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Bücherpakt 2020: Staatliche Leseförderung durch Informationskampagnen

Dass Menschen in Rumänien zu wenig lesen, ist in Umfragen und von den Bilanzen der Verlage oft bestätigt worden. Jetzt will der Staat etwas dagegen tun.

Bücherpakt 2020: Staatliche Leseförderung durch Informationskampagnen
Bücherpakt 2020: Staatliche Leseförderung durch Informationskampagnen

, 04.09.2019, 17:30

Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2020 sollen doppelt so viele Bücher gelesen werden wie heute. Ein im November 2018 geschnürtes Gesetzespaket will die dafür notwendigen Anreize setzen, zum Beispiel durch die Förderung von Informationskampagnen. Dieser Bücherpakt ist eine bisher einzigartige Initiative, wei‎ß Luana Stroe, Redakteurin beim Rumänischen Literaturmuseum, zumal die Lage am rumänischen Büchermarkt besonders günstig sei:




Es ist ein guter Moment für die Initiative, gerade weil die Verlagsbranche sehr vielfältig geworden ist. In den letzten Wochen haben wir in den Medien und auf den kulturellen Internetseiten eine Aufbruchstimmung erlebt. Überall wird das Verlagsjahr 2018 gelobt“, sagt Luana Stroe. Letztes Jahr sind viele Bücher erschienen, Rumänien hat ausgezeichnete Autoren und Übersetzer, sehr viele Sammlungen zeitgenössischer rumänischer Literatur wurden herausgegeben — jetzt müssen sie nur noch an die Leser herangebracht werden, meint die Expertin vom Literaturmuseum.




Der Kritiker Alex Ştefănescu glaubt, dass alles mit der Kaufkraft der Menschen zu tun hat — aber teilweise mit der Verlagsindustrie selbst. Erfolgsaussichten bestehen zwar, aber nur, wenn es auch andere Ma‎ßnahmen gibt. Das Problem liegt in erster Linie beim Geld. Ich habe einen Privatverlag betrieben, den meine Frau Domniţa Ştefănescu geleitet hat. Wir waren immer in den roten Zahlen, weil wir bei Buchmessen Bücher aus Mitgefühl für die armen jungen Menschen ständig verschenkt haben. Und auch für die verschenkten Bücher bezahlten wir Umsatzsteuer, so als ob wir sie verkauft hätten. Der Markt ist eingebrochen, weil die Leute den Gro‎ßteil ihrer Einkommen für Lebensmittel ausgeben. Und es gibt eine diskretere Ursache — der mangelhafte Vertrieb. Die Post tut ihren Job nicht, Pakete kommen verspätet, manchmal gar nicht an“, klagt der Kritiker, Autor und Verleger.



Der Bücherpakt setzt u.a. auf die Schüler, denen er die Literatur näher bringen will, erläutert Luana Stroe vom Literaturmuseum: Das Projekt umfasst auch ein Programm zu Leseförderung in Schulen und das ist sehr geeignet. Ich unterhalte mich zwar nicht oft mit Schülern, aber wenn es passiert, kommt immer auch die zeitgenössische Literatur zur Sprache. Die jungen Leute sind ahnungslos, und das zeigt, wie unwirksam die Informationsarbeit des Kulturbetriebs ist“, meint Stroe. Ihr zufolge könnten sich die jungen Menschen für Literatur begeistern, wenn man ihnen nicht nur die gro‎ßen Klassiker bietet.



Doch am besten Ansatz für die Förderung der Literatur scheiden sich die Geister. Kritiker Alex Ştefănescu glaubt, dass man die Verlage unterstützen sollte, nicht die Buchhändler. Mich wundert diese Idee. Ich stehe voll zu meinen Freunden aus dem Verlagswesen. Mit einigen Ausnahmen sind viele Buchhändler hingegen wie gierige Haifische und rei‎ßen sich 40-50% der Einnahmen unter den Nagel und tun auch ihre Arbeit nicht. Kostet ein Buch 100 Lei, kassiert der Buchhändler 40-50 Lei, der Autor 10, der Verleger 10. Der Rest geht an die Druckerei und als Steuern an den Staat. Und für dieses viele Geld übernimmt der Buchhändler keine Verantwortung. Du kriegst das Geld, nachdem das Buch verkauft wurde — wenn es denn verkauft wird. Der Händler tut aber nichts dafür, manchmal vergisst er auch, das Buch ins Regal zu stellen. Am Ende kriegst du die Restposten verspätet und beschädigt zurück. Es ist in Ordnung, die Buchhändler zu unterstützen, aber der Staat hätte in erster Linie die Verleger fördern sollen“, glaubt Alex Ştefănescu.




Wie auch immer: Handlungsbedarf ist angesagt. Laut Eurostat las nur einer von vier jungen Menschen in Rumänien unter zwanzig Jahren mehr als fünf Bücher im Jahr — am wenigsten in der Region und weiter weniger als in den nordischen Ländern.

Alina Dumitriu
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