72 Stunden in der Maramuresch
Die historische Region Maramuresch ganz im Norden Rumäniens war auch in diesem Jahr rund um die Osterfeiertage wieder ein absoluter Besuchermagnet. Doch die malerische Region will mehr sein als nur ein kurzer Zwischenstopp.
Daniel Onea und Adina Olaru, 19.04.2026, 17:28
Die historische Region Maramuresch ganz im Norden Rumäniens war auch in diesem Jahr rund um die Osterfeiertage wieder ein absoluter Besuchermagnet. Doch die malerische Region will mehr sein als nur ein kurzer Zwischenstopp.
Obwohl in den letzten Jahren immer mehr Unterkünfte in der Gegend entstanden sind, bleiben Touristen im Schnitt weniger als zwei Nächte. Weil viele Pensionen klein und weit verstreut sind, wird der Landkreis oft nur als Durchreiseort genutzt.
Um genau das zu ändern, gibt es jetzt ein neues Konzept: „72 Stunden in der Maramuresch“. Diana Iluț, die Managerin der lokalen Tourismusorganisation, erklärt, worum es dabei geht.
„Wir haben für das Jahr 2026 das Konzept ‚72 Stunden in der Maramuresch‘ gestartet. Das Ganze ist als sogenannter ‚County Break‘ gedacht – also wie ein City Break, nur eben für einen gesamten Landkreis. Unser Ziel ist es, die Aufenthaltsdauer auf mindestens drei Nächte und vier volle Tage zu verlängern. Das passt auch perfekt zum modernen Trend, lieber öfter mal kurz zu verreisen, statt nur einmal lang. Geholfen hat uns dabei die Fluganbindung: Tägliche Inlandsflüge von Bukarest nach Baia Mare machen die Anreise einfach, und zwei wöchentliche Flüge aus Paris öffnen uns für den internationalen Markt. Die fairen Ticketpreise sind dabei ein echter Bonus.“
Neben längeren Aufenthalten setzt die Initiative aber vor allem auf etwas anderes: „Slow Tourism“ und Erholung in der Natur.
„Wir empfehlen allen, unbedingt auch unsere Kreishauptstadt Baia Mare zu entdecken. Sie wurde touristisch lange etwas vernachlässigt, hat aber unheimlich viel zu bieten. Die Idee für die ‚72 Stunden‘ basiert übrigens auf einer Studie aus Schweden: Diese hat gezeigt, dass genau drei Tage in der Natur ausreichen, um sich vom städtischen Stress zu erholen. Deshalb setzen wir auf Waldtherapie. In den jahrhundertealten UNESCO-Wäldern von Strâmbu-Băiuț wird aktuell der erste offizielle Waldtherapie-Pfad Osteuropas zertifiziert.“
Auch wenn die bergige Landschaft die Wege manchmal etwas länger macht – genau darin liegt eigentlich der Reiz der Region.
„Natürlich braucht man für die Strecke zwischen Baia Mare und Borșa ein paar Stunden, aber die Straßen sind mittlerweile in einem vernünftigen Zustand. Man kann in 72 Stunden ohnehin nicht den gesamten Kreis abklappern, man muss Schwerpunkte setzen. Aber unsere Geografie ist ein großer Vorteil: Wenn man das Gutâi-Gebirge überquert, bietet fast jedes Dorf eine historische Holzkirche oder eine andere kleine Sehenswürdigkeit, die man ganz in Ruhe erkunden kann.“
Ein besonderes Highlight der Region bleibt natürlich die Spiritualität. Gerade das diesjährige Osterfest bot wieder die perfekte Gelegenheit, die Traditionen hautnah mitzuerleben, betonte Diana Iluț:
„Zu den Feiertagen tragen die Menschen hier voller Stolz ihre Trachten. In der Osternacht gibt es Prozessionen mit Kerzen rund um die Kirchen, danach werden die vollgepackten Weidenkörbe mit den Speisen gesegnet. Ganz typisch für die Maramuresch sind unsere Ostereier: Sie werden ausschließlich mit natürlichen Farben gekocht – Zwiebelschalen für Gold bis Tiefrot, Rote Bete oder auch Brennnesseln für Grün. Die Muster entstehen durch kleine Blätter und Blüten, die man vor dem Kochen um die Eier bindet. Am Ostersonntag wird dann gefeiert, man spaziert zusammen oder trifft sich im Kirchhof, wo alle Generationen bis spät in den Abend beisammen sind.“
Doch eine Reise in die Maramuresch bedeutet nicht nur Folklore. Es bedeutet auch, sich der jüngeren Geschichte zu stellen. Diana Iluț hat hierzu noch eine Empfehlung, die emotional sehr berührt.
„Die Maramuresch bietet auch eine ganz wesentliche Lektion in Zeitgeschichte. Ich lege jedem Besucher das sogenannte ‚Memorial der Schmerzen‘ in Sighetu Marmației ans Herz. Dieses ehemalige Gefängnis und heutige Museum für die Opfer des Kommunismus zeigt unzensiert ein sehr dunkles Kapitel unserer nationalen Geschichte. Ein Besuch dort ist man den vergangenen und kommenden Generationen einfach schuldig. Es bewahrt uns davor, die Schrecken von damals zu vergessen.“
Eine Tour durch die Maramuresch ist also weit mehr als nur ein normaler Urlaub. Es ist eine Einladung, zurück zur Natur zu finden, echte Traditionen zu erleben und dabei auch etwas über Identität und Geschichte zu lernen. Und das braucht eben seine Zeit – mindestens 72 Stunden.