Choreographin Iris Barbura: Die wahre und pure Kunst des Ausdruckstanzes

choreographin iris barbura: die wahre und pure kunst des ausdruckstanzes Vor weniger als einem Jahr hat sich das Bukarester Tanzzentrum vorgenommen, dem rumänischen Publikum eine in ihrem Heimatland zu wenig bekannte Künstlerin näher zu bringen.

Der zweisprachige Katalog „Tribute to Iris Barbura“ bildet den Werdegang der Künstlerin entlang ihrer Wirkungsstätten Bukarest, Berlin und Ithaca nach und erlaubt einen Einblick ins Leben und Werk einer vielschichtigen Choreographin, der europaweit eine große Rolle in der Förderung des Ausdruckstanzes zugesprochen wird. Die im Jahr 1912 im westrumänischen Arad geborene Iris Barbura hat die Kunst der Zwischenkriegszeit maßgeblich geprägt und beeinflusst. In Rumänien gilt die Choreographin zu den ersten Künstlern und Künstlerinnen, die den Ausdruckstanz, der dem individuellen und künstlerischen Darstellen von Gefühlen dient, auf eine Bukarester Bühne brachte. Die drei Wirkungsstätten entlang ihrer Karriere bleiben Bukarest, Berlin und Ithaca. Die letzten Jahre ihres Lebens hat die Künstlerin in der US-amerikanischen Stadt Ithaca gelebt. Bei einer Bukarester Tanzaufführung rief neulich eine ihrer ehemaligen Studentinnen, die Choreographin Beth Soll, zusammen mit einem rumänischen Tanzensemble den Tanzstil Iris Barburas wieder ins Gedächtnis. Ihre persönlichen Erinnerungen an die Begegnungen mit der rumänischen Choreographin sind Teil eines ein Jahr später vom Nationalen Tanzzentrum Bukarest zusammen mit der Berliner Stiftung „Alexander und Renata Camaro“ sowie dem Tanzarchiv Köln und Berlin erstellten zweisprachigen Katalog „Tribute to Iris Barbura“ („Ehrerweisung an Iris Barbura“).

 

Das Arbeitsbuch erlaubt einen Einblick in die vielschichtige Persönlichkeit der Tänzerin, die in verschiedenen Kulturkreisen beheimatet war. Laut der Tanzforscherin Corina Cimpoieru liegen somit Dokumente vor, die den rumänischen Tanzliebhabern einen Einblick ins Leben und Werk der Künstlerin verschaffen: Bilder, Presseartikel, Auszüge aus dem Briefwechsel mit vertrauten Künstlerfreunden, Tagebuchauszüge einiger Menschen, die sie in jener Zeitspanne erwähnten. Die Autoren haben Unterlagen aus dem Archiv öffentlicher Einrichtungen sowie aus Privatarchiven zusammengetragen, um den Werdegang der Künstlerin entlang ihrer Wirkungsstätten Bukarest, Berlin und Ithaca detailgetreu nachzubilden.

 

Iris Barbura hat die Akademie für darstellende Kunst in Bukarest absolviert, 1932 gab sie zum ersten Mal ein Solo-Rezital. Corina Cimpoieru kommt erneut zu Wort mit Einzelheiten über das Leben und Werk der Künstlerin:

 

„Sie machte ihren eigenen Tanzstil sichtbar, nachdem sie die Kunst an der Grenze zwischen Theater und Tanz erforscht hatte. In dieser Zeit, als der Ausdruckstanz europaweit seine Blütezeit erlebte, arbeitete sie in Wien und Dresden mit Mary Wigman und Gret Palucca zusammen. Die renommierten deutschen Tänzerinnen prägen ihren Stil. Später kehrt sie nach Rumänien zurück, wo sie eine Tanzschule für expressiven Ausdruckstanz gründet. Auf die Bühne der Bukarester Oper tritt sie in eleganten und energetischen Tänzen auf. Sie verzeichnet eine Premiere im rumänischen Kunstraum: Im Bukarester Nationaltheater tritt sie als die jüngste Ballettmeisterin Rumäniens auf. Im Zeitraum 1938–1945 geht sie auf eine europaweite Tour. In Berlin, Helsinki, Wien und anderen europäischen Hauptstädten erfahren ihre Tanzdarstellungen einen großen Erfolg.“

 

 

Ihre Soloauftritte bringen eine eigene choreographische Sprache im Ballett zum Ausdruck. Sie setzt einen neuen Trend: Man verzichtet auf Spitzenschuhe und Korsett bei den Auftritten, man tanzt frei. Nicht alleine der moderne Tanz setzt sich somit dank ihrer Auftritte durch, sondern auch eine neue und noch nie da gewesene choreographische Sprache. Unsere Gesprächspartnerin Corina Cimpoieru dazu:

 

„In den Medienberichten der Zeit sind die Meinungen geteilt. Viele stellen diese Abweichungen von der klassischen Tanztechnik in Frage. Sie betrat eine leere Bühne ohne Tanzschuhe und das entsprach nicht den Erwartungen des Publikums von damals, dem eher der Unterhaltungstanz und nicht der expressive Ausdruckstanz vertraut war.“

 

 

Iris Barbura fertigte ihre eigenen Kostüme an, bei ihren Auftritten trug sie manchmal sogar Masken, sie erstellte ihre eigene Choreographie und setzte einen eigenen Stil durch, der Bewegung Ausdruck zu verleihen. Dasselbe kennzeichnet auch ihre Berliner Auftritte im Rahmen des experimentellen Programms mit surrealistischer Prägung  „Die Badewanne“. Zwischen 1945 und 1951 tritt sie regelmäßig in Berlin auf, 1951 lässt sie sich in den USA nieder. Auf die Bühne des Hebbel Theaters sowie des Volkstheaters Spandau präsentiert sie mehrmals ihre Choreographien. Die Berliner Fachpresse bemerkt „die  Mehrwertigkeit der Künstlerin, ihre raffinierte und erfinderische Choreographie, die ruhige und tiefgreifende Bewegungen, die mit einer überbordenden Gewalt verknüpft werden“. Ihre Tanzdarstellung nach Robert Schumanns „Kinderszenen“ beschreibt die deutsche Presse als „wahre und pure Kunst“.

 

Der zweisprachige Katalog „Tribute to Iris Barbura“, unter dessen Autoren die rumänischen Tanzforscher Corina Cimpoieru und Igor Mocanu zählen, wurde sowohl in Bukarest als auch in Berlin vorgestellt. In Berlin fand die Veranstaltung im Camaro-Haus der Stiftung „Alexander und Renata Camaro“ statt. Das Haus beherbergt auch die gleichnamige retrospektive Ausstellung. Die umfassende Ausstellung, die der rumänischen Künstlerin gewidmet wird, kann bis zum 15. Juli in Berlin besichtigt werden.


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Publicat: 2017-05-30 17:49:00
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