Vier Jahre Krieg in der Ukraine
Die völkerrechtswidrige militärische Aggression Russlands gegen die Ukraine ist in ihr fünftes Jahr eingetreten. Vier Jahre nach dem von Wladimir Putin befohlenen groß angelegten Einmarsch ins Nachbarland sind Moskau und Kiew von dem erhofften Frieden weiterhin weit entfernt.
Corina Cristea und Sorin Georgescu, 24.02.2026, 13:53
Angesichts der festgefahrenen Frontlinien und der Rückkehr von Donald Trump ins Amt des US-Präsidenten hat sich der Schwerpunkt zuletzt auf mögliche Verhandlungen verlagert. Ziel wäre es, beide Seiten zu einem Friedensabkommen zu bewegen. Ein solches Abkommen erscheint jedoch schwer erreichbar. Zentraler Streitpunkt bleiben territoriale Zugeständnisse, die Moskau fordert und Kiew ebenso entschieden ablehnt. Was der Kreml 2022 als „militärische Spezialoperation“ bezeichnete, hat sich inzwischen zu einem zermürbenden Abnutzungskrieg entwickelt – mit weitreichenden militärischen, wirtschaftlichen und humanitären Folgen.
Eine Bilanz des Zentrums für Strategische und Internationale Studien geht davon aus, dass die offiziellen Angaben beider Seiten deutlich zu niedrig liegen. Die Gesamtzahl der militärischen Verluste – Gefallene, Verwundete oder Vermisste – auf ukrainischer und russischer Seite könnte demnach zwischen 1,8 und 2 Millionen Menschen liegen. Rund zwei Drittel der Opfer entfielen auf die russischen Streitkräfte. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden zudem mehr als 15 000 zivile Todesopfer bestätigt. Hinzu kommen fast vier Millionen Binnenvertriebene innerhalb der Ukraine sowie nahezu sechs Millionen Ukrainer, die ins Ausland geflohen sind.
Ein Teil von ihnen lebt in Rumänien. Als Mitglied der Europäischen Union und der NATO sowie als unmittelbarer Nachbarstaat steht Rumänien seit Beginn des Krieges an der Seite der Ukraine. Im Abgeordnetenhaus in Bukarest wurde in diesen Tagen mit einer Schweigeminute der im Krieg getöteten ukrainischen Bürger gedacht. Zum vierten Jahrestag des Krieges organisierten mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen in verschiedenen Städten Rumäniens öffentliche Gedenkveranstaltungen. In Constanța am Schwarzen Meer erinnerten ukrainische Flüchtlinge an die Opfer des Krieges. Zugleich bekräftigten sie ihren Glauben an Gerechtigkeit und an eine friedliche Zukunft und dankten Rumänien für die humanitäre und militärische Unterstützung.
Für Rumänien selbst bedeuteten die vergangenen vier Jahre einen wirtschaftlichen Einschnitt. Hohe Inflation, steigender Haushaltsdruck und erhebliche Energiekosten prägten die Entwicklung. Zugleich habe sich das Land strategisch neu positioniert und sei zu einem logistischen und energetischen Drehkreuz in Osteuropa geworden, sagt der Wirtschaftsberater Adrian Negrescu.
Die größte Belastung sei die Inflation gewesen, ausgelöst durch die stark gestiegenen Energiepreise. Sie habe die Einkommen der Menschen geschmälert und die Kaufkraft der Bevölkerung geschwächt. Positiv sei jedoch, dass die Nähe zum Kriegsgebiet ausländische Investoren nicht abgeschreckt habe. Viele Unternehmen suchten die Stabilität des NATO-Raums, zogen sich aus Russland und der Ukraine zurück und verlagerten Produktionskapazitäten in sichere Nachbarländer.
Rumänien stehe nun vor einer historischen Chance, so Negrescu weiter: Das Land könne zu einer zentralen logistischen Plattform für den Wiederaufbau der Ukraine werden – ein Projekt, dessen Umfang auf rund 1 400 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.