Der Krauskopfpelikan – Ein verletzlicher Riese im Donaudelta
Das Donaudelta ist eine der letzten großen Schatzkammern der europäischen Natur – ein unverzichtbarer Lebensraum für viele bedrohte Tierarten. Eine davon sticht besonders hervor: der Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus). Er ist nicht nur die größte Pelikanart der Welt, sondern leider auch ein Sorgenkind des Naturschutzes.
Daniel Onea und Adina Olaru, 18.02.2026, 13:51
Obwohl der riesige Vogel fest zum Landschaftsbild des Deltas gehört, hat er eine turbulente Geschichte hinter sich, gezeichnet von den brutalen Eingriffen des Menschen in die Natur.
Wie wichtig die Schwarzmeer-Region für das Überleben dieser Art ist und welch drastischen Rückgang sie im letzten Jahrhundert erleiden musste, erklärt uns Sebastian Bugariu. Er ist Biologe bei der Rumänischen Ornithologischen Gesellschaft.
„Obwohl der Krauskopfpelikan ein riesiges Verbreitungsgebiet hat – es reicht von Osteuropa quer durch Asien bis nach China – sind die Bestände zersplittert und zahlenmäßig klein. Man schätzt, dass sich etwa ein Drittel der Weltpopulation – also zwischen 20.000 und 30.000 Tiere – in der Region westlich des Schwarzen Meeres konzentriert.
Damit ist der Balkan – also Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Griechenland (wo die größte Kolonie der Region lebt) – ein überlebenswichtiger Raum für diese Art.
Der Krauskopfpelikan hat im letzten Jahrhundert einen schweren Einbruch erlitten. Die Hauptursachen waren die Zerstörung seiner Lebensräume: Feuchtgebiete in den Auen der großen Flüsse, vor allem der Donau, wurden trockengelegt. Aber auch die direkte Verfolgung durch den Menschen spielte eine Rolle.
In der kommunistischen Zeit schrumpfte das Brutgebiet mangels Schutzbestimmungen dramatisch zusammen. Vor drei Jahrzehnten war das Donaudelta praktisch der einzige verbliebene Zufluchtsort der Art.“
Dank der Schutzbemühungen der letzten Jahrzehnte hat sich die Lage zwar etwas stabilisiert, doch der Vogel bleibt abhängig: von den Umweltbedingungen und vom Menschen.
Biologe Sebastian Bugariu erläutert die aktuellen Trends bei der Erholung der Bestände. Er spricht aber auch über neue Herausforderungen: veränderte Zugmuster und die Notwendigkeit, mit den Fischern vor Ort auszukommen.
„Aktuell sehen wir eine leichte Erholung der Bestände in Südosteuropa, auch wenn die Sterblichkeit bei den Jungvögeln hoch bleibt.
Auch das Zugverhalten unterscheidet sich: Im Gegensatz zum Rosapelikan, der weite Strecken bis nach Äquatorialafrika fliegt, ist der Krauskopfpelikan eher ein Kurzstreckenzieher, der sich zerstreut.
Dazu kommt: Der Klimawandel und die immer milderen Winter haben die Zugmuster verändert. Die Vögel verlassen das Gebiet heute nur noch, wenn die Gewässer komplett zufrieren und sie gezwungen sind, nach Süden auszuweichen.
Der Schutz dieser Art erfordert ein Umdenken und einen konstruktiven Umgang mit dem Konflikt in der Fischereiwirtschaft – inklusive Entschädigungen für wirtschaftliche Verluste.
Wir müssen uns bewusst machen: Die heutige Population erholt sich zwar, ist aber nur ein Bruchteil dessen, was vor einem Jahrhundert existierte, bevor der Mensch das natürliche Gleichgewicht störte.“
Das Überleben des Krauskopfpelikans hängt heute also von einem feinen Balanceakt ab: Einerseits müssen die natürlichen Lebensräume bewahrt werden, andererseits brauchen die lokalen Gemeinschaften Unterstützung.
Entschädigungen für Fischzüchter und eine ständige Überwachung der Bestände sind entscheidend, damit der „Riese des Deltas“ nicht zu einer bloßen Erinnerung wird.