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Kinderschutz: Ehemalige Heimkinder gegen Missbrauch in Waisenhäusern

Ein unlängst gegründeter Verband ehemaliger Heimkinder will die Angestellten der Waisenhäuser, die Kinder missbraucht haben, vor Gericht bringen.

Kinderschutz: Ehemalige Heimkinder gegen Missbrauch in Waisenhäusern
Kinderschutz: Ehemalige Heimkinder gegen Missbrauch in Waisenhäusern

, 26.08.2015, 17:30

Nach dem Fall des kommunistischen Regimes in Rumänien im Dezember 1989 hat die ganze Welt von den schrecklichen rumänischen Waisenhäusern erfahren. Erschütternde Bilder und Aufnahmen sorgten jahrelang für Schlagzeilen. Die Zeiten sind vorbei, Probleme gibt es aber noch im System. Ein neuer Verband möchte jetzt die Angestellten der Waisenhäuser, die Kinder missbraucht haben, vor Gericht bringen. Ins Leben gerufen wurde dieser Verband von ein paar 30jährigen, die ihre Kindheit in solchen Institutionen verbracht haben.



In Rumänien gibt es über 200 Kinderheime, in denen ein paar Dutzend Tausende Kinder und Jugendliche untergebracht sind. Jährlich werden Millionen Euro für die Finanzierung dieser Zentren ausgegeben. Die Adoptionen sind kompliziert, diese können in manchen Fällen auch jahrelang dauern — ein gro‎ßer Nachteil für die Kinder. Wenn die Kinder die Heime verlassen, gibt es für sie wenig Unterstützung, um ein normales Leben aufzubauen. Manche haben es aber geschafft und jetzt eine unerwartete Initiative gestartet. Sie haben den Verband der Erwachsenen aus den Waisenhäusern gegründet und fordern Ermittlungen gegen Missbräuche in den Kinderheimen in den letzten fünf Jahrzehnten. Vorsitzender dieses Verbands ist Daniel Rucăreanu. Er wurde in zwei Waisenhäusern untergebracht und hat es überstanden. Er ist 37 Jahre alt, hat studiert und möchte den verlassenen Kindern helfen.



Die Zahl jener Personen, die in solchen Institutionen untergebracht wurden, ist sehr hoch, und es gibt keine Stimme, die sie vertritt. Wir verfolgen mehrere Ziele. Das erste Ziel betrifft die Rückgewinnung der Erinnerung an diese Institutionen. Bis jetzt gab es keine Initiative, ein Museum dieser staatlichen Sozial-Institutionen zu gründen, und auch keine Pläne, Bänder mit den Geschichten derjenigen zu veröffentlichen, die eine solche Erfahrung gemacht haben. Wir möchten auch ein Netzwerk der Erwachsenen gründen, die in Fürsorge-Institutionen untergebracht wurden. Sie sollen Partner der öffentlichen Behörden werden, die die von ihren Eltern getrennte Kinder schützen.“




Die Unterbringung Kinderheimen hat verheerende Folgen. Daniel Rucăreanu erinnert sich an die Zeit, als er Fürsorgeempfänger war:



Das Leben in einer solchen Mammut-Institution war überhaupt nicht leicht. Alle hatten schon ein gro‎ßes Trauma wegen der Trennung von der Familie erlebt. Dann kamen weitere Traumen hinzu: keine Liebe, die Traumen der Unterbringung in einem unvertrauten Milieu, die sehr stark sind. Viele derjenigen, die in solchen Institutionen gelebt haben und noch leben, können diese traumatischen Erlebnisse nicht loswerden. Ich habe 7 Jahre in diesen Institutionen verbracht, die eine lag in Ploieşti und die andere in Buşteni. Mein Glück war, dass ich als kleines Kind, ich war damals 8-9 Jahre alt, eine Familie aus Buftea kennengelernt habe. Es waren ältere Leute, die mich lieb hatten. Sie haben mich nicht adoptiert. Aber ich verbrachte die Ferien bei ihnen und ich konnte so das institutionalisierte Leben im Kinderheim loswerden und auf diese Weise das Scheitern im Leben vermeiden. Sehr wenige dieser Kinder machen Abitur und studieren danach. Nur etwa 2-3%. Ich habe nur meine Mutter kennengelernt, meinen Vater nicht. Ich wurde ein Opfer des Missbrauchs in der Familie. Bevor ich in eine Schutz-Institution kam, habe ich eine Zeitlang auf der Stra‎ße gelebt.“




Laut den Zielen der Strategie betreffend die Kinderrechte für die Periode 2014-2020 müsste Rumänien alle Kinderheime schlie‎ßen und die Kinder in Familien integrieren. Die Stiftung Hope and Homes for Children Romania“ ist seit dem Jahr 2000 aktiv in Rumänien und gibt den traurigsten Kindern in der Welt Hoffnung. Die Stiftung hilft ihnen, in einer Familie aufzuwachsen. Otto Sestak, Manager der Bildungsprogramme von Hope and Homes For Children Romania, berichtet:



Nach der Revolution hat sowohl die rumänische Gesellschaft als auch die internationale Gemeinschaft gesehen, wie gro‎ß das Problem der Waisenkinder war und unter welchen schlimmen Bedingungen sie gelebt haben. Man hat im Fernsehen die ersten Aufnahmen mit diesen Kindern gezeigt. Die Reform in diesem Bereich hat in Rumänien in 1996 angefangen. Diese Reform ist etwas komplexer als nur der Übergang von den alten Institutionen zum Wohnen in der Familie. Es handelt sich um ein Paradigmenwechsel der sozialen Dienstleistungen. Viele glaubten, dass die über 100.000 Kinder, die sich Anfang der 2000er Jahre in Kinderheimen befanden, keine Eltern hatten. Die Wahrheit ist, dass 80 – 90% dieser Kinder Eltern hatten. Sie waren keine Waisenkinder. Aber es gab zu dem Zeitpunkt keine anständige Lösung für sie, um in ihrer Familie bleiben zu können.“




In den letzten 15 Jahren, seitdem die Stiftung Hope and Homes for Children in Rumänien aktiv ist, haben über 6.000 Kinder die Institutionen verlassen, 21.000 Kinder wurden von der Aussetzung gerettet und 47 Kinderheime endgültig geschlossen. Insgesamt haben heute 30.000 Kinder ein besseres Leben: Ihnen wurde geholfen, sich in ihre eigenen Familien zu integrieren, oder sie wurden bei Pflege-Eltern untergebracht. Für andere wurden Familienhäuser errichtet. Otto Sestak:



Jedes Kind braucht ein Haus und eine Familie. Wir möchten jedem Kind ein Haus und eine Familie anbieten. Wir möchten die Kinder näher an Familien bringen. Wir müssen die alten Institutionen schlie‎ßen. Es stimmt, wir bauen auch Häuser, in denen Kinder, die in der Familie missbraucht werden, untergebracht werden. Das gilt aber nur als zeitweilige Lösung, so dass die Kinder dann zur eigenen oder in eine andere Familie kommen.“




Die Stiftung Hope and Homes for Children“ setzt sich auch für die soziale Integration der Jugendlichen ein, die das System verlassen. Bis jetzt hat die Stiftung 456 Jugendlichen geholfen, sich ein ordentliches Leben aufzubauen.

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