Der Arbeitsmarkt im Wandel zwischen Gehalt und persönlicher Balance
Der rumänische Arbeitsmarkt durchläuft eine Phase beschleunigter Veränderungen, vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Unsicherheiten, steigender Lebenshaltungskosten und technologischen Wandels.
Ion Puican, 20.05.2026, 21:04
Laut einer neuen Studie von Randstad Rumänien, „Workmonitor 2026″, geben 82 % der Beschäftigten an, dass das Gehalt das wichtigste Kriterium bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle ist. Gleichzeitig legen jedoch immer mehr Rumänen Wert auf die Balance zwischen Berufs- und Privatleben, flexible Arbeitszeiten und Autonomie am Arbeitsplatz. Über die Ergebnisse dieser Studie und darüber, wie sich die Erwartungen rumänischer Arbeitnehmer verändern, sprachen wir mit dem kaufmännischen Direktor von Randstad Rumänien, Ionuț Huzu:
„Diese 82 % sagen uns, dass die Rumänen im Jahr 2026 nicht mehr Versprechen nachjagen, sondern Stabilität. In einer Zeit, in der die Preise steigen und alles um uns herum unsicher erscheint, scheint das Gehalt zur einzig soliden Grundlage geworden zu sein. Kurzum: Die Menschen suchen weiterhin einen Arbeitsplatz, an dem sie sich wertgeschätzt fühlen. Aber wenn das Geld, das sie am Monatsende verdienen, die Rechnungen oder die Inflation nicht deckt, kommt das Gespräch gar nicht erst zustande. Für Arbeitgeber ist die Botschaft klar: Vor Zusatzleistungen und modernen Büros ist es die finanzielle Sicherheit, die die Menschen zum Vorstellungsgespräch bringt.“
Wenn es jedoch darum geht, den aktuellen Arbeitsplatz zu behalten, differenzieren sich die Prioritäten. Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Balance zwischen Berufs- und Privatleben der Hauptgrund ist, warum sie in ihrem derzeitigen Unternehmen bleiben – noch vor dem Gehalt und sogar vor der Arbeitsplatzsicherheit. Dies ist ein klares Signal, dass Flexibilität und Lebensqualität in beruflichen Entscheidungen immer mehr Gewicht haben. Zur Work-Life-Balance erklärte uns Ionuț Huzu:
„Diese Work-Life-Balance ist ein interessantes Phänomen. Das Gehalt ist das, was einem hilft, den Arbeitsvertrag zu unterschreiben, aber die Balance ist das, was einen dazu bringt, an diesem Arbeitsplatz zu bleiben. Das Geld ist gewissermaßen der ,Köder‘, aber die Freizeit und die innere Ruhe sind die Gründe, warum man einen Job nicht verlässt. Ich habe im Laufe der Zeit beobachtet, dass die Menschen erkannt haben, dass eine Karriere kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Um langfristig durchzuhalten, braucht man einen Job, der einem nicht das Privatleben raubt. Zusammenfassend: Das Gehalt bringt uns zur Arbeit, aber die Lebensqualität hält uns davon ab, zu kündigen.“
Die Studie „Workmonitor 2026″ zeigt, dass die Rumänen beim Jobwechsel zurückhaltender werden. Rumänische Arbeitnehmer scheinen vorsichtiger zu sein. Flexibilität bleibt jedoch wesentlich: 40 % würden einen neuen Job nicht ohne die Freiheit annehmen, den Arbeitsort selbst zu wählen, und über 40 % geben an, dass flexible Arbeitszeiten ebenso wichtig sind. Die Studie zeigt außerdem, dass fast die Hälfte der Rumänen bereits einen Zweitjob hat oder nach einem sucht. Über diese Ergebnisse spricht der kaufmännische Direktor von Randstad Rumänien, Ionuț Huzu:
„Tatsächlich suchen laut der Studie 47 % der Rumänen entweder nach einem Zweitjob oder haben bereits einen. Ein Prozentsatz, der über dem globalen Durchschnitt von 40 % liegt, was klar auf einen durch den gestiegenen Lebenshaltungskosten verursachten Druck hindeutet. Andererseits beobachten wir jedoch auch einen Mentalitätswandel. 37 % der Rumänen möchten mehrere Branchen gleichzeitig erkunden – es ist letztlich eine Mischung aus finanzieller Notwendigkeit und dem Wunsch, auf dem Arbeitsmarkt agil zu sein. Im Jahr 2026 bedeutet Flexibilität nicht mehr nur, von wo man arbeitet, sondern auch wie man arbeitet. Laut der Studie lehnen 40 % der Rumänen von vornherein einen Job ab, der ihnen keine Freiheit bietet. Aber über die Arbeitszeiten hinaus suchen die Menschen auch Vertrauen. Für Arbeitgeber, die Talente halten wollen, bedeutet das, von Kontrolle auf Zusammenarbeit umzusteigen. Unser Rat ist einfach: Geben Sie den Menschen die Autonomie, ihre Arbeit auf ihre eigene Art zu erledigen, und investieren Sie kontinuierlich in ihre Weiterbildung. Es ist offensichtlich, dass wer Unabhängigkeit bietet, im Gegenzug Loyalität erhält.“
Was bereitet den Rumänen laut der Randstad-Analyse Sorgen?
