Der Anstieg ist darauf zurückzuführen, dass die steigenden Strom- und Lebensmittelpreise die Inflation im September auf fast 16 % und damit über das prognostizierte Niveau ansteigen ließen, so die Notenbanker. Es wird erwartet, dass die Inflation gegen Ende dieses Jahres weiter ansteigt und dann einen allmählichen Abwärtstrend einschlägt. Sie wird erst in der ersten Hälfte des Jahres 2024 unter 10 % fallen, prognostizieren die Experten.
Die Zentralbank trägt offensichtlich damit der steigenden Inflation und dem regionalen Kontext Rechnung, bestätigt auch Wirtschaftsanalyst Constantin Rudnițchi: „Ich denke, dass auch die Situation in Mittel- und Osteuropa berücksichtigt wurde. Viele Zentralbanken in den Nachbarländern haben ihre Zinssätze bereits stärker angehoben als Rumänien, und wenn man einen höheren Zinssatz hat, ist die nationale Währung natürlich attraktiver. Und dabei denke ich an Polen und Ungarn. Natürlich darf der globale Kontext nicht vernachlässigt werden, denn es ist klar, dass man sich nicht aus diesem Spiel heraushalten kann, wenn die Zinssätze überall auf der Welt steigen, von den Vereinigten Staaten bis zum Euroraum, und dann ist auch die rumänische Zentralbank an diesen Trend angeschlossen. So gesehen ist die Entscheidung völlig normal.“
Andererseits gibt es nach Ansicht von Rudnițchi auch eine gute Nachricht, nämlich dass die erneute Anhebung der Leitzinsen keine größeren Auswirkungen auf die Zinssätze am Bankenmarkt haben wird, weil diese bereits über dem von der Notenbank angekündigten Niveau liegen. Constantin Rudnițchi findet, dass der derzeitige Trend steigender Zinssätze zum Nachteil von Personen oder Unternehmen ist, die einen Kredit haben oder einen Kredit aufnehmen wollen. Die Inflationsentwicklung ist durch große Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Deckelung der Energie- und Kraftstoffpreise und den Ausgleichsregelungen, der Eskalation des Krieges in der Ukraine und den damit verbundenen verschärften Sanktionen gekennzeichnet. Der Umfang der Inanspruchnahme europäischer Mittel, insbesondere aus dem PNRR, und die Finanzpolitik vor dem Hintergrund des Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit und des allgemeinen Trends zu höheren Finanzierungskosten spielen ebenfalls eine Rolle bei der Inflationsgleichung. In ihren Schätzungen bestätigt die Zentralbank das deutlich über den Erwartungen liegende Wachstum der Wirtschaftstätigkeit in Rumänien im zweiten Quartal dieses Jahres, weist aber auf eine Quasi-Stagnation in den letzten beiden Quartalen des Jahres 2022 hin.
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