Die Bedeutung städtischer Naturflächen
Naturschutzgebiete sind die Zonen, in denen wir die typischsten und wertvollsten Elemente unseres nationalen Naturerbes finden. Im Fall von Rumänien ist dieses Erbe wirklich außergewöhnlich: Es ist das einzige Land in der Europäischen Union, das noch über Urwälder und intakte Waldlandschaften verfügt. Mehr noch: In Rumänien lebt fast die Hälfte des gesamten europäischen Bestands an Bären, Wölfen und Luchsen. Außerdem ist es der einzige europäische Staat mit gleich fünf biogeografischen Regionen – der kontinentalen, der alpinen, der pannonischen, der pontischen Region und der Steppenregion.
Daniel Onea und Adina Olaru, 09.03.2026, 17:28
Wenn es jedoch um städtische Naturflächen geht, leisten wir hier gerade erst gesetzgeberische Pionierarbeit. In den großen Metropolen und Hauptstädten Westeuropas – wie Wien, London oder Prag – gehören solche wilden Naturinseln oder weitläufigen Parks schon seit Jahrzehnten fest zur Identität der Stadt. In Rumänien leiden wir da unter einem akuten Mangel. Einige der größten rumänischen Städte weisen den geringsten Anteil an Grünflächen pro Kopf in der gesamten Europäischen Union auf – und liegen damit weit unter der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation von 26 Quadratmetern.
Aber was genau bedeutet eigentlich der Begriff „städtische Naturfläche“? Und wie unterscheidet sie sich von einem ganz normalen Park? Der Journalist und Umweltaktivist Mihai Goțiu hilft uns, dieses Konzept besser zu verstehen.
„Ausgehend von den Klassifizierungen für Naturschutzgebiete, bedeutet eine städtische Naturfläche für mich eine ausgedehnte Grünzone, in der natürliche Prozesse ablaufen. Ihr Ziel ist es, bestimmte Arten oder Ökosystemdienstleistungen zu schützen. Gleichzeitig bedeutet das einen geringen menschlichen Eingriff, der sich wirklich nur auf Erholungs- und Forschungsbereiche beschränkt. Ihre wichtigste Funktion ist es, die Auswirkungen des Klimawandels im städtischen Umfeld abzumildern. Wenn ich von einer städtischen Naturfläche spreche, meine ich damit implizit ein großes städtisches Gebiet, eine Metropolregion. Denn genau dort machen solche Räume Sinn. In kleineren Ortschaften sind sie nicht ganz so zwingend erforderlich, da diese meist ohnehin schon kleine Oasen sind, umgeben von Wäldern oder weitreichender Natur.“
Die Funktion dieser Zonen geht also weit über den einfachen Spaziergang hinaus. Im Allgemeinen wird ein Naturpark in erster Linie bewirtschaftet, um die Landschaft zu erhalten und die Vielfalt der Lebensräume zu schützen – wobei gleichzeitig wissenschaftliche oder auch pädagogische Aktivitäten gefördert werden. Sprechen wir über Großstädte, werden diese Funktionen geradezu lebenswichtig. Hören wir, wie Mihai Goțiu die Dimension und die konkrete Rolle dieser urbanen Oasen beschreibt.
„Praktisch gesehen stelle ich mir eine städtische Naturfläche als ein Gebiet von mindestens 10 bis 15 Hektar vor. Je nach den Gegebenheiten und Möglichkeiten vor Ort kann das sogar auf Hunderte oder Tausende von Hektar anwachsen. Diese Fläche muss für die Öffentlichkeit leicht zugänglich sein, aber eben auch klare Ziele zum Schutz der Ökosystemdienstleistungen verfolgen. Gleichzeitig muss sie dazu beitragen, den Klimawandel abzumildern. Sie soll das Phänomen der städtischen Hitzeinseln bekämpfen und direkte Vorteile im Kampf gegen die Umweltverschmutzung und die dadurch verursachten Krankheiten bieten – genauso wie gegen die steigenden Temperaturen in unseren Städten.“
Weit über die bloße Erholung hinaus, bilden städtische Naturflächen also einen echten Schutzschild. Einen Schutzschild für unsere körperliche Gesundheit, aber auch für die Gesundheit der Ökosysteme, auf denen unsere Gemeinschaften aufbauen. Bis zu unserer nächsten Begegnung mit der Natur: Haben Sie Tage mit viel frischer Luft und treffen Sie Ihre Entscheidungen im Einklang mit der Umwelt!