Târgu Neamț: atemberaubende Naturlandschaften, Geschichte und Kultur
Wir begeben uns in eine Stadt im Norden des Landkreises Neamț, im Westen der historischen Region Moldau und im Nordosten Rumäniens. Târgu Neamț liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 365 Metern, auf der Flussterasse Ozana.
Ana-Maria Cononovici, 13.01.2026, 12:57
Es handelt sich um eine hügelige Gegend, die neben atemberaubenden Naturlandschaften auch wertvolle historische Denkmäler bietet. Eines davon ist das bekannteste Wahrzeichen die Neamț-Festung. Sie wurde während der Herrschaft von Petru Mușat (1375–1391) errichtet und galt als eine eine der größten Befestigungsanlagen des Mittelalters. Die Neamț-Festung wurde an einem strategisch wichtigen Ort errichtet, nahe dem höchsten Punkt des Pleșu-Höhenzug und hatte die Aufgabe, den über das Gebirge nach Siebenbürgen führenden Weg von Târgu Neamț nach Pipirig zu sichern, ebenso wie die Täler der Flüsse Moldova und Siret. Dr. Dorin Nicola, Direktor des Nationalen Museums Neamț, führt uns durch die Neamț-Festung:
„In der Neamț-Festung in Târgu Neamț befindet sich derzeit ein Museum, das im Juni 2009 eröffnet wurde. Auf dem Gelände der Festung wurden 22 Ausstellungsräume restauriert. So entstanden der Thronsaal, der Beratungs- und Gerichtssaal, der Waffensaal, die Küche, die Großküche (Cuhnia), das Lapidarium, die Gemächer der Fürstinnen, das Verlies oder das Schwarze Verlies, und das Leben innerhalb der Festung ist wieder erwacht. Wir versuchen stets, einen Besuch der Neamț-Festung immer attraktiver zu gestalten, denn uns besuchen nicht nur Gäste aus Rumänien, sondern auch aus dem Ausland. Die ausländischen Besuchergruppen sind davon beeindruckt, dass diese Festung nicht leer ist. Sie ist gerade dadurch wieder zum Leben erwacht, dass sie anfangs nur aus Mauern bestand, heute jedoch im Inneren jene mittelalterliche Atmosphäre existiert. Es gibt Wächter, es gibt Hofdamen, man kann die Glocke sehen, die im Fall einer Gefahr zum Kampf rief. Und wer die Legenden der Festung kennt hat tatsächlich den Eindruck, die ehemaligen Grenzwächter plăieși zu sehen, die Sobieski standhielten und am Ende der Schlacht erhobenen Hauptes hervorgingen, indem sie sagten, dies sei wahrlich ein Adlerhorst, der sich nicht so leicht erobern lässt.“
Dr. Dorin Nicola erinnerte zudem daran, dass jährlich um den 2. Juli herum die Tage der Neamț-Festung organisiert werden – mit zahlreichen Veranstaltungen, die an die Glanzzeit der Festung erinnern: „In der Festung finden verschiedene traditionelle mittelalterliche Werkstätten statt, ebenso Rekonstruktionen historischer Schlachten mit Rittertruppen und Reenactments der mittelalterlichen Epoche, die den Besuchern zeigen, wie die Kampfausrüstung aussah. Auch wenn wir wissen, dass die Soldaten Ștefan des Großen kaum mehr als eine Keule und eine sarică – einen traditionellen, langen und dicken bäuerlichen Wollmantel – auf dem Rücken trugen, präsentieren wir mittelalterliche Ausrüstungen. Wer an den Reenactments teilnimmt legt dabei viel Herzblut an den Tag und zeigen anschaulich, wie mit solchen Ausrüstungen gekämpft wurde.“
Das Naturreservat der Wisente von Vânători Neamț, das Kloster Neamț, der Themenpark sowie die Gedenkhäuser der Schriftsteller und Schriftstellerinnen Ion Creangă, Veronica Micle, Mihail Sadoveanu, Alexandru Vlahuță, das Lebende Museum – Agapia und Casa Popa – Târpești, in dem der Volkskünstler Nicolae Popa lebte, sind weitere Sehenswürdigkeiten der Umgebung und offenbaren den kulturellen Reichtum der Gegend.