Wachsende Sorge wegen Gewalt an Schulen
Allein in dieser Woche kam es an rumänischen Schulen zu zwei Angriffen mit Stichwaffen. Die Vorfälle werfen erneut die Frage auf, wie sich die zunehmende Gewalt in der Gesellschaft eindämmen lässt und wie Kinder und Jugendliche besser geschützt werden können.
Bogdan Matei und Sorin Georgescu, 23.10.2026, 16:04
Frust und Wut entladen sich immer häufiger in Gewalttaten. In einer Gesellschaft, in der politische und soziale Spannungen zunehmen, ist Rumänien keine Ausnahme. Öffentliche Debatten zwischen Politikern werden von Geschrei und Beleidigungen begleitet. Seit fast zwei Jahren kommt es bei praktisch jedem politischen Protest zu Zwischenfällen, Festnahmen und Geldstrafen.
Im Herbst gerieten Schaf- und Ziegenhalter nur wenige Schritte vom Regierungssitz entfernt mit Gendarmen aneinander. Im Fußball, der immer weniger sportliche Erfolge und Qualität zu bieten hat, scheinen Schlägereien zwischen rivalisierenden Fangruppen und Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften inzwischen das größere Spektakel zu sein. Auch häusliche Gewalt, die häufig mit dem Tod des Opfers endet, ist beinahe alltäglich geworden. In den sozialen Netzwerken grassieren Hass, Beschimpfungen und Drohungen.
Nervosität prägt die Stimmung in der rumänischen Gesellschaft. Dass die von Erwachsenen vorgelebte extreme Gewalt auch in den Schulen ankommt, war deshalb kaum zu vermeiden. Betroffen sind Kinder, die ihre Unbeschwertheit längst verloren haben.
Fachstudien zufolge ist inzwischen jeder zweite Schüler in Rumänien von Drohungen, Demütigungen oder körperlicher Gewalt betroffen. Im Kreis Giurgiu verzeichnen laut einem Bericht der Schulaufsichtsbehörde fast 80 Prozent der Bildungseinrichtungen Fälle verbaler Gewalt. In mehr als der Hälfte kommt es auch zu körperlichen Übergriffen. Die meisten Konflikte ereignen sich in den Klassenzimmern oder auf dem Schulhof.
In Bistrița griff ein 13-jähriger Schüler eine Mathematiklehrerin und einen Mitschüler mit einem Messer an. Die Lehrerin wurde chirurgisch behandelt und befindet sich in einem stabilen Zustand. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass die Tat geplant war. Die verletzte Lehrerin und sechs weitere Schüler haben Schutzanordnungen erhalten. Der Angreifer muss künftig eine elektronische Überwachungsfessel tragen. Derzeit wird er psychiatrisch untersucht.
In Pitești verletzte ein 15-jähriger Schüler zwei Mitschüler mit einer Machete. Gegen den Jugendlichen wird wegen Körperverletzung, des unerlaubten Führens gefährlicher Gegenstände, Sachbeschädigung und Störung der öffentlichen Ordnung ermittelt. Er wurde vorläufig festgenommen.
Kaum im Amt, erklärte der neue Ministerpräsident Luca Niculescu, die Sicherheit an Schulen sei das wichtigste Thema bei einem Gespräch mit mehreren Ministern seines Kabinetts gewesen.
Justizminister Radu Marinescu forderte die Strafverfolgungsbehörden auf, Straftaten im schulischen Umfeld zügig zu untersuchen. Sein Ministerium werde zudem eine Reform der Strafgesetzgebung vorantreiben. Dabei gehe es um die rechtlichen Voraussetzungen für die Einstufung und Bestrafung solcher Taten sowie um die Strafmündigkeit Minderjähriger.
Auch Staatspräsident Nicușor Dan zeigte sich besorgt über die beiden schweren Gewalttaten an Schulen in dieser Woche. In einer Mitteilung der Präsidialverwaltung betonte er, wie wichtig es sei, frühzeitig einzugreifen, um solche Vorfälle zu verhindern.
In einem Beitrag auf Facebook hob der Präsident außerdem die Bedeutung psychologischer Beratung und der Unterstützung von Lehrkräften hervor. Kinder müssten vor Mobbing und aggressivem Verhalten im Internet geschützt werden. Dan plädierte für eine engere Zusammenarbeit zwischen Behörden, Lehrern, Eltern und Schülern. Ziel müsse es sein, jedem Kind ein sicheres Lernumfeld zu ermöglichen.
Die Bildungsgewerkschaften warnen unterdessen vor Protesten, sollte die Politik die Gewalt an Schulen weiterhin gleichgültig behandeln.