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Rumänische Wirtschaft, zwischen Stagflation und Wachstum

Die Wachstumsprognosen verschlechtern sich in rasantem Tempo. Laut Lucian Croitoru, Berater des Gouverneurs der Rumänischen Nationalbank, könnte Rumänien eine Stagflation durchlaufen.

Rumänische Wirtschaft, zwischen Stagflation und Wachstum
Rumänische Wirtschaft, zwischen Stagflation und Wachstum

, 18.05.2022, 13:48

Die wirtschaftliche Lage Rumäniens wird angesichts der pessimistischen Prognosen der Nationalbank Rumäniens, aber auch des Wirtschaftsberichts der Europäischen Kommission, der davon ausgeht, dass die Inflation in Mittel- und Osteuropa in diesem Jahr höher sein wird als im Rest der Union, immer besorgniserregender. Den Brüsseler Prognosen zufolge wird sich die rumänische Wirtschaft nach einem starken Wachstum von 5,9 % im Jahr 2021 in diesem Jahr auf 2,6 % verlangsamen, da die hohe Inflation das verfügbare Einkommen aushöhlt und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine die Lieferketten für Rohstoffe und schlie‎ßlich die Investitionen beeinträchtigt.



Für das nächste Jahr rechnet die Europäische Kommission mit einer leichten Beschleunigung des Wirtschaftswachstums auf 3,6 % bei einem möglichen Rückgang der Inflation. Die Arbeitslosigkeit wird voraussichtlich bei etwa 5,5 % bleiben, während die Preise in diesem Jahr einen Höchststand erreichen werden, der im nächsten Jahr allmählich zurückgehen wird. Andererseits wird das öffentliche Defizit in diesem Jahr 7,5 % des BIP erreichen und bis 2023 auf 6,3 % sinken. Den europäischen Beamten zufolge wird die Inflation in diesem Jahr in Rumänien einen Rekordwert von 8,9 % erreichen und sich damit im Vergleich zu 2021 (4,1 %) fast verdoppeln; für 2023 wird ein Rückgang von bis zu 5,1 % prognostiziert.



Auch die Nationalbank bestätigt den Aufwärtstrend der Inflation und schätzt, dass sie erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres wieder Werte unter 10 % erreichen wird. Andererseits meldete das Nationale Institut für Statistik, dass das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal dieses Jahres über 5 % im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten und 6,5 % im Vergleich zum ersten Quartal des vergangenen Jahres betrug. Der Berater des NBR-Gouverneurs, Lucian Croitoru, hält es jedoch für möglich, dass in Rumänien in der nächsten Zeit das Phänomen der Stagflation zu verzeichnen sein wird. Es handelt sich um ein gefährlicheres wirtschaftliches Phänomen als eine anhaltende Inflation, da zu dieser eine wirtschaftliche Stagnation hinzukommt – erklärte Lucian Croitoru:



„Der erste Teil des Wortes kommt von Stagnation. Stagnation bedeutet nicht unbedingt Rezession, es kann auch ein schleichender Anstieg sein, wenn man so will, d.h. ein Anstieg auf niedrigem Niveau, 1,5 – 2,5 %, verglichen mit dem, was wir in Rumänien gewohnt sind. Meiner Meinung nach ist dies also durchaus möglich. Einerseits stimuliert die kurzfristige Inflation die Produktion, sie stimuliert sogar das Wachstum der Haushaltseinnahmen, aber Vorsicht, sie ist zyklisch, d.h. die Inflation, sie ist nicht strukturell, sie wird nicht von Dauer sein, denn ein Krieg kann viele Herausforderungen mit sich bringen, er ist unvorhersehbar, wir haben keine Prognosen darüber, wie sich ein Konflikt entwickeln kann, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Aber, wie Hemingway sagte, sind Inflation und Krieg immer ein Allheilmittel für eine skrupellose Politik.“



Wenn die rumänische Wirtschaft stagniert, werden die Preise und die Arbeitslosigkeit steigen, die Ausgaben werden sinken, das Leben wird teurer, und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten werden sich verschärfen.

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