Erste Romni aus Rumänien gewinnt wichtigen Filmpreis in Venedig
Der von Alina Șerban geschriebene und inszenierte Film „Eu contez“ - zu deutsch in etwa "Ich bin etwas wert" hat am vergangenen Wochenende den Publikumspreis „Armani beauty“ bei der 83. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele von Venedig gewonnen. Der auf Rumänisch und Romani gedrehte Spielfilm mit dem englischen Wettbewerbstitel I matter ist eine rumänisch-deutsch-belgische Koproduktion und das Regiedebüt von Alina Șerban, die bisher als Schauspielerin von sich zu hören machte.
Sorin Iordan, 14.09.2026, 12:43
Zum Ensemble gehören auch 16 Kinder und Jugendliche aus Bukarester Kinderheimen. Der Film erzählt die Geschichte von Rebeca, einer jungen Roma-Frau, die das Kinderheim verlassen muss, in dem sie aufgewachsen ist. Ihre Hoffnung setzt sie auf die Entlassung ihres Vaters aus dem Gefängnis. Sie ist überzeugt, dass er ihr die Stabilität und das Gefühl von Familie geben kann, nach denen sie sich sehnt. Der Übergang in ein selbstständiges Leben erweist sich jedoch als schwieriger als erwartet.
Alina Șerban ist die erste Roma-Regisseurin aus Rumänien, die einen Spielfilm bei den Filmfestspielen von Venedig präsentiert hat. Die Produktion wurde für die Sektion Venice Spotlight ausgewählt, die innovativen und kreativen Produktionen gewidmet ist. Nach ihrer Rückkehr nach Rumänien erklärte Șerban, was sie dazu bewogen hat, den Film zu schreiben und zu inszenieren.
„Ich habe diesen Weg vor allem für junge Menschen aus benachteiligten Verhältnissen eingeschlagen. Ich wollte ihnen sagen, was vielleicht auch ich selbst einmal hätte hören müssen: Du schaffst es, es gibt einen Platz auf der Welt auch für dich. Unabhängig davon, welcher Volksgruppe du angehörst, aus welcher sozialen Schicht du kommst, ob du ein Junge oder ein Mädchen bist, ob du körperlich behindert bist oder nicht, unabhängig von deiner Religion und all den Etiketten, mit denen wir geboren werden – wir verdienen Würde, wir verdienen Respekt, wir verdienen Liebe.“
Alina Șerban war bereits 2023 bei den Filmfestspielen von Venedig vertreten. In der Sektion Orizzonti gehörte sie damals zur Besetzung des Spielfilms „Housekeeping for Beginners“ von Goran Stolevski.
Der bislang erfolgreichste rumänische Film in der Geschichte der Filmfestspiele von Venedig ist „Imaculat“ von Monica Stan und George Chiper-Lillemark. Der Film über eine 18-Jährige, die in einer Entzugsklinik behandelt wird, gewann 2021 drei Preise: den Luigi-De-Laurentiis-Preis für das beste Debüt des gesamten Festivals, den Regiepreis der Sektion Giornate degli Autori sowie den Preis „Autorin unter 40“ für das beste Drehbuch von Monica Stan.
In diesem Jahr ging der Goldene Löwe für den besten Film an „Woman Unknown“ von May el-Toukhy. Der Große Preis der Jury, der Silberne Löwe, wurde an „Possible Love“ von Lee Chang-dong vergeben. Der Regiepreis ging an Ilya Khrzhanovsky für „DAU“. Den Volpi-Pokal als beste Schauspielerin erhielt Mathilde Arcel für ihre Rolle in „Woman Unknown“. Als bester Schauspieler wurde John Malkovich für seine Leistung in „Wild Horse Nine“ ausgezeichnet.