Rumänischer Bankensektor: Geschätzter Jahresverlust in Höhe von 450 Mio. Euro

rumänischer bankensektor: geschätzter jahresverlust in höhe von 450 mio. euro Der rumänische Bankensektor, der die Wirtschaft zu 90% finanziert, ist weiterhin auf der „Intensivstation“, auch nach sechsjähriger Krise, weil dieser nicht rechtzeitig umstrukturiert wurde.

Der rumänische Bankensektor, der die Wirtschaft zu 90% finanziert, ist weiterhin auf der „Intensivstation“, auch nach sechsjähriger Krise, weil dieser nicht rechtzeitig umstrukturiert wurde. Deshalb verzeichnet er weiterhin hohe Kosten und sinkende Erträge, heißt es in einer Analyse des rumänischen Finanzblattes „Ziarul Finaciar“. Die Verwaltungskosten der Banken, beginnend mit den Löhnen der Angestellten bis hin zu den Mieten für die Niederlassungssitze, finden sich in den Kreditzinsen wieder. Obwohl diese zurückgegangen sind, ist ihr stand weiterhin hoch verglichen mit der Währungspolitik, die auf Zinssätze in Höhe von 2,75% angepasst wurde.

 

Während der Krisenjahre wurde einer von fünf Krediten nicht leistungsfähig. Die Infrastruktur des rumänischen Bankenwesens hat ihren Höhepunkt 2008 erzielt. Damals erreichten die Territorialnetzwerke 6.600 Niederlassungen und Dienststellen. Bei diesen waren 71.500 Mitarbeiter angestellt. Sechs Jahre nach Beginn der Wirtschaftskrise wurde ein Fünftel der Stellen und der Bankensitze gestrichen. Das heißt, dass 13.600 Mitarbeiter das System verlassen haben und 1.200 Dienststellen wurden geschlossen. Die Bemühung, die leistungsschwachen Kredite aus der Bilanz zu nehmen und die weiteren Provisionsmaßnahmen, die in Verbindung mit der Generalsanierung des Bankensektors hinsichtlich der Bewertung der Qualität der Aktiva nächstes Jahr getroffen wurden, trugen dazu bei, dass 2014 ein schwieriges Jahr für die Banken war. Das Bankensystem soll am Jahresende einen Verlust von über 2 Milliarden Lei (umgerechnet 450 Millionen Euro) verzeichnen, so die Schätzungen des Chefs der Kontrollbehörde der Rumänischen Nationalbank, Nicolae Cinteză.

 

„Zum 30. September verzeichnete das Bankenwesen einen Verlust von 1,6 Milliarden Lei (umgerechnet 360 Millionen Euro). Das war selbstverständlich. Die massiven Provisionen, die im dritten Quartal zugewiesen wurden, verursachten diesen Verlust. Es kommt noch mehr“, erklärte Nicolae Cinteză. Er sagte außerdem, dass das Niveau der leistungsschwachen Kredite zwischen April und September 2014 von 22,3% auf 15,33% gesunken ist. Der Deckungsgrad der Provisionen für leistungsschwache Kredite beträgt 66,22%. Diese Meinung bezüglich der Verluste, die der Bankensektor verzeichnen wird, teilt auch der Vorsitzende des Rumänischen Bankenverbandes, Radu Graţian Gheţea:

 

2014 wird meiner Meinung nach ein Jahr mit beträchtlichen Verlusten sein. Ein Verlust auf Ebene des Bankensystems wurde von der Nationalbank bereits bekanntgegeben und eine sogenannte Säuberung der Bilanzen hatte nicht einmal richtig begonnen.“

 

 

Die Kreditierung des Privatsektors geht weiterhin abwärts, trotz der positiven Dynamik bei der Kreditierung in rumänischer Währung und der Notenbanchef Mugur Isărescu hat den Grund erläutert, warum die Kreditierung sich insgesamt nicht erholt. Dieser hat nichts mit dem Mangel an Geld, das den Banken zur Verfügung steht, zu tun:

 

„Die rumänischen Banken haben sogar einen Überschuss an Liquidität, sowohl in Lei als auch in Devisen. Also ist nicht der Geldmangel der Hauptgrund für den Verlangsamungsprozess und des Senkungsprozesses, im Falle der Kredite in ausländischer Währung. Die Entwicklung steht in erster Linie in Zusammenhang mit all diesen Strukturumwandlungen, mit der Lage der leistungsschwachen Kredite, mit einem gewissen Vertrauensmangel zwischen Banken und ihren Kunden. Wir versuchen diesen Vertrauensmangel einzudämmen, einschließlich durch Maßnahmen der Währungspolitik, durch die Sicherung eines wirtschaftlich und finanziell stabilen Klimas. Wir setzen uns also in mehreren Bereichen ein.“

 

 

Ende Oktober hat die Europäische Zentralbank die Ergebnisse der Stresstests veröffentlicht, denen 130 große europäische Banken unterzogen wurden. Einige der Banken, die den Test nicht bestanden haben, besitzen Aktien bei Banken, die in Rumänien tätig sind:

 

„Obwohl es Banken gibt, die unter den Aktionären Problembanken auf europäischer Ebene aus Griechenland, Italien usw. haben, ist das rumänische Bankensystem auf unabhängigen Banken aufgebaut. Aus Sicht des Eigenkapitals und aus Sicht der Bilanzsituation sind diese vollkommen unabhängig von den Mutterbanken und werden von der Rumänischen Nationalbank überwacht. Es gibt also keinen direkten Zusammenhang und keine direkte Besorgnis in Verbindung zu diesen Banken. Aus den Daten, die uns bekannt sind und die von der Landesbank zentralisiert werden, verfügen die rumänischen Banken über einen sehr guten Kapitalisierungsstand. Der Durchschnitt beträgt über 15% auf Systemebene. Das ist viel höher als die europäische Vorgabe. Deshalb sagte ich, dass kein direkter Grund zur Besorgnis besteht. Der einzige Fall, in dem es eine Auswirkung auf die rumänischen Banken geben könnte, ist jener, in dem eine der rumänischen Banken eine Kapitalspritze von der Mutterbank benötigt. In einer solchen Situation könnte es möglich sein, das eine der europäischen Problembanken nicht über das für die Bank in Rumänien nötige Kapital verfügt. Wie gesagt aber verfügen die rumänischen Banken zurzeit über ausreichend Kapital. Es besteht also nicht das Risiko einiger plötzlicher Forderungen an die Mutterbanken.“

 

 

Die rumänischen Banken werden höchstwahrscheinlich im Oktober 2015 einer Evaluierungsübung ausgesetzt, vor dem Beitritt zum einheitlichen Überwachungssystem der Europäischen Zentralbank.


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Publicat: 2014-12-16 17:45:00
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