Rumänisches Kulturerbe im digitalen Zeitalter
Zwei neue Projekte – ePatrimoniu und eMonumente – digitalisieren Rumäniens Kulturerbe. Bürgerinnen und Bürger können es so auf einfache, interaktive und nützliche Weise erkunden. Gleichzeitig profitieren Fachleute, Beamte, Forschende, Organisationen und die breite Öffentlichkeit von elektronischen öffentlichen Diensten.
Roxana Vasile und Florin Lungu, 07.01.2026, 13:55
Bogdan Trîmbaciu ist Direktor im Ministerium und leitet das Team, das sich mit dieser Baustelle befasst. Laut seinen Angaben handelt es sich um das komplexeste Projekt zur Digitalisierung des rumänischen Kulturerbes, das jemals durchgeführt wurde: „Es entstand als logische Folge des Projekts ‚eCultura‘, das wir abgeschlossen haben und das sich mit mobilem Kulturerbe befasste. Im Rahmen dieses Projekts digitalisierten wir fast eine Million Objekte aller Art. Ich glaube, Radio Rumänien war ebenfalls Partner im Projekt ‚eCultura‘ – wir digitalisierten mehrere Tonträger. Später begannen wir mit einem großen Projekt, das in zwei Teile aufgeteilt wurde: ‚ePatrimoniu‘ und ‚eMonumente‘, das gerade unterzeichnet wurde. Die Finanzierung beläuft sich auf 45 Millionen Euro – 24 Millionen Euro für ‚ePatrimoniu‘ und 20 Millionen Euro für das andere Projekt. Gemeinsam werden diese beiden Projekte zur Lösung aller Fragen im Zusammenhang mit dem kulturellen Erbe im digitalen Raum beitragen.“
ePatrimoniu verbindet Kultur und öffentliche Verwaltung in einem gemeinsamen Online-Raum, der von Fachleuten, Beamten, Forschern, Organisationen und Bürgern genutzt wird. Sämtliche Informationen über bewegliches, unbewegliches und immaterielles Kulturerbe in Rumänien – Beschreibung, Standort, Rechtsstatus, Erhaltungszustand, Risiken und fotografische Dokumentation – werden zentralisiert. Die Zusammenführung dieser Daten ermöglicht die Bereitstellung elektronischer öffentlicher Dienstleistungen für Bürger, Institutionen und Fachleute und ersetzt veraltete, bürokratische und zeitaufwändige Verwaltungsverfahren auf Papier durch moderne digitale Lösungen. So werden beispielsweise die Ausstellung von Eingriffsmitteilungen an historischen Denkmälern, die Genehmigung archäologischer Forschungen oder die Ausstellung von Akkreditierungszertifikaten für Experten vereinfacht.
Kulturminister András István Demeter: „Seit Jahrzehnten sind wir nicht in der Lage, die Eisenbahndokumente zu bearbeiten, nicht in der Lage, Papierkram und Stift zu überwinden, und alles geht von Schalter zu Schalter. Bis dahin werden diese Probleme leider weder dem Kulturerbe noch den Bürgern zugutekommen. Wir, die wir – ob wir wollen oder nicht – eine Beziehung zu einem Element des Kulturerbes haben, sei es ein Denkmal, in dessen Nähe wir leben, ob wir in einem geschützten Bereich eines Denkmals oder einer Stätte leben, benötigen entweder Bauarbeiten oder würden von Großprojekten profitieren, beispielsweise vom Bau einer Autobahn, nur dass sich in der Nähe eine archäologische Stätte befindet… Für all dies benötigen wir allerlei Genehmigungen und Zulassungen, die uns leider immer noch das Leben sehr schwer machen.“ Stellen wir uns vor, dass nach der Inbetriebnahme von <ePatrimoniu> das gesamte Verfahren, das derzeit mitunter Jahre dauert, innerhalb weniger Wochen vollständig elektronisch abgewickelt werden kann.
eMonumente wiederum schafft eine moderne digitale Datenbank, die – wie der Name schon sagt – Informationen zu allen historischen Denkmälern zusammenführt. Mindestens 20.000 Denkmäler aus ganz Rumänien werden digital erfasst. 2.000 davon werden aus der Luft und vom Boden aus in Panoramaform gefilmt und können dreidimensional betrachtet werden. Für jedes Denkmal wird es detaillierte digitale Dateien und aktuelle Fotos, interaktive Touristenkarten für Besucher sowie QR-Codes an den Denkmälern geben, die einen schnellen Zugriff auf Informationen und digitale Ressourcen ermöglichen. So eröffnet eMonumente neue Möglichkeiten für Bildung, Tourismus und die lokale Entwicklung.
Nach Abschluss der Implementierungsphase der beiden Projekte – eHeritage und eMonuments – wird Rumänien internationale Standards bei der Digitalisierung von Kulturgütern erfüllen. Bogdan Trîmbaciu, Direktor im Kulturministerium, erklärt: „Wir begannen mit einem Traum: von einem einzigen Ort aus, mit dem Computer, Zugriff auf das gesamte Kulturerbe und alle damit verbundenen Dienstleistungen zu haben. So verfügen wir nicht nur über die vollständige, aktualisierte Liste der historischen Denkmäler mit allen notwendigen Metadaten, also allen Identifikationsmerkmalen der jeweiligen Denkmäler, sondern haben auch – ebenfalls von einem Ort aus, über eine einzige Benutzeroberfläche – Zugriff auf alle Dienstleistungen, alle Maßnahmen, alle Genehmigungen, alle Klassifizierungen und alle weiteren Prozesse im Zusammenhang mit historischen Denkmälern.“
Die Plattform richtet sich einerseits an die Öffentlichkeit, die so unser kulturelles Erbe anhand von Geschichten entdecken kann. Wir möchten es der Öffentlichkeit auf eine Weise präsentieren, die nicht nüchtern mit Daten, sondern mit einer Geschichte verbunden ist. Andererseits ist sie auch für Fachleute, Gutachter, Forscher und alle gedacht, die in historische Denkmäler investieren oder diese restaurieren möchten. Experten begrüßen die Initiative zur Digitalisierung des kulturellen Erbes einhellig und sind sich einig, dass eine Datenbank schnell und einfach von überall auf der Welt zugänglich ist. Sie betonen jedoch, dass die Digitalisierung niemals die Erfahrung der direkten Interaktion mit Kultur ersetzen kann. Die Emotion, beispielsweise eine Brâncuși-Skulptur live zu sehen, bleibt unvergleichlich!