Nachrichten 24.09.2026
Die wichtigsten Meldungen des Tages
Newsroom, 24.09.2026, 18:31
Regierungskrise: In Bukarest hat der designierte Ministerpräsident Siegfried Mureșan die Grundzüge seines Regierungsprogramms vorgestellt. Der liberale Europaabgeordnete kündigte dabei an, dass es keine Erhöhungen von Steuern und Abgaben geben soll. Seine geplante Regierung soll zudem drei stellvertretende Ministerpräsidenten haben. Am Vortag hatte der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Sorin Grindeanu, Mureșan aufgefordert, auf sein Mandat zu verzichten. Die PSD stellt die größte Fraktion im Parlament. Grindeanu geht davon aus, dass Mureșan nicht genügend Stimmen für die Bestätigung seiner Regierung bekommen wird. Unterstützt wird Mureșan bislang von der Nationalliberalen Partei PNL, der Union Rettet Rumänien USR und dem Demokratischen Verband der Ungarn in Rumänien UDMR. Rumänien hat seit Mai keine stabile Regierung mehr. Damals stimmten die PSD und die nationalistische Oppositionspartei AUR für ein Misstrauensvotum gegen die Regierung des Liberalen Ilie Bolojan. Seitdem führt die Übergangsregierung lediglich die laufenden Geschäfte. Präsident Nicușor Dan will Neuwahlen vermeiden. Sie würden die politische Unsicherheit nach seiner Einschätzung um mehrere Monate verlängern. Der Staatschef hofft deshalb auf mehr Dialogbereitschaft und Kompromissbereitschaft der Parteien.
Drohnen: Eine Drohne ist am Donnerstag in den rumänischen Luftraum eingedrungen und anschließend nahe der Ortschaft Solca im Kreis Suceava abgestürzt. Menschen wurden nicht verletzt. Auch Sachschäden gab es nicht, teilte das rumänische Verteidigungsministerium mit. Zwei Kampfflugzeuge der rumänischen Luftwaffe starteten, um die Lage zu überwachen. In den Kreisen Botoșani und Suceava, die die Drohne überflogen hatte, wurde die Bevölkerung per Warnmeldung informiert. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden am Donnerstag außerdem mehrere weitere Drohnen nahe der ukrainischen Grenze im Kreis Tulcea entdeckt. Daraufhin starteten F-18-Kampfflugzeuge der spanischen Luftwaffe vom Militärflugplatz Mihail Kogălniceanu. Sie sollen die Lage ebenfalls überwachen. Auch die Bewohner im Norden des Kreises Tulcea erhielten eine Warnmeldung.
Wirtschaft: Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, EBRD, hält an ihrer bisherigen Prognose für die rumänische Wirtschaft fest. Die im Juni veröffentlichten Erwartungen für 2026 und 2027 wurden nicht verändert. In einem heute veröffentlichten Bericht warnt die internationale Finanzinstitution allerdings vor anhaltenden Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung. Nach einem Wachstum von 0,7 Prozent im vergangenen Jahr erwartet die EBRD für 2026 einen Rückgang der rumänischen Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent. 2027 soll die Wirtschaft dann wieder um 1,8 Prozent wachsen. Das Handelsbilanzdefizit habe sich zwar zuletzt abgeschwächt. Das Leistungsbilanzdefizit Rumäniens gehört aber weiterhin zu den höchsten in der Europäischen Union. Gleichzeitig weist Rumänien nach wie vor die höchste Inflationsrate in der EU auf. Der Wertverlust des Leu gegenüber dem Euro und die gestiegenen Energiepreise könnten den Inflationsdruck weiter verstärken, warnt die EBRD.
