Anghel Saligny (1854–1925) – der Brückenbauer von Weltformat

anghel saligny (1854–1925) – der brückenbauer von weltformat Anghel Saligny war ein rumänischer Ingenieur, Eisenbahn- und Brückenbauer und Hochschullehrer. Sein bekanntestes Werk war die später nach ihm benannte Eisenbahnbrücke über die Donau bei Cernavoda, ihrerzeit eine der größten Brücken Europas.

Anghel Saligny war ein rumänischer Ingenieur, Eisenbahn- und Brückenbauer und Hochschullehrer. Sein bekanntestes Werk war die später nach ihm benannte Eisenbahnbrücke über die Donau bei Cernavoda, ihrerzeit eine der größten Brücken Europas.

 

„Er war ein bemerkenswerter Bauingenieur, ein weltweiter Vorreiter im Bereich Metallbau und Stahlbetonbau. Von ihm stammen viele Erfindungen und einmalige Lösungen bei der Planung und der Errichtung von Brücken. Er hatte auch die Idee, beim Bau von Häfen, Docks und Silos vorgefertigte Betonteile einzusetzen – eine Weltpremiere. Er plante die Eisenbahnstrecke zwischen Adjud und Târgu-Ocna. Zwischen 1881-1882 baute er die ersten kombinierten Eisenbahn- und Straßenbrücken in Rumänien. Die ersten Eisenbeton-Silos der Welt baute er 1888 in Brăila und 1889 in Galaţi. Sein bekanntestes Werk war die später nach ihm benannte Eisenbahnbrücke über die Donau bei Cernavodă, ihrerzeit eine der größten Brücken Europas.“

 

Das war die Museologin Mioara Zamfir vom Technischen Museum Bukarest mit den wichtigsten Informationen über den rumänischen Ingenieur, Eisenbahn- und Brückenbauer sowie Hochschullehrer Anghel Saligny.

 

Anghel Saligny wurde am 19. April 1854 im Dorf Șerbănești, Kreis Galați, im Osten Rumäniens geboren und starb am 17. Juni 1925 in Bukarest. Anghel Salignys Vorfahren stammten aus dem französischen Châtillon-Coligny, flohen als Hugenotten aber nach dem Widerruf des Edikts von Nantes im Jahr 1685 in die Niederlande. Ein Nachkomme, Alfred Rudolf Saligny, zog nach Preußen, ließ sich später aber als Französisch-Lehrer in Focșani im damaligen Fürstentum Moldau nieder. Dort gründete er ein Internat für Grundschüler und heiratete Maria Zarska Dobjanski, eine Polin aus der nördlichen Moldau. Aus der Ehe gingen Alfons Oscar, später ein bekannter rumänischer Chemiker, Anghel und Sofia hervor.

 

Anghel Saligny wurde geboren, als seine Familie durch heftige Unwetter mehrere Tage in dem Dorf Șerbănești festgehalten wurde. Er besuchte die Grundschule seines Vaters in Focșani und das dortige Gymnasium, anschließend das Gymnasium in Potsdam. Von 1870 bis 1874 absolvierte er ein Ingenieurstudium an der Berliner Bauakademie, einem der Vorläuferinstitute der Technischen Universität Berlin. Anghel Saligny begann seine berufliche Tätigkeit unter der Leitung von Georg Christoph Mehrtens am Bau der Eisenbahnstrecke Frankfurt an der Oder – Cottbus. Infolge dieser Tätigkeit wurde ihm eine Stelle als Professor an der Universität Dresden angeboten, aber er lehnte die Stellung ab, indem er in seinem Dankbrief Folgendes schrieb:

 

„Meine Familie wurde am Ufer der Loire geboren und musste in die weite Welt ziehen, aber wir waren immer loyale Menschen. Ein Land hat uns Asyl gewährt und uns als seine Kinder anerkannt, und daher können wir dieses Land nicht verraten, wir bleiben ihm treu.“

 

 

