Aufruf des rumänischen Präsidenten an die Diaspora
Der rumänische Präsident Nicușor Dan ruft die im Ausland lebenden Rumänen dazu auf, Rumänien „auf die Probe zu stellen“.
Florin Lungu und Roxana Vasile, 02.10.2026, 12:30
Bis 2080 könnte Rumänien 3,4 Millionen Einwohner weniger haben als heute, und ein Viertel der Bevölkerung wäre über 65 Jahre alt. Niedrige Geburtenraten, ein sinkendes Verhältnis von Kindern zu Senioren und hohe Migration zählen zu den wichtigsten Ursachen des demografischen Rückgangs. Tatsächlich ist die demografische Entwicklung der letzten Jahrzehnte eng mit der Auswanderung von Rumänen verbunden. Laut Migrationsexperten leben derzeit etwa 4,5 bis 5 Millionen rumänische Staatsbürger im Ausland und stellen damit praktisch einen wichtigen Teil des nationalen Potenzials dar. In den letzten Jahren haben die Behörden jedoch Maßnahmen ergriffen, um möglichst viele zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen.
Bei der RePatriot-Gala „Top 100 Romanians Everywhere“, die am Donnerstag in Bukarest stattfand und nun zum neunten Mal stattfand, forderte der rumänische Präsident Nicuşor Dan selbst seine Landsleute in der Diaspora auf, Rumänien „auf die Probe zu stellen“, denn trotz aller Mängel und Funktionsstörungen, die es noch immer gibt, habe das Land in den letzten zwei Jahrzehnten Fortschritte gemacht. „Ich war schon einmal in der Diaspora und habe Meinungen gehört wie: ‚Ich würde gerne zurückkommen, um meinen Ruhestand zu verbringen, aber ich habe Angst vor dem Gesundheitssystem.‘ ‚Ich würde zurückgehen, aber ich weiß nicht, auf welche Schule meine Kinder gehen werden.‘ Die Entscheidung liegt bei jedem, wir leben in einer freien Welt (…), aber mein Appell an die Menschen in der Diaspora ist, Rumänien zu testen“, betonte Nicuşor Dan.
„Mein Appell an die Menschen in der Diaspora ist, Rumänien zu testen, das rumänische Gesundheitssystem zu testen, denn trotz aller Mängel und Funktionsstörungen hat Rumänien in den letzten 20 Jahren Fortschritte gemacht. Die medizinische Ausstattung in Rumänien ist nicht mehr dieselbe wie vor 20 Jahren. Wir haben Ärzte, die in großen Kliniken im Ausland ausgebildet wurden; einige sind geblieben, andere zurückgekehrt. Wir haben gute und sehr schlechte Schulen, sowohl im voruniversitären als auch im universitären Bereich.“
Der Präsident ist außerdem der Ansicht, dass zu den „Mängeln“ auch das Verhältnis zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor gehört, ein Verhältnis, das verbessert werden sollte. Denn – so der Staatschef – der Privatsektor sei der Motor der Wirtschaft, und Unternehmertum der Motor dieses Motors. Es wäre ideal, wenn erfolgreiche Unternehmer aus der Diaspora Teil des rumänischen Wirtschaftssystems würden, da ihre Leistungen und Erfahrungen im Wettbewerbsumfeld für ein Entwicklungsland wie Rumänien von großem Nutzen sein können.
„Ich hoffe, dass wir gemeinsam, indem wir voneinander lernen und zusammenarbeiten, mehr für dieses Land und für uns alle erreichen können“, schloss Nicușor Dan auf der RePatriot-Gala „Top 100 Romanians Everywhere“. Diese Veranstaltung bringt seit neun Jahren Hunderte rumänischer Unternehmer, Manager und Fachkräfte aus der Diaspora zusammen, die aufgrund ihrer Erfolge, Beiträge und ihres Einflusses in ihren jeweiligen Heimatländern ausgewählt wurden.