Entwicklungsgefälle: Die Region Bukarest-Ilfov gehört beim Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt zu den wirtschaftsstärksten Regionen der Europäischen Union. Das geht aus Daten von Eurostat hervor. Von 2019 bis 2024 stieg das reale Bruttoinlandsprodukt in der Hauptstadtregion um 33 Prozent. Damit verzeichnete sie ein überdurchschnittlich starkes regionales Wachstum in der EU. Zum Vergleich: In der Europäischen Union insgesamt lag das Wachstum bei 5,6 Prozent. Die Unterschiede zwischen den rumänischen Regionen bleiben allerdings groß. 2024 erreichte Bukarest-Ilfov beim Pro-Kopf-BIP 188 Prozent des EU-Durchschnitts. Im Nordosten waren es dagegen lediglich 48 Prozent. Die Region Süd kam auf rund 55 Prozent, der Südosten auf 59 Prozent und der Südwesten auf 60 Prozent. Im Nordwesten wurden 71 Prozent des EU-Durchschnitts erreicht, im Westen 78 Prozent.Umfrage: Die Rumänen blicken weiterhin pessimistisch auf die Entwicklung der heimischen Wirtschaft. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSCOP hervor. Die Einschätzung der Wirtschaft bleibt demnach negativ. Sie verschlechtert sich allerdings nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Jahren. Die Autoren der Studie sprechen deshalb eher von einer Stabilisierung des Misstrauens als von einem beginnenden Optimismus. Die größte Sorge bereitet den Befragten die Entwicklung der Preise. Sie wurde von 86 Prozent genannt. Sechs von zehn Rumänen haben außerdem das Gefühl, ihre eigene wirtschaftliche Situation nur wenig oder überhaupt nicht beeinflussen zu können. Gleichzeitig verändert sich das Verhalten der Verbraucher teilweise. Die Bereitschaft zu sparen nimmt zu. Auch die Absicht, Geld auszugeben, steigt. Nach Einschätzung der Studienautoren könnte das darauf hindeuten, dass sich die Bevölkerung allmählich an die veränderten wirtschaftlichen Bedingungen anpasst. Von einer grundlegenden Verbesserung der Lage könne aber keine Rede sein.
UN-Vollversammlung: Die hybriden Bedrohungen durch Russland, die Unterstützung für die Ukraine und der Friedensplan für den Gazastreifen waren zentrale Themen der Rede von Präsident Nicușor Dan vor der UN-Generalversammlung. Dan sprach am Mittwoch in New York vor dem Plenum. Außerdem nahm er an einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats teil. In seiner Rede warnte der rumänische Präsident davor, die hybriden Bedrohungen Russlands nur als Problem der Ukraine zu betrachten. Sie richteten sich gegen ganz Europa. Rumänien müsse die russische Bedrohung abschrecken, sagte Dan. Das sei leider nur möglich, indem die Militärausgaben erhöht würden.
Diplomatie: Die kommissarische rumänische Außenministerin Oana Țoiu hat in New York gemeinsam mit anderen Vertreterinnen und Vertretern die Veranstaltung „Globale Ernährungssicherheit und das Schwarze Meer: die Notwendigkeit der Wiederherstellung der freien Schifffahrt“ mitgeleitet. Die Veranstaltung fand im Rahmen der hochrangigen Woche der 81. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen statt. Wie das rumänische Außenministerium mitteilte, wurde das Treffen von der Europäischen Union, Rumänien, Frankreich und der Ukraine gemeinsam ausgerichtet. Țoiu hob dabei die Rolle Rumäniens und des Schwarzmeerhafens Constanța im Südosten des Landes hervor. Der Hafen verbinde Europa mit dem Südkaukasus, Asien und Afrika. Zugleich verwies sie auf strategische Investitionen zur Steigerung der Transitkapazitäten für Getreide. In ihrer Rede bekräftigte die rumänische Außenministerin die Unterstützung Bukarests für ein Moratorium für Angriffe im Schwarzen Meer. Dieses solle den weiteren Export von Lebensmitteln auf die Weltmärkte ermöglichen. Zudem betonte Țoiu die Notwendigkeit einer engeren Abstimmung mit den Ländern Afrikas und des Globalen Südens, heißt es in der Mitteilung des Außenministeriums. Unterdessen kündigte Oana Țoiu an, dass der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan bis zum Jahresende zu einem Besuch nach Bukarest kommen werde. Dabei soll die strategische Partnerschaft zwischen Armenien und Rumänien unterzeichnet werden. Die Entscheidung, die Beziehungen zwischen beiden Ländern auf dieses Niveau anzuheben, war zuvor in New York bekannt gegeben worden.