Sprachwissenschaftler Eugen Coşeriu – der Riese von Tübingen

sprachwissenschaftler eugen coşeriu – der riese von tübingen Eugen Coşeriu wurde 1921 in Bessarabien im Kreis Bălţi, der heute in der Republik Moldau liegt, damals aber zu Rumänien gehörte, geboren. Eugen Coşeriu wurde zum Sprachwissenschaftler des 20. Jh. ernannt und war als der „Riese von Tübingen“ bekannt.

 Eugen Coşeriu wurde 1921 in Bessarabien im Kreis Bălţi, der heute in der Republik Moldau liegt, damals aber zu Rumänien gehörte, geboren.  Eugen Coşeriu wurde zum Sprachwissenschaftler des 20. Jh. ernannt und war als der „Riese von Tübingen“ bekannt. Er starb im September 2002. Eugen Coşeriu gründete die erste Linguistik-Schule in Südamerika und schrieb mehr als 50 Bände und tausende Seiten über Linguistik und Philologie. Rund 50 Universitäten aus der ganzen Welt haben ihm den Ehrendoktor-Titel verliehen. Eugen Coşeriu wird als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Sprachwissenschaftler betrachtet. Er war derjenige, der den Begriff „integrale sprachliche Betrachtung“ geprägt hat. Es geht um eine Disziplin, die die menschliche Sprache tief angeht und alle Schlüsselprobleme der Geschichte und Sprachentheorie, die allgemeine Linguistik, allgemeine Phonetik und Phonologie, die Soziolinguistik, Lexikologie, strukturelle Semantik, Dialektologie, Theorie und Praxis der Übersetzung in Beziehung setzt.    

 

Coşerius akademische und universitäre Karriere startete mit zwei Doktorarbeiten, mit dem Doktor in Sprachen in Rom 1944 und dem Doktor in Philosophie in Mailand 1949. Er unterrichtete an der Universität in Montevideo, Uruguay, in 1951. Ab 1961 unterichtete er an der Universität in Tübingen. Eugen Coşeriu kannte 30 Sprachen, sprach und schrieb in 11. Die rumänische Sprache blieb im Mittelpunkt seiner Beschäftigungen. Hören wir nun  Eugen Coşeriu in einer Aufnahme aus dem Jahr 1993:

 

„Was der Westen schon in dem Mittelalter und dann während der Renaissance interessant fand, war die Latinität der rumänischen Sprache, also das Vorhandensein einer Insel der Latinität im Osten, in der Nachbarschaft einer ungarischen und slawischen Region. Die lateinische Basis der rumänischen Sprache kann nicht verneint werden und gilt als Fundament für unsere primäre Existenz. Die rumänische Sprache enthält ebenfalls Elemente aus der Zeit vor der römischen Eroberung, also aus der Sprache der Daker oder Geten. Es kommen ebenfalls slawische Begriffe vor, die die lateinischen ersetzt haben oder neben den lateinischen vorkommen. Zu finden sind auch französische Wörter, die nach ihrem lateinischen Ursprungswort an die rumänische Phonetik angepasst wurden, so dass man sie heute [als Laie] nicht mehr als Lehnwörter aus einer modernen romanischen Sprache erkennt. Dank unserer historischen Kontakte erscheinen in unserer Sprache neuere slawische, türkische, ungarische Begriffe. Die rumänische Sprache wurde von einigen Sprachwissenschaftlern als die interessanteste Sprache in Europa bezeichnet. Sie ist eine Zusammenfassung der europäischen Sprachen, ohne auf ihre lateinsiche Basisstruktur zu verzichten.“

 

 

Was die rumänische Sprache in breiteren westeuropäischen Kreisen bekannter  machen könnte, sei jedoch nicht das rein sprachliche Interesse, sondern kulturelle Veranstaltungen, die ein allgemeines Interesse erwecken, meinte noch der Linguist Eugen Coşeriu:

 

„Die rumänische Geistigkeit kann in der Welt durch ihre Schöpfungsformen bekannt werden, die aber nicht von der Sprache abhängen, sondern von Formen, die auch das Interesse für die Sprache anspornen können. Ich beziehe mich auf Bildhauerei, Malerei, Musik, Tanz, also auf Kulturformen, die nicht an einer spezifischen nationalen Tradition gebunden sind. Sie können von einer anderen Nation jederzeit akzeptiert und angepasst werden.“ 


www.rri.ro
Publicat: 2015-12-08 18:16:00
Vizualizari: 609
TiparesteTipareste