Winterbräuche in Rumänien

winterbräuche in rumänien Weihnachten und Neujahr werden, wie fast überall in der Welt, auch in Rumänien hoch gefeiert. In vielen Gegenden des Landes werden Sitten und Bräuche immer noch wie einst gelebt.

„Aho, aho, copii şi fraţi,/Staţi puţin şi nu mânaţi,/Lângă boi v-alăturaţi/Şi cuvântul mi-ascultaţi!“ (in etwa: „Hallo, hallo, Kinder und Gefährte,/Lasst die Zügel aus der Hand/Und den Ochsenpflug mal stehen,/Hört, was ich euch sagen will!“ ) – dieser Neujahrsgruß – formuliert als Spruch – wird zu Silvester von vielen Rumänen häufig ausgesprochen. In Gruppen organisierte Menschen ziehen von Tür zu Tür und singen das sogenannte „Pluguşorul“ (dt. „Pfluglied“) vor. Dadurch wünschen sie ihren Mitbürgern viel Gesundheit, Wohlhaben und Glück im neuen Jahr.

 

„Pluguşorul“ ist das traditionelle Neujahrslied Rumäniens. Es stammt aus der fernen Vergangenheit dieses Landes und bewahrt das herkömmliche Ritual einer magischen Anrufung mit Anspielung auf die Landwirtschaft. Jodeln, knallende Peitschen und bimmelnde Glöckchen gehören dazu. Der früher von Ochsen gezogene traditionelle Pflug wurde allerdings mit der Zeit durch einen Pflug im Kleinformat ersetzt, der leichter zu tragen war. Oder einfach durch ein Musikinstrument, das das Muhen der Kühe nachahmte. Der beschwörende Charakter der rhythmisch ausgesprochenen Worte ging mit der Zeit verloren. Der Neujahrsgruß verwandelte sich nämlich in einen allgemeinen Spaß. Er strahlt Optimismus aus.

 

Auf dem Land – und manchmal sogar in den Städten – werden herkömmliche Traditionen und Bräuche immer noch gelebt. Zu Neujahr zum Beispiel gehen verschiedene Menschengruppen von einem Haus zum anderen und führen verschiedene Rituale aus, die Singen, Tanzen und verschiedene Aufrufe für das neue Jahr voraussetzen. Sorcova, Pluguşorul, Capra (dt. Ziegentanz), Ursul (dt. Bärentanz) sind nur ein paar besondere Bräuche, die von Generation zu Generation übertragen wurden.

 

In der Bukowina wird heute noch das Ritual der Masken vollzogen. Die Dorfbewohner verkleiden sich und wandern durch das Dorf. Sie verkörpern verschiedene fabelhafte Gestalten: den Bär, die Ziege, Hirschen, die Hässlichen, die Teufel, die Ärzte usw.

 

Das Ritual des Bärenwanderns wird hauptsächlich in der Moldau zu Silvester ausgeführt. Ein junger Mann verkleidet sich als Bär – er trägt am Kopf und am Rücken ein Bärenfell. An seinen Ohren hängen rote Zipfel. Die Maske wird von dem sogenannten „ursar“, einem Anführer der Bären, geleitet. Die Gefolgschaft besteht aus Musikern sowie weiteren verkleideten Menschen. Kinder schlüpfen in der Regel in die Rolle der Bärenjungen. Der als Bär verkleidete junge Mann springt, tanzt und zappelt herum im Trommeltakt. Er versucht den rhythmischen Schritt des Bären nachzuahmen und trampelt stark mit den Füßen gegen den Boden. Das Ritual bereitet den Boden für das kommende Jahr – dadurch soll er gereinigt und fruchtbar gemacht werden. Es wird vermutet, dass dieser Brauch auf ein altes dakisches Ritual zurückzuführen sei. Eugen Amaria führt die Gruppe an, die im Kreis Suceava, im Dorf Preuteşti, das Bären-Ritual ausführt. Er lieferte uns mehr Einzelheiten zu dieser Tradition:

 

