Gellu Naum – Surrealist auf Lebenszeit

gellu naum – surrealist auf lebenszeit Auf die Prominentenbühne von RRI steigt heute der Schriftsteller Gellu Naum. Er hat den rumänischen und internationalen Surrealismus durch sein Schaffen geprägt. Dieses Jahr hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Geboren am 1. August 1915 in Bukarest, wird der Dramaturg, Prosaautor, Dichter und Essayist Gellu Naum als bedeutendster Vertreter des rumänischen Surrealismus betrachtet. Er studierte Philosophie an der Bukarester Universität und reiste danach nach Paris, auf Anraten seines Freunds, dem Maler Victor Brauner, um an der Sorbonne sein Studium fortzuführen. Durch Victor Brauner kommt er Ende der 1930er Jahre in Kontakt mit der Gruppe der Surrealisten um André Breton. Zusammen mit Gherasim Luca tritt er diesem Kreis bei. 1939 kehrt er ins Land zurück und wird zur Armee einberufen und an die Front geschickt.

 

1941 bildet er zusammen mit Gherasim Luca, Dolfi Trost, Virgil Teodorescu und Paul Păun eine Gruppe rumänischer Surrealisten, deren intensiven Aktivitäten in den Jahren 1945–1947 André Breton sagen ließ, das Zentrum der Welt sei nach Bukarest gezogen. Im Dezember 1947 ging die Gruppe auseinander. Gellu Naum veröffentlicht einen neuen Gedichtband erst 20 Jahre später. Unterdessen verdient er seinen Lebensunterhalt als Übersetzer. Er zieht sich zurück nach Comana, wo er zusammen mit seiner Gattin Lygia lebte. Sie wurde zur Hauptgestalt in seinem Buch „Zenobia“, das 1985 erschien. Sein Werk wurde in die wichtigsten internationalen Sprachen übersetzt, unter anderem ins Englische, ins Deutsche, Französische und Griechische. Er stirbt am 29. September 2001 in Bukarest.

 

Die Schriftstellerin Simona Popescu widmet Gellu Naum ihr Buch „Die Rettung der Menschheit. Über den Surrealismus und Gellu Naum“, das im Verlag der Rumänischen Kulturstiftung erschien. Ihrer Ansicht nach sei „der Fall von Gellu Naum ein ganz Besonderer: ein Dichter, der sich bis heute noch als Surrealist deklariert – konsequent, mit polemischer Hartnäckigkeit gegenüber all denen, die den Surrealismus in ihre Vergangenheit bereits begraben haben. Er war ein gruppenloser, vereinzelter Surrealist, der mehr als 40 Jahre in einem kommunistischen Land lebte, wo es keinen Platz für die literarische Mentalität der Avantgardisten gab“, schrieb die Schriftstellerin Simona Popescu. Ein Surrealist, für den die Gedichte nicht nach einem Literaturrezept geschrieben wurden. Seine Gedichte drückten einen Lebensstil aus, über den seine Gedichtbände („Mein müder Vater“, „Das blaue Ufer“, „Die andere Seite“, „Der Tierbaum“), seine Theaterstücke und Prosawerke („Medium“, „Das verbotene Schreckliche“, „Schloss der Blinden“) erzählen.

 

Der erste Versuch, die Stimme von Gellu Naum aufzunehmen, war ein Fiasko, erinnert sich Anca Mateescu, Mitarbeiterin der Kulturabteilung von Radio Rumänien. Gellu Naum sagte ihr damals, er sei viel zu jung, um Erinnerungen zu haben. Jahrelang bedauerte die Journalistin den gescheiterten Versuch. Als sie eine neue Sendereihe, „Die Literatur als Schicksal“, bei Radio Rumänien Cultural startete, war ihr erster Gast Gellu Naum. Ein Teil der von Anca Mateescu gemachten Aufnahmen sind auch auf einer dem Schriftsteller Gellu Naum gewidmeten CD zu finden. Die genannte CD heißt „Gellu Naum – im Alter des Zeichens“ und erschien im Verlag Casa Radio in der „Stimmensammlung“.

 

Sie hören im Folgenden Gellu Naum über die Lage der Schriftsteller im Kommunismus.

 

Ich durfte nicht mehr ausreisen und das war schrecklich. Sie schauten mich bösartig an, ließen mir jedoch Übersetzungsaufträge zukommen. Demnach übersetzte ich aus dem Werk von Diderot. Es wurde sogar eine Aufführung über die Bühne gebracht, »Rameaus Neffe«. Sie genoss großen Erfolg, sowohl im In- wie auch im Ausland. Ich übersetzte auch Becket, es gab Regisseure, die seine Theaterstücke auf die Bühne bringen wollten. Ich war kein Parteimitglied, sondern nur ein armseliger Schriftsteller, den sie ab und zu gebrauchten. Es gelang mir auch damals, gelegentlich ein Buch zu veröffentlichen, selbstverständlich in zensierter Fassung. Was mir allerdings nicht gefiel und mich betrübte. Erst 1968, vor dem Hintergrund der ideologischen Entspannung, überwand ich diesen schlechten Zustand. Politisch betrachtet tanzten damals alle nach der Pfeife der Mächtigen im System.“

 

 

Anlässlich des 100. Geburtstags des Schriftstellers Gellu Naum organisiert das Rumänische Kulturinstitut (ICR) eine Reihe von Veranstaltungen. Das Rumänische Kulturinstitut in Wien präsentierte in Zusammenarbeit mit dem Theater Pygmalion die szenische Lesung von „Die Insel“ von Gellu Naum, unter der Leitung von Tino Geirun.  Beim Rumänischen Kulturinstitut in Chişinău wurde die Austtellung „Gellu Naum und der rumänische Surrealismus“ eröffnet. Das Rumänische Kulturinstitut in Stockholm zeigte dagegen die Aufführung „N(AUM)“, ein Stück, das durch die von Oana Pellea geleiteten Kreativ-Ateliers auf Basis der Texte des surrealistischen Autors entstand und 2014 vom Theater UNTEATRU produziert wurde. Vor dem gleichen Hintergrund kann bis zum 10. September 2015 im Rumänischen Kulturinstitut in Budapest die Ausstellung „Hundertjahrfeier Gellu Naum“, gestaltet vom Museum für Rumänische Literatur, besichtigt werden.


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Publicat: 2015-08-18 17:28:00
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