In Singapur sind am Wochenende die WTA-Finals angelaufen.Nach dem vorzeitigen Rücktritt der Weltranglistenersten Serena Williams führt die Zweite der Rankings aus Rumänien, Simona Halep, die Favoritenliste an. Am Sonntag war Flavia Pennetta ihre Gegnerin.
Im Halbfinale der US-Open im September hatte Simona Halep der Italienerin nichts entgegen zu setzen. Die spätere Turniersiegerin Pennetta gab in jener Partie lediglich vier Spiele ab. Und überhaupt hatte die Rumänin in bislang fünf Begegnungen mit der 33-Jährigen nur einmal die Oberhand behalten. Doch am Sonntagnachmittag sollten die Fans im 12.000 Zuschauer fassenden Singapore Indoor Stadium eine Kehrtwende erleben. Nach nur 70 Minuten ging die 24-Jährige aus Constanța mit 6:0 und 6:3 als Siegerin vom Platz.
Halep klebte von Anfang an an der Grundlinie und beherrschte diese, während Pennetta im ersten Durchgang bemüht war, die Bälle im Inneren des Feldes anzunehmen – jedoch ohne Erfolg. Dass die Taktik der Rumänin aufging, war auch an der Reaktion von Pennettas Trainer zu sehen: Während einer Pause forderte er die Italienerin auf, einen Meter gutzumachen. Doch Haleps aggressive Schläge drängten die US-Open-Siegerin immer wieder zurück, auch weil die Weltranglistenzweite längere Ballwechsel vermied und sich sofort in die Returns warf. Bereits im Vorfeld der Partie hatte der Twitter-Dienst der WTA, der WTA-Insider, über ein spezifisches Training von Halep berichtet, bei dem es darum ging, die Punkte mit aggressiven Schlägen weit vor der Grundlinie zu entscheiden.
Das Tennisblog trezecizero.ro verweist auch auf einen weiteren taktischen Aspekt. Halep habe versucht, überwiegend Druck auf Pennettas Vorhand auszuüben, mit der sie zwar gefährlicher, jedoch auch weniger konstant schlägt. Bei der letzten Begegnung zwischen den beiden in New York hatte die Italienerin mit ihrer Rückhand, insbesondere mit Cross-Schlägen, erheblichen Schaden angerichtet. Am Sonntag war es anders, Halep gewann so gut wie alle Rückhand-Duelle aufgrund extremer Winkel und überraschender Beschleunigungen.
Nicht zuletzt hatte die Rumänin, die eine Achillessehnenblessur offenbar komplett auskuriert hat, eine andere Einstellung als in New York. Bereits im ersten Satz kämpfte sie um jeden Punkt, auch bei verlorenen Punkten war ihr anzumerken, dass sie ihr Bestes geben wollte. Vor allem den zweiten Durchgang, der durchaus ausgeglichen war, sollte Halep dank ihrer Attitüde erfolgreich beenden. Pennetta hatte gleich im ersten Spiel zwei Break-Bälle in Folge, die aber von Simona abgewehrt wurden. Die Italienerin hatte sich indes bei eigenem Aufschlag gesteigert und konnte bis zum 3:4 jeweils mühelos die eigenen Service-Spiele durchbringen. Doch hier holte Halep im vierten Anlauf das match-entscheidende Break.
Nach dem verwandelten Matchball einige Minuten später strahlte die Weltranglistenzweite. Sie sei sich der Bedeutung des Spiels bewusst gewesen, so eine überglückliche Halep im anschließenden Interview auf dem Platz.
Jedes Spiel hier ist wie ein Grand-Slam-Finale. Ich habe im US-Open-Halbfinale gegen Flavia gespielt, es war also ein recht hartes Match, ich wusste, dass sie sehr gutes Tennis spielen kann. Ich hatte auch meinen Spaß an der Partie, ich habe gute Erinnerungen an das Turnier vom letzten Jahr. Deshalb habe ich im ersten Satz auf höchstem Niveau gespielt, das heißt schnell und intelligent-aggressiv.
Nach dem erlösenden Sieg gegen Pennetta steht Halep schon die nächste Feuerprobe bevor: Am Dienstag trifft sie auf die wieder genesene Maria Scharapowa, die sie bislang bei fünf Versuchen noch nie hatte bezwingen können. Bei ihrem Auftakt in der Roten Gruppe hatte die Russin in einem Drei-Stunden-Krimi die Polin Agnjeska Radwanska überwinden können.
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