Wirtschaftsausblick für Rumänien: höheres Wachstum erwartet

wirtschaftsausblick für rumänien: höheres wachstum erwartet Die rumänische Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet. Die Europäische Kommission und andere wichtige Institutionen korrigierten ihre Prognose im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung Rumäniens.

Die Europäische Kommission verbesserte ihre Prognose in Bezug auf das zu erwartende Wirtschaftswachstum Rumäniens 2015 von 2,8% im Monat Mai auf 3,5% im Herbst. Demnach wird 2016 eine Erhöhung um 4,6% des Bruttoinlandsproduktes erwartet. Das BIP soll 2017 um weitere 3,6% steigen, so eine Vorausberechnung der Europäischen Kommission. Die Steigerung erfolgt infolge des verstärkten Verbrauchs, der auf die eingeführten steuerlichen Erleichterungen zurückzuführen ist. Auch die Inflation bleibt im Minusbereich – bei minus 0,4% in diesem Jahr und vermutlichen -0,3% im kommenden Jahr. 2017 soll die Inflation wieder auf 2,3% steigen. Laut den Einschätzungen soll die Staatsverschuldung in Beziehung zum BIP auf 39,4% dieses Jahr sinken. In den Jahren 2016 und 2017 wird die Staatsverschuldung jedoch 40,9% bzw. 42,8% vom BIP ausmachen. Das Budgetdefizit erreicht dieses Jahr einen Prozentsatz von 1,2% vom BIP und soll der Wirtschaftsprognose der Europäischen Kommission zufolge bis auf 2,8% im Jahr 2016 bzw. auf 3,7% 2017 zulegen.

 

Vizekommissionschef Valdis Dombrovskis, Kommissar für die europäische Währung und für den sozialen Dialog, verdeutlichte, der wirtschaftliche Ausblick ließe eine Verbesserung der Wirtschaftsergebnisse Rumäniens erkennen. Dies sei ohne die Reformierung des öffentlichen Finanzwesens nicht möglich gewesen. In dieser Hinsicht sei mit vorbildlicher Entschlossenheit gehandelt worden. Allerdings müssten weitere Strukturreformen umgesetzt werden. Gleich wichtig sei, eine verantwortungsvolle Haushaltspolitik zu führen, um die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen sicherzustellen und das Wirtschaftswachstum – kurz- und mittelfristig – weiter anzukurbeln, so Dombrovskis

 

Auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) verbesserte  die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum Rumäniens um 0,5% für dieses Jahr sowie für 2016. Laut Angaben der EBRD soll Rumäniens Wirtschaft dieses Jahr um 3,5% zulegen. 2017 folgen weitere 3,7% darauf.

 

„Die inländische Nachfrage wird vermutlich auch weiterhin das Wirtschaftswachstum anregen. Der inländische Konsum wird durch die steigenden Einkommen der Bürger angetrieben. Die großzügigeren Einkommen sind dadurch zu erklären, dass die Mehrwertsteuer für Lebensmittel vor kurzem von 24% auf 9% reduziert wurde. Darüber hinaus wurden die Gehälter im öffentlichen Sektor schon erhöht oder eine Gehaltserhöhung ist in Sicht. Das Geschäftsumfeld hat sich außerdem verbessert, das Vertrauen der Investoren wächst. Auch die Finanzierungskosten sind derzeit kleiner. Gleichzeitig sollen die staatlichen Investitionen im zweiten Halbjahr 2015 zulegen, angeregt durch eine effizientere Verwendung der EU-Fördermittel.“ Das verdeutlichten Vertreter der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

 

Derzeit bestünden keine großen systemischen Risiken, die das finanzielle Gleichgewicht gefährden könnten. Allerdings sollten zwei systemische hochriskante Gefahren erkannt werden. Die erste Gefahr stünde in Relation mit der unsicheren Wirtschaftslage im Ausland. Zweitens bestünde die Gefahr, dass wieder eine unangemessene Wirtschaftspolitik im Land betrieben wird. Dies geht aus einem Bericht der Rumänischen Notenbank zur Finanzstabilität hervor. Der Vizegouverneur der Rumänische Notenbank, Liviu Voinea, erläuterte die Hauptpunkte des diesjährigen Berichtes:

 

„Das Finanzsystem ist robust, stabil. Es wird durch keine ernsten systemischen Risiken beeinträchtigt. Dennoch ist Vorsicht in der inländischen Wirtschaftspolitik geboten. Die wichtigsten Gefahren kommen aus dem Ausland. Der Bankensektor ist stoßfest. Die Bürger haben nun einen besseren Zugang zu Krediten, die Unternehmen allerdings nicht. Das muss sich noch verbessern. Die wichtigste Schwachstelle der Unternehmen ist die Disziplinlosigkeit im Umgang mit den Finanzen. Die Staatsverschuldung ist derzeit tragbar. Ein niedriges Budgetdefizit gewährleistet die mittel- und langfristige Tragfähigkeit der Verschuldung.“

 

 

Die Wirtschaftsführer in Rumänien seien zuversichtlich, dass sowohl ihre Geschäfte wie auch die Wirtschaft allgemein dieses Jahr wachsen werden. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young hervor. Mehr als ein Drittel der Geschäftsleute erwartet eine Steigerung des Umsatzes. Mehr als die Hälfte zeigt sich zuversichtlich im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Dazu der Generalsekretär des Verbandes der Geschäftsleute in Rumänien, Cristian Pârvan:

 

„Die Geschäftsführer sind optimistisch, das ist gut, es wirkt sich positiv aus. Die verarbeitende Industrie war gut ausgelastet, es gab mehr Aufträge und die Tätigkeit nahm zu. Der Handel wird durch die Senkung der Mehrwertsteuer angeregt. Die Baubranche ist von den Wetterbedingungen abhängig, da herrscht eine gewisse Unsicherheit. Die Dienstleistungen werden durch den Preis beeinflusst und hängen von der Steigerung der Einkommen ab. Es ist schwer, einzuschätzen, wie sich alles entwickeln wird. Es bleiben noch viele Unbekannte. Der Erdölpreis wird vermutlich niedrig bleiben. Das wirkt sich positiv auf die gesamte Industrieproduktion aus, weil die Energiepreise somit stabil bleiben. Das wäre schon ein Vorteil. Allerdings lässt die internationale wirtschaftliche und geopolitische Lage ernsthafte Zweifel aufkommen. Das führt zu Unruhen in den internationalen Handelsbeziehungen.“

 

 

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum Rumäniens erheblich geändert. Ursprünglich schätzte der IWF ein Wirtschaftswachstum von 2,6% im Jahr 2015 und 2,9% im Jahr 2016 ein. Nun hat er seine Erwartungen korrigiert – er erwartet ein Wirtschaftswachstum von 3,4% dieses Jahr bzw. 3,9% im Jahr 2016.


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Publicat: 2015-11-17 18:33:00
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