Hörerpostsendung 12.5.2019

hörerpostsendung 12.5.2019 Heute mit der Beantwortung einer Frage von Frank Bresonik zu bedrohten Tierarten in Rumänien und weiteren Zuschriften von zwei neuen Hörern.

Herzlich willkommen zur Hörerpostsendung von RRI!

 

Zunächst möchte ich mich an die Hörer bedanken, die wegen meines Ausfalls letztes Wochenende besorgt waren. Ich war nicht im eigentlichen Sinne krank, sondern mich hat eine schlimme Migräne dahingerafft, die mit den derzeitigen Wetterkapriolen in Bukarest zusammenhängt. Ich bin nämlich sehr wetterfühlig, und wenn das Wetter von einem Tag auf den anderen extrem schwankt, bin ich zu nichts zu gebrauchen. Daher die Notlösung, eine Wiederholung auszustrahlen.

 

Doch dafür haben sich Zuschriften für mindestens zwei weitere Hörerpostsendungen angesammelt, und heute möchte ich zu Beginn eine Frage beantworten.

 

Unser Hörer Frank Bresonik (aus Gladbeck in NRW) fragte uns in einem Postbrief, ob es in Rumänien Tier- und Pflanzenarten gibt, die vom Aussterben bedroht sind und daher unter Naturschutz stehen. Vielen Dank für Ihr Interesse, lieber Herr Bresonik. Ja, es gibt bedrohte Tier- und Pflanzenarten, schließlich ist Rumänien Teil unseres planetarischen Öko-Systems und auch hierzulande haben verschiedene Faktoren, darunter auch die menschliche Einwirkung, die Tier- und Pflanzenwelt beeinflusst. Ich habe verschiedene Quellen zum Thema im Internet gefunden und werde Ihre Frage aus Zeitgründen in zwei Teilen beantworten. Heute soll es um die Tierwelt gehen, in einer der folgenden Hörerpostsendungen wird es um bedrohte Pflanzen und Blumen gehen.

 

Zu den größeren Tieren, die bedroht sind, gehört der Wisent. Der Wisent war im Mittelalter nahezu überall in Europa anzutreffen, danach wurde das größte Landsäugetier Europas fast ausgerottet. In Rumänien galt der Wisent schon lange als ausgestorben, bis man 1958 zwei Exemplare aus Polen nach Rumänien brachte. Seit mehr als 10 Jahren versucht man, das Tier in Reservaten wieder anzusiedeln, wo sie in freier oder halbfreier Wildbahn leben. Mittlerweile hat man mit Hilfe von internationalen Organisationen wie dem WWF und Tierschützern insgesamt fünf Reservate für Wisente in Rumänien eingerichtet, wo ein paar Dutzend dieser majestätischen Tiere leben.

 

Auch dem Luchs, der größten Raubkatze Europas, geht es nicht besonders gut, da Ausnahmeregelungen teilweise immer noch eine Jagd auf dieses Tier erlauben. In Rumänien wird die Population von Luchsen auf ca. 1300 Exemplaren geschätzt, und sie bildet somit den größten Bestand Europas.

 

Die Saigaantilope, die ursprünglich aus Zentralasien stammt, war auch in Ostrumänien, am unteren Lauf der Flusses Pruth anzutreffen, doch seit den 1960er Jahren wurden nur noch wenige Exemplare in der Moldau und im Donaudelta gezählt. Sie leben heute hauptsächlich noch in einem Reservat im nordöstlichen Landkreis Botoşani.

 

Der Tigeriltis (wissenschaftliche Bezeichnung: Vormela peregusna) ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder (Mustelidae). Er lebt in Osteuropa, Vorder- und Zentralasien und ist nach seinem gemusterten Fell benannt. In Rumänien gibt es als einziges EU-Land noch etwa 500 Exemplare und das Tier steht seit 1993 unter Artenschutz. Der Tigeriltis lebt in Rumänien in den Steppengebieten der Dobrudscha.

 

Der Rumänische Hamster oder Rumänische Goldhamster (Mesocricetus newtoni) ist ein Säugetier aus der Unterfamilie der Hamster. Das kleine europäische Verbreitungsgebiet der Art ist auf die rechtsseitige Niederung der Donau in Bulgarien und Rumänien beschränkt. Die Tiere bewohnen überwiegend trockene und steinige Bereiche mit wenig Vegetation, aber auch Gemüsekulturen, Gärten und Weinberge. Auf Grund der intensiven Landwirtschaft und der damit einhergehenden Zerstörung der Habitate dieses Tiers ist der Rumänische Hamster vom Aussterben bedroht. Die aktuelle Population wird auf ca. 2000 Exemplaren geschätzt.

