Revolution von Dezember 1989: zerschossene Kunstwerke restauriert

revolution von dezember 1989: zerschossene kunstwerke restauriert In den Wirren der Revolution vom Dezember 1989 wurden viele Bilder des Nationalen Kunstmuseums im Kugelhagel beschädigt, andere gingen in Bränden unter. Eine kürzlich eröffnete Ausstellung zeigt nun einige Bilder, die restauriert werden konnten.

Der Preis an Menschenleben war in der Revolution vom Dezember 1989 in Rumänien groß. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte. Darüber hinaus ging auch ein bedeutender Teil des nationalen Kulturerbes in den Bränden im Nationalen Kunstmuseum und in der Universitätsbibliothek verloren. Beide liegen einander gegenüber an der Siegesstraße (rum. Calea Victoriei) und wurden im Chaos, das nach der Flucht des Diktators Ceauşescu entstand, durch Kugeln und Geschosse beschädigt. Bei dem Brand in der Universitätsbibliothek gingen rund 400.000 Bücher und wertvolle Manuskripte verloren, und im Nationalen Kunstmuseum fielen Dutzende bedeutender rumänischer und europäischer Gemälde den Flammen und Kugeln zum Opfer.

 

Kürzlich eröffnete das Nationale Kunstmuseum die Ausstellung „Laboratorium II 1989. Restaurierung von durchschossenen Gemälden“, die darauf abzielt, der Öffentlichkeit einige der 1989 beschädigten Gemälde zurückzugeben. Die Kuratoren Sorina Gheorghiţă und Ioan Sfrijan erzählten uns die Geschichte der Ausstellung. Sorina Gheorghiţă dazu:

 

„Im allgemeinen Chaos im Nationalen Kunstmuseum wurde das Labor für die Restaurierung von Gemälden fast vollständig zerstört. Wie Ihnen der Ausstellungskatalog erzählt, wurde jedoch fast sofort, im Januar 1990, damit begonnen, einige der betroffenen Werke zu schützen und sogar zu restaurieren, sowohl in der rumänischen als auch in der europäischen Galerie. In der rumänischen Galerie haben wir 47 Stücke restauriert, und in der europäischen 30. Wir haben auch einige davon ins Ausland geschickt, um sie restaurieren zu lassen, nämlich die aus der europäischen Galerie.“

 

 

Unter den Gemälden, die restauriert wurden und jetzt ausgestellt werden, befinden sich einige Gemälde von bedeutenden Künstlern wie Ioan Andreescu, Nicolae Grigorescu, Sava Henţia und George Demetrescu Mirea. Sorina Gheorghiţă berichtet weiter:

 

„Alle Werke, die 1989 beschädigt wurden, waren in der Dauerausstellung des Museums zu sehen. Deshalb wurden sie überhaupt erst beschädigt. Nach der Wiedereröffnung des Museums haben wir die Struktur verändert, und die beschädigten Gemälde wurden aus der Dauerausstellung herausgenommen. Wir nutzten diese Gelegenheit, um Gemälde aus dem Lagerhaus zu holen, die vor 1989 dort waren. Einige der wichtigsten Werke, die wir ausgestellt haben, waren »Safta, das Blumenmädchen«, das Selbstporträt von Ion Andreescu und ein weiteres wunderschönes Werk von ihm – »Die Hauptstraße«. Wir haben auch Werke von Nicolae Grigorescu, die beschädigt wurden: »Das erlegte Wild«, »Der Blumenstrauß« und »Die Zigeunerin aus Ghergani«. Wir haben auch »Lorica«, eines der spezielleren Gemälde von Ştefan Luchian, mehrere Werke von Sava Henţia und eine der Skizzen, die George Mirea für eines seiner großformatigen Gemälde angefertigt hat.“

 

 

Die Schäden an den Gemälden betrafen vor allem die Rahmung, andere hatten Schäden an der Farbe selbst, aber einige erlitten große Schäden, so dass sie nicht mehr restauriert werden konnten. Sorina Gheorghiţă dazu:

 

„Unter den stark beschädigten Bildern hatten wir die Skizze von Mirea und die Landschaft von Andreescu. Bei Andreescus Selbstporträt war die Farbe stark beschädigt. Einer der größten Verluste war ein großformatiges Selbstporträt von Theodor Aman, eines der sehr wenigen, das sehr groß war und eine sehr komplexe Malerei aufwies. Es gibt noch ein oder zwei weitere Stücke, die wir auf Lager haben, sehr große Stücke, die große Schäden aufweisen und die nicht ersetzt werden können, weil die Restaurierung auf so großen Flächen nicht funktioniert.“

 

 

Die Ausstellung hat auch erläuternde Tafeln, auf denen die Arbeit, die von rumänischen und europäischen Restauratoren in all diesen Jahren geleistet werden musste, detailliert beschrieben wird. Wir fragten Sorina Gheorghiţă, ob die Schäden neben den Bränden und Schießereien auch auf grundlosen Vandalismus im Jahr 1989 zurückzuführen sind:

 

„Letztendlich ist auch Schießen ein Akt des Vandalismus, denn viele der Gemälde wurden absichtlich zerschossen, wobei die dargestellten Figuren im Kopf oder in der Brust getroffen wurden. Bei einigen Gemälden kann ich nicht glauben, dass die Schüsse zufällig entstanden sind. Es muss wohl mit Vorsatz geschehen sein, wie es bei »Safta, das Blumenmädchen«, der Fall war, weshalb wir es zum Plakat der Ausstellung gemacht haben. Einige wurden jedoch höchstwahrscheinlich zufällig beschädigt.“

 

 

Ioan Sfrijan sprach über das Feuer im Restaurierungslabor, dem am schlimmsten betroffenen Ort im Museum:

 

„Dort schossen sie Granaten ab, und es gab Brandgase. Es gibt einen Raum, in dem wir das Lager hatten. Dort wurden viele von Amans Gemälden zerstört, weil das Museum damals gerade eine Aman gewidmete Ausstellung vorbereitete, unter den ausgebrannten Bildern befand sich auch das Selbstporträt. Dort lagerte auch das Bild »Mann mit türkischen Medaillen«, das ebenfalls zerschossen wurde, aber das ist nicht in der Ausstellung zu sehen. Damals bereitete man für die Europäische Kunstgalerie auch eine große Ausstellung von Porträts vor, weshalb viele Porträts im Brand in diesem kleinen Lagerraum verloren gingen, nicht weniger als 39 Stück.“

 

 

47 rumänische und 30 europäische Gemälde, die in der Revolution von 1989 beschädigt wurden, sind wieder zum Leben erweckt worden. Sie erinnern an den Preis, den die Rumänen für ihre Freiheit bezahlt haben.


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Publicat: 2020-11-02 17:30:00
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