Die Schriftstellerin Gabriela Adameşteanu

die schriftstellerin gabriela adameşteanu Gabriela Adamesteanu zählt zu den Klassikern der zeitgenössischen rumänischen Literatur; ein Ruf, den sie vor allem dem Roman „Dimineaţă pierdută“ („Verlorener Morgen“) von 1983 verdankt.

Gabriela Adameșteanu wurde am 2. April 1942 in Târgu Ocna (im Osten Rumäniens) geboren und wuchs in Piteşti auf. Ab 1960 studierte sie rumänische Literatur an der Universität Bukarest und schrieb 1965 ihre Diplomarbeit über Marcel Proust. Erste literarische Versuche konnte sie 1971 veröffentlichen, ihr Debütroman „Drumul egal al fiecărei zile“ („Der gleiche Weg an jedem Tag“) erschien 1975. Sie konnte in den rumänischen Literaturzeitschriften Viața Românească und România Literară veröffentlichen. In der Zeit der Diktatur von Nicolae Ceaușescu arbeitete sie für den Verlag Cartea Românească. 1983 erschien ihr Roman „Dimineață pierdută“ („Verlorener Morgen“), der 1987 von der Regisseurin Cătălina Buzoianu auf die Bühne gebracht wurde. Während der rumänischen Revolution 1989 wagte sie, einen Protestaufruf bei Radio Free Europe zu unterstützen. Nach 1990 wurde sie Chefredakteurin der Zeitschrift „22“, einer der wichtigsten bürgerrechtlichen und politischen Publikationen in Rumänien, die von der Gruppe für Sozialen Dialog (GDS) herausgegeben wird, und musste wegen ihrer Aktivität als Bürgerrechtlerin, für die sie 2002 den „Hellmann Hammett Award“ von Human Rights Watch erhielt, auf ihr literarisches Schaffen verzichten. Von 2000 bis 2004 war sie Vizepräsidentin und von 2004 bis 2006 Präsidentin des rumänischen P.E.N.-Clubs. Ab 2005 widmete sich Gabriela Adameşteanu wieder der Literatur. Sie veröffentlichte neue Romane, und die älteren wurden in 15 Sprachen übersetzt. 2013 erhielt sie vom französischen Kulturministerium den Titel „Chevalier de L’Ordre des Arts et Lettres“.

 

2014 veröffentlichte Gabriela Adameşteanu ein Buch mit dem Titel „Anii romantici“ („Die romantischen Jahre“). Es sind Erinnerungen aus den Jahren 1990-1991, einer bewegten Zeit der rumänischen Gegenwartsgeschichte. Es waren die Anfangsjahre der noch fragilen Demokratie in Rumänien, es war die Zeit, als Gabriela Adameşteanu auf Literaturschreiben verzichtet und die Leitung der Zeitung „22“ übernommen hatte, um die Konsolidierung der Demokratie in Rumänien mit voller Kraft zu unterstützen. Von 1991 bis 2005 war sie Chefredakteurin der Zeitung „22“. Gabriela Adameşteanu erinnert sich an jene Zeit:

 

„Jeder Mensch hat seine ‚romantischen Jahre‘ erlebt. Für mich bedeuten die romantischen Jahre eine Zeit, in der man sich für etwas einsetzt, aufs Ganze geht, das persönliche Leben beiseite lässt. Wenn man eine große Liebe erlebt, kann man auch von ‚romantischen Jahren‘ sprechen, aber in meinem Fall waren die romantischen Jahre die Jahre des totalen sozialen und politischen Engagements. Die Ereignisse von Dezember 1989 haben uns alle geprägt. Wir alle haben gesehen, wie unschuldige Menschen gestorben sind. Egal was man im Nachhinein darüber erzählt hat, dass es sich um einen Staatsstreich oder um eine gestohlene Revolution gehandelt habe, eins ist sicher: Viele Menschen sind auf die Straße gegangen, um ihre Freiheit zu erlangen, und viele von ihnen mussten sterben oder wurden regelrecht umgebracht. Wem das Gewissen erlaubt, auch nur ein minimales Mitgefühl für diese Menschen aufzubringen, kann es nie vergessen.“

 

 

Der Fall des Kommunismus, die darauffolgende stürmische und konfuse Übergangszeit führten zu einer Radikalisierung ihres Denkens, sagte Gabriela Adameşteanu. 10 Jahre lang widmete sie sich dem engagierten Journalismus. Diese Radikalisierung war umso überraschender, als die Schriftstellerin vor 1990 als Lektorin beim Verlag „Cartea Românească“ arbeitete, sich vom literarischen Leben fernhielt und nie zuvor als Journalistin tätig gewesen war. Gabriela Adameşteanu:

 

„Ich habe einen Grundsatz, den ich heute noch einhalte. Ich bleibe dem literarischen Leben fern, auch wenn ich in den literarischen Kreisen viele Kontakte und Freunde habe. Ich finde es nicht gut, in der Welt der Literaturschaffenden zu leben. Ein Romanautor sollte ein normales, gewöhnliches Leben führen – so kann man sich das Leben der anderen, der Romanfiguren, am besten vorstellen.“

 

 

2003 kehrte Gabriela Adamesteanu zum Literaturschreiben zurück und veröffentlichte den  Roman „Întâlnirea“ („Die Begegnung“). 2010 erschien ihr Roman „Provizorat“ („Provisorium“). Parallel zu ihrem Schreiben beteiligte sie sich an Buchmessen und machte mehrere Auslandstourneen. Gabriela Adameşteanu:

 

„Es war der Anfang eines anderen Lebens für meine Bücher und auch für mich. Ich fühlte, dass der Geist meiner Bücher auch in entfernte Länder übertragen werden könnte. Gleichzeitig wurde mir auch klar, dass es sehr wichtig, aber auch sehr schwer ist, als rumänische Schriftstellerin die ausländischen Leser zu erreichen.“

 

 

Um die ausländischen Leser zu erreichen beteiligte sich Gabriela Adameşteanu 2005 zusammen mit weiteren 11 rumänischen Schriftstellern am Literaturfestival „Les Belles Étrangères“, das jedes Jahr vom Nationalen Buchzentrum Frankreichs veranstaltet wird.


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Publicat: 2015-02-17 17:30:00
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