Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor Bulgarien
Besorgnis bei NATO und EU nach einem Angriff auf zwei Transportschiffe vor der bulgarischen Schwarzmeerküste
Roxana Vasile, 14.10.2026, 22:14
Zwei Handelsschiffe sind in der Nacht von Montag auf Dienstag vor der bulgarischen Schwarzmeerküste bei getrennten Vorfällen von Drohnen getroffen worden; eines davon ist gesunken. Die Angriffe haben nicht nur in Sofia, sondern auch in Bukarest sowie bei der NATO und der Europäischen Union Besorgnis ausgelöst. Verurteilungen kamen sowohl vom Generalsekretär des Nordatlantischen Bündnisses, Mark Rutte, als auch von der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die die Vorfälle als „eine neue Eskalationsfront im Krieg Russlands in der Ukraine“ bezeichnete. Wie die Lage in Bukarest gesehen wird, erläutert Kapitän zur See a. D. Sandu Valentin Mateiu:
„Wenn es eine solche Häufung von Vorfällen gibt, ist ein vorsätzlicher hybrider Angriff sehr leicht zu entlarven. Die Tatsache, dass wir derzeit einen regelrechten hybriden Krieg Russlands gegen Europa erleben, zeigt, dass diese Möglichkeit der Realität sehr nahe kommt. Sobald man im Kreml der Ansicht ist, dass sich damit eine politische Wirkung erzielen lässt – letztlich ein Test der NATO –, ist eine solche Entscheidung durchaus möglich. Besorgniserregend ist, dass die beiden in der Wirtschaftszone Bulgariens getroffenen Schiffe rumänische Häfen angelaufen und wieder verlassen haben.“
Der rumänische Interims-Ministerpräsident Ilie Bolojan hat mit seinem bulgarischen Amtskollegen Rumen Radev telefonisch über die Verschlechterung der Sicherheitslage im Schwarzen Meer gesprochen. Die beiden erörterten zudem die Stärkung der Koordinierung zwischen Rumänien und Bulgarien, auch durch die Zusammenarbeit mit der Türkei, um die regionale Sicherheit zu festigen und einen sicheren Seeverkehr zu gewährleisten. Im Verlauf des Gesprächs verurteilte der rumänische Ministerpräsident die Angriffe auf Handelsschiffe in der ausschließlichen Wirtschaftszone Bulgariens aufs Schärfste und betonte, dass solche Aktionen gegen die zivile Schifffahrt inakzeptabel seien und schwere Verstöße gegen das Seerecht und das Völkerrecht darstellten. Diese Angriffe seien Folgen des von Russland gegen die Ukraine entfesselten Angriffskrieges – heißt es weiter in einer Mitteilung der Regierung in Bukarest.
Der Pressedienst der bulgarischen Regierung erklärte laut Agerpres seinerseits, Ministerpräsident Rumen Radev habe auf die Unterstützung der Europäischen Union und der NATO bei der Aufklärung der Umstände der Angriffe sowie bei der Verbesserung der Überwachungs- und Kontrollkapazitäten im Luftraum und in den Seegewässern hingewiesen. Diese Unterstützung sei in Telefongesprächen zugesagt worden, die der bulgarische Ministerpräsident zuvor mit der Präsidentin der Europäischen Kommission und dem NATO-Generalsekretär geführt hatte. „Wir haben unsere Präsenz an der Ostflanke bereits verstärkt und werden die Sicherheitslage weiterhin beobachten und unsere Abschreckungs- und Verteidigungshaltung bei Bedarf anpassen“, schrieb Mark Rutte auf der Plattform X.
Die beiden Angriffe in der Nacht von Montag auf Dienstag reihen sich bereits in eine längere Serie ein: In den vergangenen Monaten wurden im Schwarzen Meer Handelsschiffe sowohl in den Hoheitsgewässern Bulgariens als auch Rumäniens getroffen.