Filmfestspiele in Cannes: Cristian Mungiu gewinnt mit „Fjord“ erneut Goldene Palme
Der rumänische Regisseur und Drehbuchautor Cristian Mungiu ist der zehnte Filmemacher in der Geschichte des „Festival de Cannes“, der zweimal mit der begehrten Goldenen Palme ausgezeichnet wurde – 19 Jahre nach seinem ersten Sieg mit dem Film „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ im Jahr 2007. Mit seinem neuen Spielfilm „Fjord“ gewann Mungiu nun erneut die Palme d'Or bei der 79. Ausgabe der Filmfestspiele von Cannes.
Eugen Cojocariu, 24.05.2026, 12:55
In „Fjord“ verlegt Mungiu seine Geschichte nach Norwegen, wo sich ein streng gläubiges evangelikales rumänisch-norwegisches Ehepaar (Sebastian Stan und Renate Reinsve) gemeinsam mit seinen fünf Kindern niederlässt und sich zunächst scheinbar problemlos in eine Gesellschaft integriert, die Toleranz und Respekt gegenüber Minderheiten propagiert. Doch alles verändert sich abrupt, als Verdachtsmomente häuslicher Gewalt gegenüber den Kindern aufkommen. Die norwegischen Behörden beginnen, die beiden Eheleute kritisch zu betrachten, stellen ihre strenge Erziehung infrage – die die Nutzung der Videoplattform YouTube und von Smartphones ausschließt – und kritisieren ihren religiösen Glauben.
Die Spannungen nehmen zu, bis ein Verfahren zur Unterbringung der Kinder in Pflegefamilien eingeleitet wird, das auch das jüngste Kind betrifft – ein Neugeborenes, das noch von seiner Mutter gestillt wird. „Fjord“ ist ein Film über die Schwierigkeit, jemanden zu verstehen, der anders denkt; eine Geschichte über Polarisierung, über die Unfähigkeit zum Dialog, über die Dinge, die Menschen voneinander trennen, und jene, die sie dennoch zusammenhalten.
„Dieser Film ist eine Botschaft für Toleranz, Inklusion und Empathie. Es sind großartige Begriffe, die wir alle lieben, die wir jedoch häufiger in die Praxis umsetzen sollten“, sagte Cristian Mungiu in seiner Dankesrede bei der Entgegennahme der Goldenen Palme. Begleitet wurde er auf der Bühne von den beiden Hauptdarstellern des Films, Renate Reinsve und Sebastian Stan. „Wir werden wohl 20 Jahre warten müssen, um diese Filme erneut anzusehen und zu sehen, welche von ihnen die Zeit überdauert haben“, fügte der rumänische Regisseur hinzu.
Mit diesem Film kehrte Cristian Mungiu mit demselben künstlerischen Mut in den offiziellen Wettbewerb von Cannes zurück, der ihm bereits 2007 die Goldene Palme für „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“, 2012 den Preis für das beste Drehbuch für „Jenseits der Hügel“ und 2016 den Preis für die beste Regie für „Baccalaureat“ eingebracht hatte.
Der Film „Fjord“ gewann bei dieser Ausgabe der Filmfestspiele von Cannes außerdem vier weitere Preise: den FIPRESCI-Preis (Fédération Internationale de la Presse Cinématographique), den Preis der ökumenischen Jury (für Filme, die die spirituelle Dimension der menschlichen Existenz thematisieren), den François-Chalais-Preis (für Filme, die die Werte des Journalismus widerspiegeln) sowie den Prix de la Citoyenneté (vergeben von zivilgesellschaftlichen Vereinigungen und Organisationen an Filme, die Bürgersinn und soziales Bewusstsein fördern).
Die 79. Preisverleihung an der Croisette fand im Palais des Festivals in Cannes statt. Die Jury des offiziellen Wettbewerbs wurde vom südkoreanischen Regisseur Park Chan-wook geleitet.