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Rauchen schadet der Gesundheit – und dem Haushalt

Rauchen tötet jährlich 700 Tausend Menschen in der EU und ist nach wie vor ein ernstes Problem für die Mitgliedsländer – auch für Rumänien. RRI spürt im Sozialreport den wirtschaftlichen Kosten des Rauchens für die rumänische Gesellschaft nach.

Rauchen schadet der Gesundheit – und dem Haushalt
Rauchen schadet der Gesundheit – und dem Haushalt

, 19.11.2014, 14:45

Rauchen ist in Rumänien die Krankheits- und Todesursache Nummer Eins. Mehr als 42 Tausend Menschen sterben im Jahr an den Folgen des Rauchens, zwei Drittel von ihnen sind im aktiven Alter zwischen 35 und 69 Jahren. Fast 27% der rumänischen Bevölkerung rauchte zum Zeitpunkt der letzten Erhebung von 2011. Die typischen Raucherkrankheiten sind ebenfalls sehr schwer und werden in fünf Arten unterteilt: Herz- und Gefä‎ßkrankheiten, Hirngefä‎ßerkrankungen, Tuberkulose, Krebs und Atemerkrankungen. Diese gesundheitlichen Schäden sind an sich gravierend, aber sie wirken sich auch finanziell negativ aus. Das zeigt ein unlängst veröffentlichtes Papier mit dem einschlägigen Titel Studie zu den ökonomischen Auswirkungen des Tabakverbrauchs auf das öffentliche Gesundheitswesen in Rumänien”.



Um genauer zu eruieren, wie viel der Staat im Stichjahr 2012 für die Behandlung der vom Rauchen verursachten Krankheiten ausgegeben hat, sind die Kosten der Krankenhausaufenthalte von Patienten berechnet worden, die an einer Erkrankung in einer der fünf Gruppen leideten. Dazu addiert wurden die Ausgaben im Rahmen der so genannten Nationalen Gesundheitsprogramme, aus denen neue Behandlungsmethoden für einige dieser Krankheiten finanziert werden. Dr. Magdalena Ciobanu arbeitet im Gesundheitsministerium als Expertin zur Kontrolle des Rauchens und führt die Ergebnisse der Studie weiter aus.



Die subventionierten Arzneistoffe, die Untersuchungen bei den Fachärzten oder Familienärzten, sowie alle paraklinischen Tests für die Diagnose der Krankheiten konnten kostenmä‎ßig nicht erfasst werden. Deshalb ist die in der Studie enthaltene Summe eigentlich niedriger als die tatsächlichen Ausgaben. Aber auch so übersteigen diese Beträge die Einnahmen aus der so genannten Lastersteuer auf Tabakprodukte. Ganz konkret: Für die Behandlung der berücksichtigten Krankheiten sind in 2012 über vier Milliarden Lei, also fast eine Milliarde Euro ausgegeben worden. Davon entfielen 1,2 Milliarden Lei auf die Behandlung der vom Rauchen unmittelbar versursachten Erkrankungen — die Lastersteuer brachte dafür nur 1,1 Milliarden ein. Allein aus dieser Rechnung resultiert ein Defizit von 100 Millionen Lei in 2012. Dieses Loch ist wie gesagt viel grö‎ßer — wie gro‎ß, das konnten wir aufgrund mangelnder Daten nicht sagen”, sagt Dr., Ciobanu.



Rund 28% der Gesamtsumme von mehr als vier Milliarden Lei, die für die Behandlung der fünf Krankheitsarten ausgegeben wurden, gehen also aufs Konto des Rauchens. Die Gesundheitsexpertin erläutert weiter, wie gerechnet wurde.



Wenn wir sagen: Rauchen verursacht Lungenkrebs oder Herzinfarkt, dann ist der Anteils des Rauchens an jeder Krankheit unterschiedlich. Rauchen kann jede dieser Krankheiten verursachen, aber nicht jeder Infarkt oder Lungenkrebs kann auf das Rauchen zurückverfolgt werden. Bei Herzinfarkt wird davon ausgegangen, dass nur ein Viertel der Fälle unmittelbar auf Rauchen zurückgehen. Bei Lungenkrebs sind es dafür schon 86% der Fälle. Deshalb also auch die Staffelung der Summen in der Studie. Zum einen geht es um die Gesamtsumme, die für alle in Frage kommenden Krankheiten ausgegeben wird, zum anderen um den Betrag, der streng dem Rauchen zuzuordnen ist”, stellt die Expertin klar.



Zwar wird seit 2006 besagte Lastersteuer mit dem Zweck erhoben, den Verbrauch von Tabak und Alkohol — au‎ßer Bier und Wein — zu entmutigen. Aber sie hat sich als unwirksam oder unzureichend erweisen — die Studie belegt es. Neben der Lastersteuer müssten auch die sechs Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation umgesetzt werden: Überwachung des Tabakverbrauchs, Schutz vor Folgen des Rauchens, Hilfestellung für Aussteiger, Warnungen über die Gefahr des Konsums, Werbeverbot für Tabakprodukte, Mehrbesteuerung der Tabakerzeugnisse. Magdalena Ciobanu:



Alle sechs Ma‎ßnahmen werden umgesetzt, aber nicht zum maximalen Umfang. Es sind in 2007-2008, nach dem Beitritt Rumänien zur EU, wichtige Schritte getan worden. Seitdem wurden Fortschritte nur bei zwei Bereichen erzielt: Mehrbesteuerung von Tabakprodukten und Unterstützung für Menschen, die das Rauchen aufgeben wollen. Ansonsten stagniert alles, obwohl es im Grunde genommen nur um rechtliche Vorschriften geht, nicht um materielle Ausgaben des Staates –das Parlament muss nur etwas guten Willen aufbringen. Das beste Beispiel ist das Gesetz zur Untersagung des Rauchens in geschlossenen öffentlichen Räumlichkeiten. Der Entwurf liegt dem Parlament seit 2011 und wurde bis heute nicht der Abstimmung zugeführt”, klagt die Expertin vom Gesundheitsministerium.



Eine gewisse Unterstützung in der Bekämpfung des Rauchens kommt von der Europäischen Union — denn im April dieses Jahres ist die Tabakrichtlinie novelliert worden, so der rumänische Europaabgeordnete Cristian Buşoi, der im Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments sitzt.



Die Novellierung der Tabakrichtlinie war im Parlament ein empfindliches und hei‎ß diskutiertes Thema. Erst im Dezember ist zwischen Parlament und Rat ein Kompromiss erreicht worden, so dass im April der neue Text im Amtsblatt der Union erscheinen konnte. Die Mitgliedstaaten haben nun zwei Jahre zur Verfügung, um die neue Richtlinie umzusetzen — dazu gehört, dass die Warnhinweise 65% der Front- und Rückseite der Packungen abdecken müssen. Aromastoffe und andere Zusatzstoffe wie Koffein, Vitamine, Farbstoffe oder Stoffe, die das Inhalieren oder die Nikotinaufnahme erleichtern, werden verboten. Form und Inhalt der Packungen sind dahingehend geregelt, dass keine irreführenden Eindrücke entstehen dürfen”, erklärt der Europaabgeordnete.



Die europäischen Institutionen hoffen, dass Rauchen auf diese Weise weniger attraktiv wird – vor allem für Jugendliche.

Sursa foto: Federația Băncilor pentru Alimente din România - FBAR / Facebook
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