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Kritische Rohstoffe – Fluch oder Segen?

Die Europäische Kommission hat 2025 eine Liste von 47 strategischen Projekten im Rahmen des Gesetzes über kritische Rohstoffe veröffentlicht. Ziel der Initiative ist es, die Abhängigkeit Europas von strategischen Materialien zu verringern – vor allem von Importen aus China. Bis 2030 will die Europäische Union die Einfuhren solcher kritischer Mineralien aus Nicht-EU-Staaten um 30 Prozent senken. Drei dieser Projekte sollen im Westen Rumäniens umgesetzt werden - doch sie sind nicht unumstritten.

Foto: Artyom Korshunov / unsplash.com
Foto: Artyom Korshunov / unsplash.com

, 08.04.2026, 12:14

Vorgesehen sind Investitionen von 615 Millionen Euro in die Förderung von drei Rohstoffen: Graphit in Baia de Fier im Kreis Gorj durch ein rumänisches Unternehmen, Magnesium in Budureasa im Kreis Hunedoara durch eine US-Firma sowie Kupfer in Rovina im Kreis Hunedoara durch einen kanadischen Konzern.

Energieminister Bogdan Ivan sagt, diese Rohstoffe kämen in vielen Bereichen zum Einsatz: in der Luft- und Raumfahrt, in der Stromerzeugung, bei der Herstellung von medizinischen Geräten, in Batterien für Solaranlagen und Laptops. Außerdem würden sie in der mobilen Kommunikation, bei GPS, Internet und Glasfaser sowie in Automatisierungssystemen und elektronischen Bauteilen genutzt – und vor allem in der Rüstungsindustrie.

Das Kupfervorkommen in Rovina gilt als das zweitgrößte in Europa, mit einem geschätzten Wert von rund 300 Millionen Euro. Zugleich ist es eines der umstrittensten Bergbauprojekte des Landes und wird von Umweltorganisationen heftig kritisiert. 2024 haben Aktivisten vor Gericht mehrere Entscheidungen erstritten, die einzelne Investitionen gestoppt haben. Kritisiert werden unter anderem die sozialen und ökologischen Folgen für die Gemeinden in Rovina. Organisationen wie Ecou Rovina Bucureșci und Declic stellen zudem die wirtschaftliche Tragfähigkeit infrage: Der Kupfergehalt des Erzes gilt als niedrig oder sehr niedrig, was Zweifel an der Rentabilität aufwirft.

Wie Roxana Pecea, Kampagnenchefin bei Declic und assoziierte Forscherin bei Mining Watch Romania, sagt, hat Kupferabbau zudem ein Imageproblem hierzulande – durch die Anlage in Roșia Poieni und ihr Absetzbecken.

„Was den Kupferabbau in Rumänien betrifft, haben wir bereits jetzt eine funktionierende Förderung. Sie ist hier im Land bekannt, weil – ich glaube – sehr viele Menschen die Fotos von diesem schrecklichen Tagebau gesehen haben, der sich hunderte Meter tief in die Erde frisst, und vor allem von dem Absetzbecken, das im Laufe der Jahre ein ganzes Dorf verschluckt hat und erst vor Kurzem sogar eine Kirche. Das sind Bilder mit sehr starker Wirkung, weil sie das ganze Ausmaß eines ausgewachsenen Kupfertagebaus zeigen und die langfristigen Folgen – denn dieses Absetzbecken enthält giftige Stoffe und wird dort noch hunderte Jahre bleiben.“

Die Expertin spricht auch ein weiteres Problem an. Jeder Abbau – in Rumänien wie in Europa – müsse den freien Markt berücksichtigen. Denn die derzeit in Rumänien geförderten Rohstoffe würden als Endprodukte oft von China gekauft, nicht von Rumänien oder einem anderen EU-Staat.

„Das ist aus meiner Sicht ein ganz zentraler Punkt, über den weder in Rumänien – auf Behördenebene – noch in der Europäischen Union offen gesprochen wird. Jedes Projekt für Mineralien in Rumänien oder Europa muss den freien Markt berücksichtigen. Und wir haben keinerlei Gewissheit, absolut keine – im Gegenteil, wir haben ein konkretes Beispiel, das etwas ganz anderes zeigt: Diese Rohstoffe gehen an den Käufer, der am meisten bietet. Und ich glaube, das ist der größere Rahmen, in dem die Diskussion geführt werden muss.“

Vertreter des Bergbauunternehmens sagen, das Projekt werde stabile Arbeitsplätze schaffen und die Umweltbelastung gering halten. Sie versprechen, dass in Rovina keine Cyanide eingesetzt werden und die Flächen parallel zum Fortschritt der Arbeiten wiederhergestellt werden. Roxana Pecea sieht das anders:

„Rovina selbst hat eine lange Bergbautradition, die seit mindestens 30 bis 40 Jahren unterbrochen ist. Damals wurde unter Tage abgebaut, das heißt: Es gibt dort heute keine historische Verschmutzung oder andere typische Probleme einer Bergbauregion. Es ist ein Gebiet mit Weiden und Wäldern – geradezu ein Rückzugsraum für Wildtiere, ein Naturrefugium im Apuseni-Gebirge. Die Umwandlung in einen Tagebau wird langfristige Folgen für die lokale Wirtschaft haben – ganz zu schweigen von den Umweltproblemen, die dadurch entstehen würden.“

Fachartikel zeigen, dass in ganz Europa mehrere Bergbauprojekte, die als strategisch für die grüne Wende gelten, auf Widerstand stoßen – durch lokale Proteste, Klagen und Kampagnen von Umweltorganisationen. Diese kritisieren die Folgen für Wasser, Biodiversität und landwirtschaftliche Flächen sowie die aus ihrer Sicht bevorzugte Behandlung solcher Projekte bei Genehmigungen. Beispiele sind zwei Lithiumminen in Portugal, eine in Tschechien, eine Mine in Serbien und das Projekt Sakatti in Finnland, bei dem Nickel, Kupfer und Platingruppenmetalle gefördert werden sollen.

Auch in Rovina, im siebenbürgischen Apuseni-Gebirge ist die Gemeinde gespalten. Ein Teil der Bewohner ist bereit, Land zu verkaufen, um den Abbau von rund 650.000 Tonnen Kupfer und über 300 Tonnen Gold zu ermöglichen, wie das Unternehmen schätzt. Andere weigern sich aber zu gehen und lehnen das Projekt ab.

Symbolbild (Fotoquelle: pixabay.com)

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