 

Der Europäische Nerz (Mustela lutreola), vormals auch Sumpfotter, ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder. Er zählt zu den am meisten bedrohten Säugetierarten Europas. In Rumänien lebt er nur noch im Donaudelta, wo etwa 1000 Exemplare gezählt wurden.

 

Zu weiteren bedrohten Tierarten zählt der WWF auch den Wolf (in Rumänien leben noch etwa 3000 Exemplare, das sind 30% der gesamteuropäischen Population) und den Braunbären, wovon in Rumänien noch 5–6000 Exemplare leben. Im Jahr 2008 wurden noch 7500 Exemplare gezählt. Obwohl der Braunbär in Rumänien unter striktem Artenschutz steht, wird hin und wieder die Jagd aus Gründen der Populationskontrolle erlaubt. Um diese umstrittene Maßnahme zu rechtfertigen, sprechen manche Experten von einer Überpopulation, was das Überleben dieser Tiere gefährde und sie auch für den Menschen gefährlich mache. Tatsächlich haben hungernde Bären in den letzten Jahren mehrmals ihr Habitat in den Karpatenwäldern verlassen, um in besiedelten Gebieten beispielsweise in Mülltonnen nach Futter zu suchen. Dabei verlief das zufällige Treffen von Bär und Mensch für den letzten nicht immer glimpflich aus, es wurden auch einige Touristen getötet. Tierschützer kritisieren allerdings die kontrollierte Jagd – wer dabei Recht hat, kann ich nicht sagen, da ich kein Experte auf dem Gebiet bin.

 

Auch Fisch- und Vogelarten sind bedroht. Der Groppenbarsch (Romanichthys valsanicola), in romanischen Sprachen auch Asprete genannt, ist ein kleiner flussbewohnender Barsch, der in Mittelrumänien nördlich der Donau, im Flusssystem des Argeș und seiner Nebenflüsse als endemische, also nur hier verbreitete Art anzutreffen war. Inzwischen ist sein Lebensraum auf einen kleinen Abschnitt des Flusses Vâlsan beschränkt. Die Spezies wurde laut National Geographic erst 1957 entdeckt und ist durch Fischfang und den Bau von Wasserkraftwerken bedroht. Nur noch 100 Exemplare wurden im erwähnten Gebiet gezählt, das im Jahr 2004 zum Reservat erklärt wurde. Die Störe gelten europaweit als eine der am meisten bedrohten Fischgattungen, in den letzten 15 Jahren habe sich die Population um 93% reduziert, nur noch wenige Tausend Exemplare leben noch in Rumänien.

 

Der Pelikan, einst der König unter den Vögeln im Donaudelta, ist mit über 20.000 Exemplaren zwar nicht direkt bedroht, gerät aber auf Grund der Touristen, die sich immer näher an ihre Nistplätze heranwagen, in Bedrängnis. Die Rothalsgans mit europaweit rund 55.000 Exemplaren ist während der Winterzeit überwiegend in der Küstenregion am Schwarzen Meer in Rumänien und Bulgarien anzutreffen. Und der Schmutzgeier, ein Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen, zählt in Europa nur noch weniger als 5000 Exemplare, davon werden im Winter 1–2 in der rumänischen Küstenregion Dobrudscha gesichtet.

 

Und schließlich ist auch eine Schlangenart bedroht. Die Vierstreifennatter, eine große und kräftige Natter, erreicht eine Länge von bis zu 2,50 Metern. Der Körper ist zusammengedrückt, im Querschnitt höher als breit. In Rumänien wird diese Schlange auch Dobrudscha-Drachen genannt und ist in freier Wildbahn nur noch in einigen Dutzend Exemplaren anzutreffen. Obwohl sie unter Artenschutz steht und nicht giftig ist, töten die Menschen immer noch die Vierstreifennatter – aus Ignoranz oder Habgier, denn ihre Haut ist auf dem illegalen Markt gefragt.

 

Soviel zu den bedrohten Tierarten in Rumänien – die Liste dürfte sicherlich nicht vollständig sein, aber ich hoffe, dass meine Recherche zumindest eine Übersicht bieten konnte. Über bedrohte Pflanzenarten werde ich in einem der kommenden Funkbriefkästen berichten.

 

Zeit noch für zwei E-Mails von ebenso vielen neuen Hörern, beide aus Deutschland. Dejan Berndt (aus Erlangen-Tennenlohe, Bayern) schickte uns folgende Zeilen:

 

Sehr geehrte RRI-Deutsch-Redaktion,

 

am 29. April 2019 habe ich auf der Frequenz 9600 kHz von 14:00 UTC bis 15:00 UTC Ihr deutsches Programm empfangen.

