Künstliche Intelligenz in Rumänien: Nutzung, Chancen und digitale Transformation
Die Implementierung und Nutzung Künstlicher Intelligenz ist auch in Rumänien – wie überall auf der Welt – auf dem Vormarsch. Sie liegt jedoch weiterhin unter dem globalen Durchschnitt.
Roxana Vasile, 04.02.2026, 20:18
Wir haben die Künstliche Intelligenz (KI) gebeten, zu beschreiben, wie sie funktioniert. Und hier, zusammengefasst, die Antwort, die sie gegeben hat: Mithilfe komplexer mathematischer und statistischer Methoden (Algorithmen) sowie neuronaler Netze lernt KI aus riesigen Datenmengen, erkennt Muster und imitiert menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Problemlösung und die Generierung von Inhalten. Zugleich lernt Künstliche Intelligenz – ähnlich wie der Mensch – auch aus ihrer eigenen Erfahrung, indem sie ihre Parameter automatisch anpasst, um Fehler zu minimieren und mit der Zeit immer leistungsfähiger zu werden.
Derzeit ist Künstliche Intelligenz weltweit allgegenwärtig. In Technologie und IT gibt es virtuelle Assistenten wie Siri und Alexa. Mithilfe von KI können Texte, Bilder sowie Audio- oder Videoproduktionen erstellt werden, Gesichtserkennung ist möglich und Cybersicherheit wird gewährleistet … Im Gesundheitswesen – medizinische Diagnostik, pharmazeutische Forschung oder Patientenüberwachung … Im Verkehr – autonome Fahrzeuge, Verkehrsoptimierung oder Drohnen … Im Marketing und Vertrieb – Personalisierung von Inhalten, Chatbots, Vorhersage des Käuferverhaltens … Im Finanzwesen – Betrugserkennung … In der Bildung – E-Learning-Plattformen oder automatische Bewertung … Und die Liste der KI-Anwendungen ist offen.
Über die Komplexität der Künstlichen Intelligenz, aber auch über die Auswirkungen ihrer Nutzung in verschiedenen Bereichen spricht Mircea Șcheau, Präsident des Vereins für Cloud-Cybersicherheit in Rumänien:
„Künstliche Intelligenz hat keine Farbe. Die Farbe gibt ihr die Natur dessen, der sie nutzt, ausbeutet und mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz handelt. Letztlich kehren wir zu jenem Paradigma zurück – wollen wir, dass Künstliche Intelligenz den Menschen unterstützt? Ganz sicher, ja. Es hängt von den ‚Eltern‘ ab, wie sie jene ‚Kinder‘ erziehen, die Module der Künstlichen Intelligenz heißen, ob sie sie unbeaufsichtigt im öffentlichen Raum lassen oder nicht! Ich bin der Ansicht, dass Künstliche Intelligenz einen der wichtigen Schritte darstellt, die die Menschheit zurückgelegt hat, und ich vertraue sowohl auf das kollektive Denken als auch auf das kritische Denken eines jeden von uns. Es ist in unserer DNA verankert, uns weiterzuentwickeln, und wir werden uns ohne jeden Zweifel in die richtige Richtung entwickeln.“
Und dennoch! Wie sähe das negative Szenario einer böswilligen Nutzung Künstlicher Intelligenz aus?
