Roman „Innenraum Null“ von Lavinia Branişte: Die Tragik des Alltäglichen

roman „innenraum null“ von lavinia branişte: die tragik des alltäglichen „Innenraum Null“ ist der erste Roman der jungen Prosaautorin Lavinia Branişte und erschien voriges Jahr im Verlag Polirom.

Der Roman, der den innerlichen Aufruhr einer jungen Frau in einem scheinbar normalen Alltag schildert, hat sich bereits einer großen Zahl guter Rezensionen erfreut. Der Prosaautorin Lavinia Branişte ist es in ihrem jüngsten Roman gelungen, was einige Schriftsteller nach einer lebenslangen Karriere nicht schaffen: eine Figur auftauchen zu lassen, die als Hauptdarstellerin in manchen ihrer Bücher vorkommt und in gewisser Weise mit Henry Chinaski von Bukowski vergleichbar ist. Auch in ihrem Roman lässt die junge Schriftstellerin den Eindruck entstehen, dass ihr das Schreiben sehr leicht fällt, als ob sie in ihrem Tagebuch den Alltag beschreiben würde. In Wirklichkeit handelt es sich hingegen um eine akribische Arbeit und hinter dem leichten, unverwechselbaren Stil ihrer Prosa stecken Unruhen, ein innerer Aufruhr und eine persönliche Sicht auf Literatur. Der Literaturkritiker Bogdan-Alexandru Stănescu sagte über den neuen Roman der Prosautorin, er sei nicht sicher, ob es sich um einen Roman oder um Kurzprosa handelt, er würde eher sagen, es geht um die Karte eines Territoriums, das die Schriftstellerin sorgfältig und obsessiv abbildet.

 

Die Hauptfigur des Romans ist Cristina, die in einem ganz normalen Alltag lebt. Die Dreißigjährige weiß nicht mehr, ob sie ihren Freund liebt, und will ihren aktuellen Job kündigen, aber dessen wird sie sich nur dann sicher, wenn die Firma, wo sie beschäftigt ist, pleitegeht. „Interior zero“ („Innenraum Null“) zeigt uns, wie das Leben an uns vorbeigeht und wie der einfache Weg schwere und unerwartete Folgen haben kann, sagt Lavinia Branişte.

 

Die junge Prosaautorin gab ihr literarisches Debüt mit einem Gedichtband, später schrieb sie zwei Kurzprosabände und ein Kinderbuch. Wie sie dazu gekommen ist, einen Roman zu schreiben, erläutert Lavinia Branişte:

 

„Ich habe immer eine Leidenschaft für Kurzprosa gespürt, diese Leidenschaft habe ich eigentlich immer noch und so hatte ich mir auch diesen Band vorgestellt: als Kurzgeschichte. Dann habe ich die Inhaltsteile miteinander verknüpft und merkte, wie gut sie zueinanderpassen. Die Geschichte ist mir während eines Chat-Gesprächs mit dem Dichter Vasile Leac, einem Freund von mir, eingefallen. Er befand sich zu jenem Zeitpunkt in Deutschland, um Lauch und Kürbisse zu ernten. Ich habe ihn um seine exotische Erfahrung beneidet und war mir sicher, dass er sie aufs Papier bringen wird. Das Motto meines Romans ist eigentlich ein Teil unseres Gesprächs, genauer gesagt, eine Frage meines Freundes an mich: Kann es sein, dass wir das Leben nicht verstehen? Es hat mir gefallen, wie er die Frage zum Ausdruck brachte, und so ist mir eingefallen, ein Buch darüber zu schreiben, wie wir das Leben nicht verstehen. Damals war ich selber mit der Situation konfrontiert, in der ich mich gut und erfüllt fühlte, aber es erschrak mich, ehrlich gesagt, dass das Sich-Wohlfühlen und das Erfüllt-Sein nur von außen so aussieht. Es war mir auch nicht klar, ob ich mir etwas anderes wünschen sollte oder nicht.“

 

 

Im Roman „Innenraum Null“ ist keine Übereinstimmung gültig, sagt der Literaturkritiker Ovidiu Pop. Lavinia Branişte schildert diese Tragik in den alltäglichen Dingen. Es ist genau dieser scheinbar normale Alltag, der im Innenraum abläuft, der dem Roman seine Überzeugungskraft verleiht, fügt der Literaturkritiker hinzu. 


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Publicat: 2017-01-11 18:43:00
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