 

Zunächst wurde das Funkjournal gesendet. Unter anderem mit diesen Themen: Rumänische Soldaten, Kredite für Junglandwirte und den Wahlkampf für die Europawahl. Dann in der Rubrik „Pro Memoria – zur Geschichte Rumäniens“ wurde über die Künstlerjugend um 1900 berichtet, die laut dem Interview mit Erwin Kessler „als Reaktion auf den offiziellen Kanon und als rumänischer Ausdruck der neuen europäischen Strömungen“ entstand. Danach wurde über das christlich-orthodoxe Osterfest in Rumänien berichtet. Es wurde berichtet, dass die orthodoxe Kirche den julianischen Kalender nutzt und die katholische Kirche den gregorianischen Kalender nutzt. Die Kalender haben jeweils einen Zeitunterschied von 13 Tagen. Dass die Rechnung des Osterfestes nach dem Mond erfolgt, wurde auch erwähnt. Das rumänisch-orthodoxe Osterfest erinnert sehr stark an das serbisch-orthodoxe Osterfest, welches ich sehr gut kenne, da meine Mutter aus Serbien stammt. Anschließend wurde noch über eine Recycling-Patrouille in Bukarest berichtet, die Elektroschrott sammelt. Darauf folgte die Musikrubrik.

 

Zu meiner Person möchte ich noch anmerken, dass ich erst 16 Jahre alt bin und immer mit Begeisterung die Sendungen von RRI verfolge. Ich habe erst im November 2018 angefangen, mich für den Kurzwellenrundfunk zu interessieren. Als ich dann mein erstes Kurzwellenradio zu Weihnachten bekommen habe, gab es kaum deutsche Radiosender, die ich gut empfangen konnte – außer RRI. RRI hat immer ein sehr starkes Signal hier in Deutschland, was sehr gut ist. Ich bin froh, dass Sie als eine der wenigen internationalen Radiostationen noch auf der Kurzwelle bleiben, ich hoffe, Sie werden das auch noch viele Jahre weiterhin so beibehalten. Über eine Bestätigung meines Empfangsberichtes mittels QSL-Karte an die unten stehende Adresse würde ich mich sehr freuen. Gerne dürfen Sie meinen Brief auch in der Hörerpost vorlesen.

 

Mit freundlichen Grüßen
Dejan Berndt

 

Lieber Dejan, vielen Dank für das Feedback, es freut uns, dass sich auch sehr junge Hörer noch für den Rundfunkfernempfang interessieren. Zu den QSL-Karten habe ich leider keine Neuigkeiten, wir wissen immer noch nicht, ob und wann wir Zuwendungen für das Drucken der neuen Serie erhalten. Sie ist – in virtueller Form – bereits auf der ukrainischsprachigen Variante unserer Webseite zu sehen und besteht aus Abbildungen von Volkstrachten aus dem Banat im Westen Rumäniens. Und auf der deutschsprachigen Webseite ist inzwischen auch die komplette Serie für 2018 – Wahrzeichen der Stadt Alba Iulia – mit ausführlichen Erläuterungen zu sehen.

 

Ein weiterer Hörer aus NRW entdeckte uns durch Zufall im Äther. Folgende Zeilen erhielten wir von Werner Samjeske:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

durch Zufall habe ich heute, am 5.5.2019 nachmittags, Ihre Sendung in deutscher Sprache auf 7355 KHz gehört.

 

Der Empfang war sehr stark: 5/9+10db. Mein Empfänger ist ein Icom R75 an einer 50-Ohm-40-m-Langdrahtantenne. Ich konnte rumänische Jazz-Musik hören.

 

In den letzten Jahren habe ich Rumänien mehrfach geschäftlich (Spezialstahl) besucht, z.B. Bukarest, Craiova, Sibiu, Timişoara, Schäßburg…

 

Mit freundlichen Grüßen aus Kerpen im Rheinland

Werner Samjeske

 

Vielen Dank für das Feedback, auch Ihnen willkommen im mittlerweile kleinen, aber feinen Kreise der RRI-Hörer und herzliche Grüße aus Bukarest!

 

Zeit für die Postliste. Neue Postbriefe lasse ich mir kommende Woche zukommen, falls welche da sind. E-Mails erhielten wir in den letzten zwei Wochen bis einschließlich vergangenen Freitag von Beate Hansen, Petra Kugler, Bernd und Willi Seiser, Stephan Lipsius, Werner Schubert, Norbert Hansen, Gerd Brüschke, Dejan Bernd, Torsten Rhode, Heinz Günter Hessenbruch, Werner Samjeske, Helmut Matt, Michael Willruth, Michael Lindner und Carsten Fenske (alle aus Deutschland) sowie von Paul Gager (Österreich) und Jurij Aleksandrowitsch Timofejew (Kasachstan).

 

 

Audiobeitrag hören:

 

 


www.rri.ro
Publicat: 2019-05-12 17:30:00
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