„Das negative ist jenes, das zur Auslöschung der menschlichen Rasse führen kann – ich wiederhole: unsachgemäß, in destruktiver Weise eingesetzt von Gruppen, die daran interessiert sind oder in diese Richtung wirken und die Künstliche Intelligenz der Kontrolle entgleiten lassen. Im positiven Sinne stellen Sie sich vor, jede Person könnte innerhalb weniger Minuten auf jede Art von Krankheit diagnostiziert werden – durch einen einfachen Scan mittels eines Moduls Künstlicher Intelligenz – und ihr würde, falls erforderlich, die passende Behandlung zur Ausrottung der jeweiligen Krankheit verabreicht. Auch das ist eine Frage der Vorstellungskraft!“
In Bukarest studieren, testen und entwickeln Studierende der Polytechnischen Universität KI-Anwendungen. Ergänzende Erläuterungen von Mihnea Alexandru Moisescu, Dekan der Fakultät für Automatik und Rechnertechnik:
„Das Interesse ist enorm, denn Anwendungen auf der Basis von Algorithmen der Künstlichen Intelligenz haben bewiesen, dass sie Lösungen für bestehende Probleme bieten können und sich in sehr vielen Bereichen integrieren lassen. In letzter Zeit glaube ich nicht, dass es noch einen Bereich gibt, in dem nicht der Bedarf und zugleich eine Lösung durch eine KI-Anwendung entstanden ist. Unsere Studierenden sind interessiert, sie sind von diesen Möglichkeiten fasziniert. Einige gehen dahin, solche Anwendungen in andere Anwendungen zu integrieren, andere – dahin, Anwendungen im KI-Bereich zu entwickeln und jene Basis, jenen Kern rund um Anwendungen der Künstlichen Intelligenz zu schaffen.“
Mit der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz erklimmt die Menschheit eine weitere Stufe auf der Skala der industriellen Revolution; denn ja, wir erleben eine industrielle Revolution – sagt der Dekan der Fakultät für Automatik und Rechnertechnik, der daran erinnert, dass die Polytechnische Universität und das Nationale Institut für Forschung und Entwicklung in Informatik (ICI) Bukarest im Rahmen eines Programms der Europäischen Union eine „KI-Fabrik“ errichten – die erste nationale Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Mihnea Alexandru Moisescu:
„Es gibt bereits einige Initiativen im KI-Bereich, die in Rumänien entstanden sind oder in Rumänien trainiert werden. Es wird intensiv gearbeitet. An der Polytechnischen Universität gibt es einen rumänischen Hub für Künstliche Intelligenz, eine Zusammenarbeit mit sehr vielen Universitäten in Rumänien mit hohem KI-Potenzial. Wir haben nun ein neues Projekt namens ‚AI Factory‘, bei dem genau das angestrebt wird: Rund um einen Supercomputer mit KI-Kapazitäten soll ein Ökosystem von Unternehmen, von Start-ups entstehen, ein Ökosystem unter Einbindung der Akteure aus der Forschung, das genau dies hervorbringt – KI-basierte Anwendungen oder, warum nicht, wettbewerbsfähige KI-Systeme, die in Rumänien entwickelt werden.“
Ziel der „KI-Fabrik“ ist die Entwicklung fortschrittlicher Dienstleistungen und Infrastrukturen für Forschung, Wirtschaft und den öffentlichen Sektor. Zu den prioritären Anwendungsfeldern zählen Produktion und Industrie, Cybersicherheit, Lebenswissenschaften, digitale öffentliche Dienste und autonome Systeme.
Kurz gesagt: Die Implementierung und Nutzung Künstlicher Intelligenz nimmt auch in Rumänien – wie überall auf der Welt – zu. Doch – das muss man anerkennen – sie liegt weiterhin unter dem globalen Durchschnitt. Laut einer Umfrage von PwC Workforce Hopes and Fears 2025 haben lediglich 44 % der rumänischen Beschäftigten innerhalb eines Jahres Künstliche Intelligenz genutzt, verglichen mit einem globalen Durchschnitt von 57 %. Am fleißigsten in der Nutzung sind junge Menschen der Generation Z, also jene, die zwischen 1996 und 2012 geboren wurden – die erste Generation echter digitaler Natives, gekennzeichnet durch permanente Internetverbindung und intensive Nutzung sozialer Netzwerke. Ihnen folgen die Millennials – geboren zwischen 1981 und 1995 und aufgewachsen mit dem Aufkommen des Internets. Schließlich nutzen Vertreter der Generation X Künstliche Intelligenz am seltensten – die Eltern der Millennials, geboren etwa zwischen 1961 und 1980.
Für die Beschäftigten, die KI genutzt haben, ist die Wirkung eindeutig positiv: Die Qualität ihrer Arbeit ist gestiegen, ebenso Kreativität und Produktivität.