„Wir führen hier das Bären-Spiel auf. Es ist eine spezifische Tradition für unsere Gemeinde, Preuteşti, im Landkreis Suceava. Das Bären-Spiel verläuft wie folgt: Mehrere Leute verkleiden sich als Bären. Zu Beginn kriechen sie auf Knien und Ellbogen, dann stehen sie auf und sterben kurz danach. Dann wird eine Beschwörungsformel gemurmelt und die Bären werden zurück zum Leben beschwört. Sie stehen auf und beginnen zu tanzen. Unsere Gruppe besteht aus 13 Mitgliedern. Dazu kommen noch die Musiker. Die Kostüme nähen wir uns selber, aus Schafsfell. Jedes Gruppenmitglied näht nach Belieben sein Kostüm. Die Musiker tragen Volkstrachten. Wir ziehen vom 31. Dezember bis zu Neujahr durch die Dorfstraßen und vertreiben die bösen Geister. Damit markieren wir den Übergang von einem Jahr in das andere.“

 

 

Cosmin Rusu ist Mitglied der Gruppe „Străjerii din Dolheşti“ („Die Wacht aus Dolheşti“) im Landkreis Suceava. Er verkörpert den Zigeuner in seiner Sternsinger-Gruppe. Cosmin erklärte uns Folgendes:

 

„Wir führen hier mehrere traditionelle Neujahrstänze auf, unter anderem Capra (dt. Ziegentanz), Dansul măştilor (dt. Maskentanz), Dansul urşilor (dt. Bärentanz), Dansul Ţiganilor (dt. Zigeunertanz). Letzterer ist ein uralter Tanz, der mir sehr am Herzen liegt. Er wird zu Weihnachten getanzt und kündigt den Wintereinbruch an. Die Ankunft der Zigeuner kündigt die Feiertage an.“

 

 

Früher zogen am Neujahrstag rumänische Burschen mit der „capră“ (dt. Ziege) durch die Dörfer. Ein vermummter Bursche trug an einer Stange einen hölzernen Bockkopf mit einer beweglichen Kinnlade, die mit einer Schnur zum Klappern gebracht werden konnte. Unter Musikbegleitung zogen sie von Haus zu Haus, der Bockträger stampfte mit seiner Stange und klapperte mit der Kinnlade im Takte der Melodie. Zumeist war die Gestalt mit kleinen Glöckchen behangen. Nachdem die Burschen bewirtet wurden und kleine Geschenke bekamen, zogen sie ins nächste Haus.

 

Die Tradition der „Vermummten von Cavnic“, einer Ortschaft unweit von Baia Mare, im Norden des Landes, wurde ebenfalls aus uralten Zeiten bewahrt. Die Leute, die hier wohnen, feiern Weihnachten nach dem alten Kalender, eben weil sie so sehr an den alten Traditionen hängen. Mehr dazu von Ioana Petruţ, der Leiterin des Kulturhauses in Cavnic:

 

„Legenden zufolge hätten die Ortsansässigen die Tataren von diesen Gebieten vertrieben. Die Auseinandersetzung hätte gerade hier in Cavnic im Jahr 1717 stattgefunden. Die Einheimischen erzählen, ihre Vorfahren hätten die Tataren verjagt. Heute werden die bösen Geister durch die gleiche Methode vertrieben, heißt es. Es wird erzählt, die Tataren hätten nicht gewusst, wer sie angreife und das habe ihnen Furcht eingejagt. Deshalb wären sie geflüchtet. So entstand die Tradition. Die Leute verkleiden sich, setzen Masken und Glocken auf und ziehen an den Häusern vorbei.“

 

 

Am ersten Tag des neuen Jahrs ziehen verschiedene Menschengruppen durch die Straßen der Städte und Dörfer vorbei. Sie führen hauptsächlich zwei Rituale auf: den „Pluguşorul“ (Pflugtanz) und die „Sorcova“ (eine Art Glückwunschspruch, wobei man einen mit künstlichen Blumen bestückten Stock oder Holzrahmen schwingt). Dadurch sollen Wohlstand und Reichtum für den Haushalt, der die Sternsinger empfängt, herbeigerufen werden. Dem Volksglauben zufolge werden diejenigen, die keine Sternsinger empfangen, von Pech und Armut während des ganzen Jahrs geplagt.


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Publicat: 2019-01-08 17:30:00
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