1877 kehrte Anghel Saligny nach Rumänien zurück, um als Projektingenieur bis 1879 am Bau der Eisenbahnstrecke von Ploiești nach Predeal mitzuwirken, einem Teil der Bahnstrecke Ploiești–Brașov. Auch danach blieb er dem Eisenbahn- und Brückenbau verbunden, so zum Beispiel dem Bau der Strecke von Adjud nach Târgu Ocna, einem Teil der Bahnstrecke Sfântu Gheorghe–Siculeni–Adjud. 1888 und 1889 plante und baute er in Brăila und Galați 18 m hohe Silos aus Eisenbeton für mehr als 25.000 Tonnen Getreide, die deutlich größer waren als Joseph Moniers etwa gleichzeitiges Reservoir in Clamart und damit eine Spitzenposition bei der Anwendung von Eisenbeton einnahmen.

 

Schon 1887 war Anghel Saligny von der 1880 gegründeten Rumänischen Eisenbahn zum Leiter der Planung für die Eisenbahnverbindung mit der großen Donaubrücke zwischen Cernavodă und Fetești beauftragt worden. 1889 legte er die endgültige Fassung der Pläne für die König-Carol-I.-Brücke vor, die unter seiner Leitung von 1890 bis 1895 ausgeführt wurde. Es war eine der größten Brücken Europas, die später seinen Namen tragen sollte. Die Museologin Mioara Zamfir:
  König-Karl-I.-Brücke um 1900 (Foto: Wikimedia Commons)

 

„Anghel Salignys Projekt basierte auf zwei wichtige Erfindungen: Anstatt des im Puddelverfahren hergestellten Schmiedeeisens, der damals für den Brückenbau üblich war, wurde weicher Stahl verwendet, und der Oberbau ist eine Gerberträgerbrücke aus stählernen Fachwerkträgern, die leicht zur Längsachse hin geneigt sind. Die Anghel-Saligny-Brücke ist eingleisig. Zwischen den Einfahrtsportalen hat sie eine Länge von 750 m. Die Brücke besteht aus fünf Öffnungen mit Spannweiten von 190 m in der Hauptöffnung und 140 m in den vier Seitenöffnungen. Zur Zeit ihrer Errichtung war die Donaubrücke in Cernavodă die längste Brücke in Kontinentaleuropa und die drittgrößte Brücke der Welt. Die Grundsteinlegung fand am 21. Oktober 1890 und die feierliche Eröffnung am 14. September 1895 statt, beide in Anwesenheit des Königs Carol I. Der letzte Niet, aus reinem Silber, wurde vom König Carol I. geschlagen. Dann fuhr ein Konvoi von 15 Lokomotiven mit 80 Stundenkilometern über die Brücke, während der Projektleiter und Bauingenieur Anghel Saligny zusammen mit einigen Bauarbeitern in einem Boot unter der Brücke saß. Sein Name wurde bei der Eröffnungsfeier nicht genannt, aber durch seine Anwesenheit garantierte er für die hohe Qualität der inzwischen legendär gewordenen Eisenbahnbrücke über die Donau.“

 

 

 

1895 wurde Anghel Saligny zum Generaldirektor der Rumänischen Eisenbahnen ernannt. 1899 übernahm er außerdem die Leitung der Hafenbauverwaltung von Constanța, wo er schon seit 1889 an umfangreichen Betonarbeiten zum Ausbau des Hafens mitgewirkt hatte.

 

Anghel-Saligny-Brücke heute (rechts)

und neue Brücke (links)

 

1910 wurde Anghel Saligny mit großen Feierlichkeiten in den Ruhestand entlassen, wurde aber keineswegs untätig, sondern begann, den Hochwasserschutz an der Donau zu planen. Die Balkankriege in den Jahren 1912 und 1913 und der Erste Weltkrieg verhinderten jedoch eine Umsetzung seiner Vorhaben. Anghel Saligny bekleidete eine Reihe weiterer Ämter. Er war unter anderem Gründungsmitglied und später Präsident der Bukarester Polytechnischen Gesellschaft, Professor an der Nationalen Hochschule für Brücken- und Straßenbau und Präsident der Rumänischen Akademie.


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Publicat: 2015-01-27 17:30:00
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