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Migranten integrieren nutzt auch dem Gastland

Gewalttaten auf offener Straße gegen ausländische Arbeitskräfte sind in Rumänien immer häufiger Thema aktueller Meldungen. Gleichzeitig bleibt das Problem des illegalen Aufenthalts von Ausländern ebenso akut – bislang ohne jede Strategie der Behörden, um dem entgegenzuwirken.

Foto: Mathias Reding / Unsplash
Foto: Mathias Reding / Unsplash

, 12.11.2025, 22:29

Im Juli 2025 legte die Stadtverwaltung Bukarest einen Entwurf für eine Integrationsstrategie von Migranten in der Hauptstadt zur öffentlichen Debatte vor. Ziel war eine schrittweise Eingliederung durch konkrete Maßnahmen – von Zugang zu öffentlichen Diensten über Arbeit und Bildung bis hin zu kostenlosen Rumänischkursen, Antidiskriminierung und Bürgerbeteiligung. Nach einer Welle von Hasskommentaren in sozialen Netzwerken, vor allem in neolegionären Telegram-Gruppen, wurde die Strategie jedoch vorerst zurückgezogen.

Radu Stochiță, Forscher und Gewerkschaftsaktivist in Rumänien, spricht über die langfristigen Nachteile einer fehlenden Integration von Zuwanderern:
„Wenn diese Menschen in Rumänien bleiben wollen und es uns nicht gelingt, sie zu integrieren, ist das riskant – und mit Integration meine ich keine erzwungene „Romanisierung“. Niemand würde sich das wünschen. Es geht darum, dass sie die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen, die Behörden, die Schulen, die Krankenhäuser, also wie das Leben hier funktioniert. Damit ließe sich vermeiden, dass sich Ghettos bilden, in denen sie sich in eigene Parallelgemeinschaften zurückziehen. Das sieht man meist nicht bei der ersten Generation, die noch stark auf Kontakte zur rumänischen Gesellschaft angewiesen ist. Man könnte sagen, sie sind die erste Generation. Wenn sie sich aber hier niederlassen wollen, werden die zweite und dritte Generation, die schon hier geboren werden oder später dazukommen, weit weniger Bedarf haben, mit der rumänischen Gesellschaft in Kontakt zu treten als die erste. Diese ist noch darauf angewiesen – wenn sie einkaufen wollen, gehen sie in große Supermärkte, weil sie dort wissen, was sie bekommen. Sie haben zwar auch eigene Läden, doch meistens kaufen sie bei rumänischen Händlern. Die folgenden Generationen werden diese Bedürfnisse nicht mehr in gleichem Maße haben – das sehen wir auch in England. Wenn wir es nicht schaffen, sie zu integrieren, entstehen recht geschlossene Gemeinschaften, in die man später nur schwer Zugang findet, etwa um Unterstützung oder öffentliche Dienste anzubieten. Ich glaube nicht, dass solche geschlossenen Gruppen zwangsläufig zu Radikalisierung führen oder plötzlich fundamentalistisch werden. Aber niemand will in einer offenen Gesellschaft solche abgeschotteten Inseln von Menschen, die mit niemandem mehr in Kontakt stehen“.

Hingegen gibt es genug Argumente für eine gute Integration – allen voran die Wirtschaftslage: Ohne Zuwanderung wird Rumänien bald ernsthafte Probleme mit dem staatlichen Rentensystem bekommen. Nach 1989 wurden nicht mehr genügend Kinder geboren, um die künftigen Renten der nach dem Abtreibungsverbot von 1966 geburtenstarken Jahrgänge zu finanzieren. Das Regime wollte damals unbedingt eine Zunahme der Bevölkerung erzwingen, doch nach der Wende ist der Bevölkerungsschwund. Ein weiteres Argument – der kulturelle Aspekt.

„Kultur ist nicht in Stein gemeißelt. Die rumänische Kultur ist kein Felsblock, den wir alle auf der Stelle festhalten. Sie ist etwas Lebendiges, das wir jeden Tag beeinflussen. Kulturen begegnen einander, sie tauschen sich aus und verändern sich. Das sehen wir auch im Kontakt mit Migranten – sie werden die rumänische Kultur beeinflussen, und das ist gut so. Vielleicht übernehmen wir von ihnen ein paar Wörter, Ausdrücke oder Gerichte, und passen das dann an, vielleicht bleibt es bei gegenseitigem Respekt. In jedem Fall ist das ein Gewinn – für beide Seiten.“

Ein Punkt, der eng mit der fehlenden Integrationsstrategie verbunden ist, hat mit dem eingeschränkten Zugang von Migranten zum öffentlichen Gesundheitssystem zu tun. Obwohl sie Sozialabgaben, Renten- und Krankenversicherungsbeiträge zahlen, nehmen nur wenige von ihnen Kontakt mit dem medizinischen System auf.
„Wenn sie das tun, dann meist nur im Notfall. Sie umgehen sozusagen den normalen Ablauf im rumänischen System: vom Hausarzt über Fachambulanzen bis hin zur Aufnahme in schwierigen Fällen. Sie haben praktisch keinen Zugang zur Hausarztmedizin.“

Selbst wenn man menschliche Gesichtspunkte außen vor lässt und das Problem aus rein wirtschaftlicher Sicht betrachtet, ist das laut Stochiță problematisch: Wenn jemand wegen fehlender Prävention schwer erkrankt, kostet das den Staat wesentlich mehr. Die Ursache liege darin, dass Migranten kaum informiert und unterstützt werden, um das rumänische Gesundheitssystem überhaupt nutzen zu können.

Sursa foto: Federația Băncilor pentru Alimente din România - FBAR / Facebook
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