Mehr Rechte für die rumänische Sprache in der Ukraine
Angehörige nationaler Minderheiten in der Ukraine, darunter die Rumänen, dürfen ihre Muttersprache künftig unter bestimmten Voraussetzungen in den Schulen verwenden. Das ukrainische Parlament hat dafür eine Gesetzesänderung verabschiedet.
Sorin Iordan und Sorin Georgescu, 14.10.2026, 17:15
Rumänische Kinder in der Ukraine sollen künftig in ihrer Muttersprache unterrichtet werden können. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet, das am Montag vom Parlament in Kiew verabschiedet worden war. Es garantiert Angehörigen von Minderheiten, deren Sprachen Amtssprachen der Europäischen Union sind, das Recht, diese Sprachen im Bildungswesen zu verwenden.
Das Gesetz schafft zusätzliche Garantien für den muttersprachlichen Unterricht. Es regelt die Anerkennung von Schulen, in denen in Minderheitensprachen unterrichtet wird, und legt fest, wie Eltern einbezogen werden. Auch der Schutz der kulturellen Identität und die Kontinuität der Ausbildung sollen gewährleistet werden.
Die ukrainische Botschaft in Bukarest erklärte, das Gesetz führe einen neuen rechtlichen Status für Bildungseinrichtungen nationaler Minderheiten ein. Schulen, an denen mehr als die Hälfte der Schüler in der jeweiligen Minderheitensprache unterrichtet wird, können diesen Status erhalten. Er kann dann auch im offiziellen Namen der Schule und in ihren Gründungsdokumenten vermerkt werden. Zudem sollen Schulen, die Klassen oder Gruppen mit Unterricht in Minderheitensprachen anbieten, staatliche Zuschüsse erhalten. Das gilt für Sprachen, die zugleich Amtssprachen der EU sind, darunter Rumänisch. Die Lehrpläne können außerdem Geschichte, materielle und geistige Kultur sowie Traditionen, Symbole und Bräuche der jeweiligen Minderheit umfassen, teilte die ukrainische Botschaft mit.
Auch für den Fall einer Schulschließung oder Umstrukturierung sieht das Gesetz Schutzmaßnahmen vor. Wird eine öffentliche Mittel- oder Oberschule geschlossen, in der in einer Minderheitensprache unterrichtet wird, müssen die Schüler auf Wunsch ihrer Eltern ihre Ausbildung an einer anderen Schule mit entsprechendem Status fortsetzen können. Diese muss sich im selben Verwaltungsgebiet befinden und Unterricht in der jeweiligen Muttersprache anbieten.
Der rumänische Präsident Nicușor Dan begrüßte die Gesetzesänderung. Sie stärke das Recht nationaler Minderheiten auf Bildung in ihrer Muttersprache. Die neuen Bestimmungen stellten klar, dass die Muttersprache unter allen Umständen verwendet werden könne und nicht nur während des Unterrichts, erklärte Dan. Rumänien werde gemeinsam mit der rumänischen Gemeinschaft und den ukrainischen Behörden weiter daran arbeiten, dass die neuen Regelungen auch tatsächlich umgesetzt werden. Ziel sei es, rumänischen Kindern muttersprachlichen Unterricht bis hin zur Oberschule zu ermöglichen.
Die Gesetzesänderung steht im Zusammenhang mit den Beitrittsbemühungen der Ukraine zur Europäischen Union. Sie betrifft insbesondere Minderheiten, deren Sprachen in der EU Amtssprachen sind. Dazu gehören die rumänischen und moldauischen Gemeinschaften in der Ukraine, die beide Rumänisch sprechen.
Nach Angaben des rumänischen Außenministeriums leben die meisten Angehörigen der rumänischen Minderheit in den Regionen Czernowitz mit mehr als 180 000 Menschen, Odessa mit rund 123 000 sowie Transkarpatien mit etwa 32 000 Menschen.