Filmfestival „Astra“ in Hermannstadt: Dokumentationen im Vordergrund

filmfestival „astra“ in hermannstadt: dokumentationen im vordergrund Auf dem Programm der 26. Filmfestspiele „Astra“ im mittelrumänischen Sibiu (Hermannstadt) standen 20 Produktionen, die einen Bezug zu Rumänien haben.

Vom 14. bis 20. Oktober wurden beim Filmfestival „Astra“ im mittelrumänischen Sibiu (Hermannstadt), das bereits zum 26. Mal stattfand, 20 Produktionen gezeigt, die einen Bezug zu Rumänien haben, sei es durch den Autor oder durch das Thema. Die Streifen befassen sich zum größten Teil mit der Geschichte des Landes, sowohl mit grandiosen Ereignissen als auch mit heiklen und weniger bekannten Themen. Die Filme regen zum Nachdenken und zu einem besseren Verständnis des eigenen Landes an, von der Gründung des modernen Staates im Jahr 1918 bis zum kommunistischen Regime und Phänomenen, die in den 30 Jahren seit der Wende die Geschichte des Landes stark geprägt haben – etwa Korruption und Migration, so die Organisatoren.

 

Mit dem Film „Profu‘“/“Der Pauker“ gibt Alex Brendea, der eine reiche Erfahrung als Aufnahmeleiter hat, sein Debüt als Regisseur von Dokumentationen. Alex Brendea:

 

„Die Dokumentation gibt dem Filmemacher im Vergleich zum Spielfilm mehr Freiheit, das heißt mehr Freiheit für seine Figuren. Das Filmteam ist deutlich kleiner als im Fall eines Spielfilms, alles ist intim und das gibt dem Regisseur die Möglichkeit, spontan und kreativ zu sein. Um ein Beispiel zu nennen: Bei den Dreharbeiten eines Spielfilms kann man nicht so viele Änderungen vornehmen als bei einer Dokumentation. Bei den Dreharbeiten eines Dokumentarfilms kann man den Rahmen mehrmals ändern, bei einem Spielfilm muss man hingegen einem Plan folgen.“

 

 

Die Dokumentation von Alex Brendea erzählt die Geschichte eines Mathelehrers in der kleinen siebenbürgischen Stadt Bistriţa (dt. Bistritz), der aus dem konventionellen Bildungssystem aussteigt und eine Schule in seiner eigenen Wohnung gründet. Alex Brendea:

 

„Der Lehrer heißt eigentlich Dorin Ioniţă, die Schüler nennen ihn aber »Teach«, und unter diesem Spitznamen ist er eigentlich überall bekannt. Ich habe ihn kennengelernt, als ich Gymnasialschüler war, er war mein Mathelehrer auch außerhalb der Schule, weil ich Privatstunden nahm. Ich war sehr begeistert, seitdem ich sein Haus zum ersten Mal betrat. Ein Zimmer wandelte er in ein Klassenzimmer um, in einem anderen Zimmer stand ein umgebautes Motorrad, Stücke davon lagen auf dem Teppich, ich habe dann begriffen, dass er ein besonderer Mann war, und so bin ich darauf gekommen, eine Dokumentation rund um diese Figur zu machen. Ich habe ihn sehr geschätzt, weil er den Mut hatte, aus dem System auszusteigen, um privat zu unterrichten und sich dieser Idee widmete.“

 

 

„Fata de aur“/„Das Goldene Mädchen“ ist eine Dokumentation von Denisa Morariu Tamaş und Adrian Robe, gefilmt von Cristian Tamaş. Der Film befasst sich mit einem dramatischen Moment in der Geschichte des rumänischen Turnens, der sich bei den Olympia-Spielen in Sydney 2000 ereignete: die Bemühungen der berühmten rumänischen Turnerin Andreea Răducan, ihre Goldmedaille nach einem Doping-Skandal zurückzugewinnen. Denisa Morariu Tamaş:

 

„Wir sind alle drei Journalisten. Also nähert sich unser Film eher dem Stil einer TV-Dokumentation. Es handelt sich um eine Dokumentation, die auf Information beruht und Recherche mit Geschichte verknüpft. Wir haben mit HBO Europe zusammengearbeitet, und sie haben uns völlig unterstützt. Die Dokumentation ist für uns wie eine zweite Natur, und es gefällt mir besonders, dass dieses Genre eine Art Unsicherheit anbietet, man weiß nie, was kommt.“

 

 

Ein falsches Rezept hatte 2010 die beste Turnerin der Welt die olympische Goldmedaille gekostet. Die damals 16-jährige Rumänin Andrea Răducan war unverschuldet zur Doping-Sünderin und unglücklichsten Athletin der Sydney-Spiele geworden. Vor ihrem Olympiasieg im Vierkampf-Finale hatte sie wegen einer Erkältung Tabletten vom Mannschaftsarzt verschrieben bekommen, die das verbotene Stimulanzmittel Pseudoephedrin enthielten. Sie musste infolgedessen ihre Goldmedaille abgeben. Denisa Morariu Tamaş spricht über die Motivation der Filmemacher:

 

„Wir wollten Andreea Răducan in der Sportwelt rehabilitieren. Einige Anwälte haben sich mit dem Fall befasst, wir haben versucht, ihr dabei zu helfen, die Medaille zurückzugewinnen. Leider konnte man 10 Jahre später nichts mehr machen. Was wir geschafft haben, war, eine perfekte Figur vor die Kamera zu bringen, und es fiel uns deswegen sehr schwer, ihre Schwächen zu betonen, den Menschen hinter der Olympiameisterin zum Ausdruck zu bringen. Wir wollten einen Film über dieses Trauma machen: so viel zu arbeiten, ihre Jugend zu opfern, um eine Goldmedaille zu gewinnen und sie dann schuldlos zu verlieren. Die Dokumentation erzählt zeitgleich die Geschichte einer Generation von Turnerinnen, die eine Traumriege in einem Land mit einer großen Tradition in diesem Sport war.“    

 

 

Auf dem Programm des Internationalen Festivals in Sibiu stand auch eine Auswahl der jüngsten 126 Filme, die in 45 Ländern produziert wurden. 47 Filme treten im Wettbewerb  um die Preise des Astra-Film-Festivals 2019 an.


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Publicat: 2019-10-26 17:30:00
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