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Divergenzen über das Mercosur-Abkommen

Die Europäische Union hat das umstrittene Handelsabkommen mit Ländern Lateinamerikas abgeschlossen – ein Abkommen, das sowohl von Politikern als auch von europäischen Landwirten kritisiert wird.

Mercosur
Mercosur

, 12.01.2026, 21:17

Brüssel bestätigte, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Samstag in Asunción, der Hauptstadt Paraguays, das von der EU Ende vergangener Woche gebilligte Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten unterzeichnen wird. Das Abkommen wurde trotz der Gegenstimmen Frankreichs, Polens, Österreichs, Irlands und Ungarns sowie der Enthaltung Belgiens beschlossen. Um eine qualifizierte Mehrheit zu erreichen, mussten zusätzliche Schutzklauseln für europäische Landwirte ausgehandelt werden, die in den vergangenen Tagen dennoch weiter protestiert hatten.

 

In einer Analyse der Nachrichtenagentur EFE heißt es, dieses Abkommen trage dem Bedürfnis Brüssels Rechnung, angesichts eskalierender Handelskonflikte mit den Vereinigten Staaten alternative Märkte und Handelspartner zu finden sowie Chinas Einfluss in Lateinamerika und Europas Abhängigkeit von Peking bei kritischen Rohstoffen entgegenzuwirken. Damit das Mercosur-Abkommen in Kraft tritt, muss es vom Europäischen Parlament ratifiziert werden. Dort wird mit Widerstand vieler Abgeordneter gerechnet – sowohl aus Ländern, die das Abkommen ablehnen, als auch aus Fraktionen wie der extremen Rechten, den Grünen oder der Linken, die aus Umweltbedenken und wegen des befürchteten unlauteren Wettbewerbs dagegen sind.

 

Rumänien stimmte für das Abkommen, nachdem gemeinsam mit anderen europäischen Staaten zusätzliche Schutzmaßnahmen für rumänische und europäische Produzenten ausgehandelt worden waren. Diese Entscheidung löste jedoch scharfe Kritik seitens der Sozialdemokratischen Partei an einem Partner der Regierungskoalition in Bukarest – der Partei USR – aus.

 

Konkret verurteilte die PSD die Entscheidung der rumänischen Diplomatie, deren Ressort von der USR geführt wird, den Vertreter im Coreper (Ständiger Ausschuss der Vertreter der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten) zu ermächtigen, für das Handelsabkommen zu stimmen, ohne klare Klauseln, die garantierten, dass rumänische Landwirte vor Importen aus Lateinamerika geschützt werden. Die USR entgegnete, der rumänische Staat habe diesen Schritt im Gegenteil erst nach harten Verhandlungen unterstützt, die klare Garantien für Industrie und Landwirtschaft gebracht hätten.

Auch europäische Landwirte stehen dem Abkommen kritisch gegenüber und protestierten in den vergangenen Tagen in mehreren Ländern aus Angst vor unlauterem Wettbewerb. Befürworter des Abkommens, das es dem EU-Binnenmarkt ermöglichen wird, mit deutlich reduzierten Zöllen auf die Märkte Argentiniens, Brasiliens, Paraguays und Uruguays zu exportieren und zugleich Produkte von dort zu importieren, betrachten es jedoch als entscheidend für die Stimulierung der Exporte, die Stützung der europäischen Wirtschaft und die Stärkung diplomatischer Beziehungen in einem global unsicheren Umfeld.

 

Mercosur, ein südamerikanischer Handelsblock, wurde 1991 gegründet. Zusammen bilden die Mercosur-Länder die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt mit einer Gesamtbevölkerung von 270 Millionen Menschen. Zu den wichtigsten Exportgütern der EU nach Mercosur zählen Maschinen und Anlagen, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie Transportausrüstungen, während die EU von dort vor allem Agrar- und Mineralprodukte, Zellstoff und Papier importiert.

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