Landkreis Hermannstadt: kulturelle Vielfalt

landkreis hermannstadt: kulturelle vielfalt Der Landkreis Sibiu (Hermannstadt) liegt im Zentrum Rumäniens, im Süden der geschichtsträchtigen Region Siebenbürgen, und zieht immer mehr Touristen an, die an kompletten Urlaubspaketen interessiert sind.

Heute laden wir Sie ein, eine Region zu entdecken, die für jeden Geschmack etwas zu bieten hat und für die meisten Formen des Tourismus geeignet ist. Anca Niţoi, Archäologin am Brukenthaler Nationalmuseum für Mittelalter und mittelalterliche Waffen, erzählt uns, dass Sibiu erstmals im 12. Jahrhundert, 1191, urkundlich erwähnt wurde, als Papst Coelestin II. die Präpositur der sächsischen Siedler in Siebenbürgen bestätigt und damit die kirchliche Autorität von Hermannstadt über die angrenzende Region anerkennt:

 

„Bevor wir zur Gründung der Stadt Sibiu kommen, möchte ich erwähnen, dass die von König Géza II. von Ungarn im 12. Jahrhundert initiierte sächsische Kolonisation längere Zeit andauerte und den gesamten südlichen Teil Siebenbürgens umfasste. Die Entscheidung wurde getroffen, weil die Region eine Armee zur Verteidigung ihrer Grenzen benötigte. In diesem Zusammenhang sind zwei sehr wichtige Städte entstanden: Sibiu (Hermannstadt) und Braşov (Kronstadt). Mit einer viel schnelleren wirtschaftlichen Entwicklung als Braşov hatte die Stadt Sibiu im Mittelalter eine größere administrative Bedeutung. So war es Sibiu, wo die sächsische Propstei ihren Sitz hatte, und in Hermannstadt befanden sich auch die wichtigsten Gilden, die verschiedene Rohstoffe herstellten. So viele Händler und Handwerker lebten hier. In Sibiu wurde 1468 die Sächsische Universität gegründet, wie die damalige Verwaltungsform bezeichnet wurde. So war Hermannstadt das Herzstück der Entwicklung des südlichen Siebenbürgens vom Mittelalter bis heute.“

 

 

Ein Beweis dafür ist, dass Sibiu 2007 eine europäische Kulturhauptstadt war. In gewisser Weise war dies die Bestätigung der Bedeutung der Stadt für Geschichte, Architektur, Wirtschaft und Tourismus. Anca Niţoi:

 

„Sibiu ist eine Mischung aus ethnischen Gruppen, und als solche ist es stolz auf seine katholischen und evangelischen Kirchen, orthodoxen Kathedralen und Synagogen. Sie werden in Hermannstadt fast alle Arten von christlichen und jüdischen religiösen Stätten finden. Wenn wir in Hermannstadt spazieren gehen würden, würde ich den Huet-Platz und den Kleinen Ring (rum. Piaţa Mică) als Ausgangspunkt empfehlen. Hier können Sie die evangelische Kirche in ihrer ganzen Schönheit sehen. Als nächstes sollten Sie die Festungen von Hermannstadt sehen. Dies sind die Mauern, die die Stadt im Mittelalter umgaben. Heute sind sie nur noch ein Touristenort, aber zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert hatten sie eine außergewöhnliche Rolle bei der Verteidigung der Stadt. Sibiu wurde nie erobert. Die Stadt öffnete ihre Tore nach einer Belagerung, aber sie wurde nie eingenommen. Die Gebäude waren aus Ziegelstein und hatten Ziegeldächer, weshalb Sibiu auch als »Die rote Stadt« bezeichnet wurde. Es würde nicht so leicht abbrennen wie andere Städte. Und Sie sollten die Tour am Großen Ring (rum. Piaţa Mare) beenden, wo sich die schönsten Gebäude der Stadt befinden, darunter der Brukenthal-Palast. Die meisten Gebäude wurden restauriert, so dass der Anblick hervorragend ist.“

 

 

Eines der herausragenden Gebäude in der Stadt ist das Hecht-Haus, das einst dem Bürgermeister von Hermannstadt gehörte. Später, im 18. Jahrhundert, beherbergte sie die Sächsische Universität. Die Archäologin Anca Niţoi erzählt uns mehr:

 

„Ein weiteres bemerkenswertes Gebäude ist das Haller-Haus. Es gehörte zu einem der Bürgermeister, unter dessen Leitung sich Hermannstadt im 16. Jahrhundert, zur Zeit der Reform und Renaissance, stark entwickelte. Sehenswert sind auch die im 18. Jahrhundert errichtete katholische Kirche und der Brukenthal-Palast, der dem berühmten Gouverneur von Siebenbürgen, Samuel von Brukenthal, einem Mäzen der damaligen Zeit, gehörte. Es gibt viele Orte, deren Schönheit und Geschichte Sie bei einer Tasse Kaffee entdecken können. Außerdem ist Sibiu die Hauptstadt des Theaters in Osteuropa. Das Internationale Theaterfestival SIBFest ist das zweitgrößte in Europa nach jenem in Edinburgh. Es bringt Hunderttausende von Touristen hierher, weil es innovativ ist und mit modernen Theaterformeln experimentiert. Für diejenigen, die sich für rumänische Traditionen interessieren, gibt es das Berggesang-Festival sowie ein eigenes Museum, den ethnologischen Museumskomplex mit Freilichtausstellungen Astra im Stadtteil Junger Wald (rum. Dumbrava Sibiului). Touristen, die nach Sibiu kommen, sollten wissen, dass hier jedes Wochenende eine Veranstaltung stattfindet. Der Weihnachtsmarkt in Hermannstadt ist auch einer der beliebtesten in Rumänien.“

 

 

Im Kreis Sibiu können Sie auch Strecken wählen, die Radtouren mit Rundreisen durch alte Städte und traditionelle Dörfer kombinieren, oder alternativ Routen, die Ihre Ausdauer und Fitness entlang der Transfăgărăşan-Hochstraße testen. Die Region verfügt über mehr als 250 km markierter Wanderwege, die malerische Siedlungen in den siebenbürgischen Hügeln verbinden. Und ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto, unsere heutige Reiseleiterin, die Archäologin Anca Niţoi, empfiehlt Ihnen einen Zwischenstopp in Mărginimea Sibiului (Hermannstädter Randgebiet):

 

„Mărginimea Sibiului ist ein Meilenstein in der Geschichte Südtranssylvaniens. Während wir in Sibiu in jeder Ecke der Stadt Spuren der sächsischen Geschichte finden, spiegelt Mărginimea Sibiului die Geschichte der rumänischen Ethnie in dieser Region wider. In den letzten Jahren ist das Interesse an der traditionellen Kultur stark gewachsen, und ich empfehle den Gasthäusern in der Region, sich um die Erhaltung der Tradition zu kümmern. Das Dorf Gura Râului veranstaltet jedes Jahr ein Rhododendron-Festival, das viele Besucher anzieht. In Sibiel (dt. Budenbach) finden auch Veranstaltungen statt, die dem traditionellen Leben in den ländlichen Gemeinden Rumäniens gewidmet sind. Sie werden es sicherlich nicht bereuen, hierher zu kommen.“

 

 

Die heutige Ausgabe der Rubrik Radio-Tour wurde mit Unterstützung der Regierung und des rumänischen Ministeriums für interethnische Beziehungen erstellt.


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Publicat: 2019-11-24 17:30:00
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