„Es gibt zwei große Sorgen. Einerseits sehen wir Nachrichten über Konflikte und wirtschaftliche Probleme, andererseits hören wir immer häufiger, wie künstliche Intelligenz unsere Berufe verändern könnte. Es ist offensichtlich, dass in dieser unsicheren Lage immer mehr Rumänen es vorziehen, eher vorsichtig als offen für neue berufliche Erfahrungen zu sein.“
Die Technologie verändert sichtbar das Verhältnis zum Arbeitsplatz: Die Hälfte der Beschäftigten nutzt bereits künstliche Intelligenz für berufsbezogene Ratschläge, und digitale Kompetenzen werden auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger. Obwohl viele Rumänen der Meinung sind, dass Technologie ihre Arbeit erleichtern und die Produktivität steigern kann, gibt es auch Befürchtungen hinsichtlich des Wegfalls von Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren. Zu diesem Thema ergänzte Ionuț Huzu:
„Künstliche Intelligenz ist ein sehr umstrittenes Thema. Manche schreckt sie ab, andere machen sich ihre Präsenz zunutze. Obwohl die Berichtsdaten zeigen, dass 60 % der Beschäftigten KI als Unterstützung für die Produktivität betrachten, bleibt das Vertrauen in die Führung mit 71 % solide. Wenn Mitarbeiter jedoch die KI für Ratschläge aufsuchen, ist das ein Signal, dass Führungskräfte sich weiterentwickeln müssen. Die Rolle der Führungskraft verlagert sich vom technischen Experten hin zum Moderator der Zusammenarbeit – und das ist etwas sehr Wichtiges, das alle Manager in Unternehmen verinnerlichen müssen.“
Die Ergebnisse der Studie „Workmonitor 2026″ sind eindeutig: Das Gehalt bleibt für rumänische Arbeitnehmer wesentlich, reicht jedoch allein nicht mehr aus. Ionuț Huzu zog folgendes Fazit:
„Wenn aus dieser jüngsten Studie ,Randstad Workmonitor‘ ein Schluss zu ziehen ist, dann dieser: Wir sind offiziell in die Ära der großen Anpassung eingetreten. Und ich möchte das etwas ausführen. Für Arbeitgeber kommt der Erfolg nicht mehr aus Kontrolle, sondern aus der Fähigkeit, eine neue Arbeitsordnung aufzubauen, die auf Zusammenarbeit und Menschlichkeit basiert. Wir sprechen von der Zusammenarbeit zwischen Generationen – das ist nicht mehr nur ein Diversitätsziel, sondern ein Element mit starker Wirkung, auch auf die Produktivität. Letztlich werden die Arbeitgeber, die den Mut haben, in authentische menschliche Beziehungen zu investieren und den Menschen die Freiheit zu geben, ihren eigenen Erfolg zu definieren, die großen Gewinner dieses Jahres sein.“
Flexibilität, persönliche Balance und berufliche Sicherheit gewinnen in karrierebezogenen Entscheidungen zunehmend an Gewicht.