gründen und Jobs schaffen – wenn sie nicht selbst eine Anstellung finden. Dass junge Menschen verantwortungsvoll wirtschaften können, zeigt auch die Tatsache, dass unter 1% der von ihnen gegründeten Betriebe schließen. Wenn der Staat adäquate Unterstützungsinstrumente anbietet, reagieren die jungen Menschen positiv – ohne unser Programm hätten wir heute nicht die gleichen Ergebnisse.”

 

 

Seine Behörde beantragte beim Finanzministerium einen Etat von umgerechnet etwa 36 Millionen Euro, aus dem im kommenden Jahr Mittelstandsfinanzierungen bezahlt werden könnten. Das ist fast das Dreifache des Budgets von 2014. Außerdem sollen die Verfahren zur Beantragung der Unterstützung vereinfacht werden. Laut Minister Florin Jianu wickelt seine Behörde im nächsten Jahr statt sieben bereits 14 Programme ab, die im Einklang mit dem neuen Mittelstandsgesetz und der einschlägigen Strategie der Regierung und des Privatsektors stehen. Ziele sind nach Angaben des Ministers die so genannte Mikroindustrialisierung, die Internationalisierung und die Exportförderung, die Förderung von rumänischen Marken, die lokal, regional oder branchenweit relevant sind, außerdem die Förderung der sozialen und der ländlichen Wirtschaft.


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Publicat: 2014-12-09 09:14:00
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